https://www.faz.net/-gqz-12853

„Google Books Settlement“ : Kein Schutz für die verwaisten Bücher

Goethes „Faust” als Digitalisat in der Weimarer Anna Amalia Bibliothek Bild: picture-alliance/ dpa/dpaweb

Der digitale Büchersuchdienst „Google Books“ nahm auf die Urheberrechte der Autoren bislang wenig Rücksicht. Das „Google Books Settlement“ soll das ausgleichen. Kann es dabei zu einer fairen Vereinbarung kommen? Eine amerikanische Rechtsprofessorin hat Zweifel.

          Sieben Millionen Bücher hat der Suchmaschinengigant Google für seine Büchersuchmaschine Google Books bereits digitalisiert und sie, ohne dass die Autoren einen finanziellen Vorteil davon hätten, der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Im Jahr 2005 verklagte daher die amerikanische Schriftstellervereinigung Authors Guild zusammen mit einigen Verlagen Google wegen Verletzung der Urheberrechte. Ein Vertragswerk namens „Google Book Settlement“ soll helfen, diesen Streit zu schlichten.

          Thomas Thiel

          Redakteur im Feuilleton.

          Aber kann es überhaupt zu einer fairen Vereinbarung kommen? Die amerikanische Rechtsprofessorin Pamela Samuelson von der Universität Berkeley hat jetzt in einem Blog Stellung gegen diese Auffassung bezogen (siehe The Dead Souls of the Google Booksearch Settlement). Ihrer Ansicht nach wird die privat ausgehandelte Einigung zwischen der Suchmaschine und einigen wenigen Autoren und Verlegern zwar den Interessen der Verhandlungsführer zugute kommen. Keinesfalls würden dabei aber die Interessen der Mehrzahl der Autoren gewahrt, deren Bücher im Bestand der Google Buchsuche vertreten sind.

          Verwaiste Werke

          Wie also könne Google die Erlaubnis bekommen, Millionen von Bücher zugänglich zu machen, wenn es nur mit einer kleinen Fraktion von klageführenden Autoren und Verlegern übereinkommt? Das Abkommen in seiner jetzigen Form, so Samuelson, diene hauptsächlich der Monetarisierung von Millionen sogenannter „verwaister Werke“. Dabei handelt es sich um Bücher, die zwar nicht mehr gedruckt werden, aber noch unter das Urheberrecht fallen, und bei denen es nahezu unmöglich ist, die Rechteinhaber zu identifizieren und um Erlaubnis zur Digitalisierung zu fragen. Geschätzte siebzig Prozent der Bestände von Google Books fallen unter diese Rubrik.

          Das „Google Book Settlement“ würde es der Firma erlauben, bis zu zwanzig Prozent der Inhalte dieser „verwaisten Bücher“ zugänglich zu machen, an ihrer Seite Werbeanzeigen zu schalten und den Zugang zu den Volltexten zu verkaufen. Um die Autoren an den Einnahmen zu beteiligen, sieht die Vereinbarung die Gründung einer Gesellschaft (Books Rights Registry) vor. Sie würde fünfdundvierzig Millionen Dollar, die ihr Google überweist, an registrierte Besitzer von Urheberrechten verteilen. Die vorgesehene Vereinbarung, resümiert Samuelson, würde Google und dieser Gesellschaft nur das Monopol auf die größte digitale Bibliothek der Welt sichern. Und es beiden ermöglichen, die Bedingungen zu bestimmen, unter denen „verwaiste Bücher“ in digitaler Form publiziert werden können.

          Weitere Themen

          Über den Reporter, der immer Glück zu haben schien

          Der Fall Relotius : Über den Reporter, der immer Glück zu haben schien

          Fünf Monate, nachdem der frühere „Spiegel“-Redakteur Claas Relotius als Fälscher enttarnt wurde, legt das Magazin nun seine Untersuchung des Falls vor. Dabei geht es mit sich und einigen Mitarbeitern hart ins Gericht.

          „It Must Be Heaven“ Video-Seite öffnen

          Trailer : „It Must Be Heaven“

          „It Must Be Heaven“ ist eine französisch-kanadische Komödie aus dem Jahr 2019 von Elia Suleiman. Der Film kämpft in Cannes um die Goldene Palme.

          Studieren ist schon toll

          Interview-Reihe „Auf ein Wort“ : Studieren ist schon toll

          Miriam Osinbowale studiert nicht zum ersten Mal und unterrichtet sogar schon an einer Krankenpflegeschule. Im spontanen Kurzinterview spricht sie über die Vor- und Nachteile eines berufsbegleitenden Studiums.

          „All my Loving“ Video-Seite öffnen

          Trailer : „All my Loving“

          „All my Loving“ ist der neue Film von Edward Berger und zeigt drei Geschwister, die an einem Punkt angelangt sind, an dem sie schnell etwas verändern müssen, bevor die zweite Hälfte ihres Lebens beginnt.

          Topmeldungen

          Protest vor der Facebook-Niederlassung auf den Philippinen

          KI-Chef Jérôme Pesenti : Wie viel Hass erkennt Facebook?

          Soziale Netzwerke sollen Schikane im Netz verhindern. Im Interview erklärt Facebooks Leiter für Künstliche Intelligenz, warum das Problem schwer in den Griff zu bekommen ist: Die Technik kann noch zu wenig.
          Amerikas Präsident Donald Trump und sein Justizminister William Barr

          Russland-Affäre : Sicherheitsrisiko Trump

          Justizminister William Barr kann ab jetzt Geheimdienstinformationen freigeben, um zu belegen, dass die Russland-Ermittlung eine „Hexenjagd“ gewesen sein soll. Aus politischen Motiven geht Donald Trump erhebliche Sicherheitsrisiken ein.
          „Spiegel“-Verlagschef Thomas Hass (links), Chefredakteur Steffen Klusmann und Brigitte Fehrle stellen den Bericht vor.

          Der Fall Relotius : Über den Reporter, der immer Glück zu haben schien

          Fünf Monate, nachdem der frühere „Spiegel“-Redakteur Claas Relotius als Fälscher enttarnt wurde, legt das Magazin nun seine Untersuchung des Falls vor. Dabei geht es mit sich und einigen Mitarbeitern hart ins Gericht.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.