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Golden Globes : Eine Trophäe für jede Elisabeth

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Für den besten Film prämiert: Alejandro Gonzalez Inarritu mit den Schauspielerinnen Adriana Barraza (l.) und Rinko Kikuchi Bild: AP

Im vergangenen Jahr hatte die amerikanische Unterhaltungsindustrie einen Blick in die Untiefen der amerikanischen Seele geworfen. Diesmal ging der Blick, das zeigt die nächtliche Vergabe der Golden Globes, weiter: nach England, auf drei Kontinente und von Kasachstan zurück.

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          Wenn die diesjährige Verleihung der Golden Globes - immerhin sowas wie das Fieberthermometer für die Oscars und neben den Emmys der wichtigste Fernsehpreis der amerikanischen Unterhaltungsindustrie - im Sinne des vergangenen Film-und Fernsehjahres inszeniert worden wäre, dann hätte ein Ausländer moderiert, es wären lauter Künstler ausgezeichnet worden, die so schnell niemand mit Filmpreisen in Verbindung bringt, und die Kleidervorschrift hätte „Straßen-Chic“ gelautet.

          Als einer dieser unwahrscheinlichen Preisträger entpuppte sich auf der gestrigen Gala-Veranstaltung der ewige Nominierte, Regisseur Martin Scorsese, der sich mit seiner Auszeichnung als Bester Regisseur für seinen doppelbödigen Gangsterfilm „The Departed“ nun vielleicht doch endlich eine Chance auf den Oscar ausrechnen darf. Ganz zu schweigen von Preisträgern wie dem verblassenden Popstar Prince (für seinen Filmsong „The Song of the Heart“ in „Happy Feet“), den verblassenden Comedystar Eddie Murphy (für seine Rolle als verblassender Soul-Star in dem Musical „Dreamgirls“) und den verblassenden Charakterdarsteller Alec Baldwin (für seine Rolle als aufgeblasener TV-Manager in der Comedy „30 Rock“).

          Über den Tellerrand

          Im vergangenen Jahr hatte die amerikanische Unterhaltungsindustrie einen Blick in die Untiefen der amerikanischen Seele geworfen: Schwule Cowboys („Brokeback Mountain“) und kontroverse Stars der Popkultur („Capote“, „Walk The Line“), grasdealende Mütter („Weeds“) und hysterische Hausfrauen griffen Preise ab. In diesem Jahr ging der Blick weiter, auf die Außenwahrnehmung eines Landes, das selbst oft so wenig vom Rest der Welt wahrzunehmen fähig ist.

          Für den besten Film prämiert: Alejandro Gonzalez Inarritu mit den Schauspielerinnen Adriana Barraza (l.) und Rinko Kikuchi Bilderstrecke

          Mit Alejandro Inarritus „Babel“, ein Film über Missverständnisse, die auf kulturellen Anmaßungen beruhen, gewann eine politische Parabel den Preis als bester Film, die von einem mexikanischen Regisseur auf drei Kontinenten und in fünf Sprachen inszeniert wurde.

          Ans Tageslicht

          Mit „Ugly Betty“ wurde eine von Immigranten, nämlich der Mexikanerin Salma Hayek und dem Kubaner Silvio Horta, konzipierten und produzierten Serie um ein hässliches Einwanderer-Entlein in einer New Yorker Modemagazin-Redaktion ausgezeichnet. Eine Serie, die nicht nur der idiotischen Obsession der amerikanischen Kultur mit polierten Oberflächlichkeiten den Spiegel vorhält, sondern zugleich eine Parabel auf die amerikanische Immigrationshygiene ist, derzufolge die stärkste Einwanderergruppe auch die am wenigsten wünschenswerte für dieses Land ist. Vielleicht fühlte sich die als beste Comedy-Schauspielerin ausgezeichnete, 22-jährige „Betty“-Darstellerin America Ferrera deshalb gehalten, ins Publikum zu rufen: „Der amerikanische Traum lebt!“

          Und der Preis des besten Comedy-Darstellers ging an den Briten Sacha Baron Cohen („Borat“) für eine Satire, die nur vordergründig die intellektuelle und soziale Rückständigkeit einer vormaligen Sowjetrepublik veralbert, in Wirklichkeit aber die heimlichen Hinterwäldlereien der amerikanischen Seele ans Tageslicht zerrt.

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