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#MeToo und die Oscars : Der ärmste Mann Hollywoods

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Nicht gerade die dankbarste Aufgabe Hollywoods: Jimmy Kimmel Bild: AP

Moderator Jimmy Kimmel wird es nicht leicht haben: Er kommt bei den Oscars an der „MeToo“-Debatte nicht vorbei. Und dennoch muss die Show in Hollywood immer weitergehen.

          „Ich fühle mich ein bisschen wie der erste Hund, den man ins Weltall schoss“, sagte Seth Myers bei der Moderation der Golden-Globe-Verleihung, dem ersten Festakt der amerikanischen Unterhaltungsbranche in Zeiten von „#MeToo“, und sandte einen „besonderen Gruß an die Moderatoren künftiger Hollywood-Galas“. Gemeint war Jimmy Kimmel. Der Talkmaster von ABC führt in zwei Monaten durch die Oscar-Verleihung. „Schon klar, dass das mir galt“, sagte Kimmel einen Tag später auf der Konferenz der Television Critics Association in Pasadena. „Meine Frau und ich haben uns vorm Fernseher schlappgelacht.“

          Amüsieren soll sich am 4. März freilich das Publikum. Dabei ist es keine Leichtigkeit, die Erkenntnisse der vergangenen drei Monate über sexuellen Missbrauch im Unterhaltungsbusiness in heiterem Ton zu verarbeiten. Unerwähnt kann man den Fall Weinstein und die „MeToo“-Bewegung schon gar nicht lassen. Myers schlug sich bei den Golden Globes wacker, nun ist Kimmel an der Reihe. Der zeigte sich, was bleibt ihm anderes übrig, gelassen: Ja, das Thema werde „vermutlich zur Sprache kommen, es sei denn, dass eine Nuklearrakete im Anflug auf Sacramento ist. Dann überspringen wir es vielleicht“, witzelte Kimmel vor den von der Partynacht verkaterten Journalisten in Pasadena. Aber wie bei einem Whirlpool, meinte Kimmel zur Konjunktur des „MeToo“-Themas, könne man die Temperatur erst fühlen, wenn man drin sei.

          Im vergangenen Jahr hatte die Oscar-Verleihung aus einem ganz anderen Grund einen Temperatursturz erlebt. Die Veranstalter leisteten sich den größten Fauxpas der neunzigjährigen Oscar-Geschichte, als „La La Land“ fälschlicherweise als bester Film annonciert wurde. Dessen Produzenten hielten auf der Bühne schon die Dankesrede, als der Fehler korrigiert und „Moonlight“ als Gewinner bekanntgegeben wurde. Halb so schlimm, befand Kimmel nun, schließlich gehe es bei den Oscars um wenig mehr als „eine Gruppe von Promis, die einander Trophäen in die Hand drücken“. Die Juroren hätten übrigens sowieso nicht immer die Filme gesehen, über die sie abstimmten, wie Kimmel aus einem Witz über „Moonlight“ ableitete, der nicht ankam. Was ihn auf einen seltenen Vorzug von Donald Trump brachte: „Da ist zumindest jeder ständig auf dem Laufenden.“

          Präsidial erschien manchen die Rede von Oprah Winfrey bei der Verleihung der Golden Globes, in der sie die Macht der Frauen beschwor. Auf den Partys nach der Verleihung wurde die Moderatorin schon ekstatisch als künftige Präsidentin gehandelt. „Wenn das die Alternative zum amtierenden ist, bin ich dafür“, sagte Kimmel vorsichtig. Nur wenige Stunden später meinte die Komikerin Roseanne Barr in Pasadena, sie selbst sei vermutlich besser für die Präsidentschaft geeignet als Oprah Winfrey oder Donald Trump. Die versammelten Fernsehkritiker lachten gequält. Die Show muss in Hollywood eben doch immer weitergehen.

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