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„Google Books Settlement“ : Kein Schutz für die verwaisten Bücher

Goethes „Faust” als Digitalisat in der Weimarer Anna Amalia Bibliothek Bild: picture-alliance/ dpa/dpaweb

Der digitale Büchersuchdienst „Google Books“ nahm auf die Urheberrechte der Autoren bislang wenig Rücksicht. Das „Google Books Settlement“ soll das ausgleichen. Kann es dabei zu einer fairen Vereinbarung kommen? Eine amerikanische Rechtsprofessorin hat Zweifel.

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          Sieben Millionen Bücher hat der Suchmaschinengigant Google für seine Büchersuchmaschine Google Books bereits digitalisiert und sie, ohne dass die Autoren einen finanziellen Vorteil davon hätten, der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Im Jahr 2005 verklagte daher die amerikanische Schriftstellervereinigung Authors Guild zusammen mit einigen Verlagen Google wegen Verletzung der Urheberrechte. Ein Vertragswerk namens „Google Book Settlement“ soll helfen, diesen Streit zu schlichten.

          Thomas Thiel

          Redakteur im Feuilleton.

          Aber kann es überhaupt zu einer fairen Vereinbarung kommen? Die amerikanische Rechtsprofessorin Pamela Samuelson von der Universität Berkeley hat jetzt in einem Blog Stellung gegen diese Auffassung bezogen (siehe The Dead Souls of the Google Booksearch Settlement). Ihrer Ansicht nach wird die privat ausgehandelte Einigung zwischen der Suchmaschine und einigen wenigen Autoren und Verlegern zwar den Interessen der Verhandlungsführer zugute kommen. Keinesfalls würden dabei aber die Interessen der Mehrzahl der Autoren gewahrt, deren Bücher im Bestand der Google Buchsuche vertreten sind.

          Verwaiste Werke

          Wie also könne Google die Erlaubnis bekommen, Millionen von Bücher zugänglich zu machen, wenn es nur mit einer kleinen Fraktion von klageführenden Autoren und Verlegern übereinkommt? Das Abkommen in seiner jetzigen Form, so Samuelson, diene hauptsächlich der Monetarisierung von Millionen sogenannter „verwaister Werke“. Dabei handelt es sich um Bücher, die zwar nicht mehr gedruckt werden, aber noch unter das Urheberrecht fallen, und bei denen es nahezu unmöglich ist, die Rechteinhaber zu identifizieren und um Erlaubnis zur Digitalisierung zu fragen. Geschätzte siebzig Prozent der Bestände von Google Books fallen unter diese Rubrik.

          Das „Google Book Settlement“ würde es der Firma erlauben, bis zu zwanzig Prozent der Inhalte dieser „verwaisten Bücher“ zugänglich zu machen, an ihrer Seite Werbeanzeigen zu schalten und den Zugang zu den Volltexten zu verkaufen. Um die Autoren an den Einnahmen zu beteiligen, sieht die Vereinbarung die Gründung einer Gesellschaft (Books Rights Registry) vor. Sie würde fünfdundvierzig Millionen Dollar, die ihr Google überweist, an registrierte Besitzer von Urheberrechten verteilen. Die vorgesehene Vereinbarung, resümiert Samuelson, würde Google und dieser Gesellschaft nur das Monopol auf die größte digitale Bibliothek der Welt sichern. Und es beiden ermöglichen, die Bedingungen zu bestimmen, unter denen „verwaiste Bücher“ in digitaler Form publiziert werden können.

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