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Fridtjof Küchemann, Redakteur im Feuilleton

Fragen zu Amazons Tracker Halo : Bitte freimachen

Registriert „bemerkenswerte Momente“ in der Tonlage ebenso wie die Zeit seit dem letzten Körperscan: Amazons Gesundheits-Tracker Halo mit dazugehöriger App Bild: Amazon

Ein Artikel in Jeff Bezos’ „Washington Post“ zu Jeff Bezos’ Fitness-Tracker „Halo“ hat eine amerikanische Senatorin auf drängende Fragen an den Gesundheitsminister gebracht. Auch wenn der nur noch wenige Wochen im Amt hat.

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          Der Body-Mass-Index ist von gestern. Wer wirklich wissen will, wie es um das eigene Körperfett bestellt ist, fotografiert sich fast nackt von allen Seiten und schickt die Aufnahmen an Amazon. Keine Sorge: Das Unternehmen verspricht, die Fotos gleich wieder zu löschen, kaum dass eine Künstliche Intelligenz ausgewertet hat, wie es um die abgebildete Person steht. Was bleibt, ist eine Funktion in Amazons zum Armband „Halo“ gehörender App, mit der sich ihre Nutzer über Schieberegler anzeigen lassen können, wie sich ihr Aussehen mit weniger oder mehr Fett verändern würde.

          „Check your Smile“ ist von vorgestern. Im Kinofilm „One Hour Photo“ mit Robin Williams als einsamem Fotolaboranten in einem Supermarkt zeigte die Aufschrift auf einem Spiegel für Mitarbeiter eindrucksvoll, welcher Kontrolle, welchem Zwang zur Selbstkontrolle die Angestellten unterworfen waren. Halo meldet seinen Nutzern, was der Klang ihrer Stimme über sie verrät. Zumindest der Künstlichen Intelligenz, die ununterbrochen mithört, was der Träger des Trackers sagt. „We check your voice.“

          Dabei beschränkt sich Halo nicht auf die grobe Unterteilung positiv – negativ und energiereich oder -arm. Die Stimme habe freundlich oder anerkennend geklungen, kann das System etwa seinem Nutzer zurückmelden, aber auch herablassend oder angewidert. Auch hier, keine Angst, bleiben die dazugehörigen Aufnahmen selbstverständlich auf dem Smartphone des Nutzers. Seit August ist Halo in Amerika vorerst „auf Einladung“ Amazons zu haben, erste Tests sprachen mit echtem Grusel von den Funktionen, mit denen sich das Armband von anderen Fitness-Trackern auf dem Markt abhebt.

          Am Donnerstag hat die „Washington Post“, die mit Amazon immerhin den Besitzer teilt, Halo „die übergriffigste Technik, die wir je getestet haben“, genannt. Tags darauf schrieb die demokratische Senatorin Amy Klobuchar aus Minnesota einen Brief mit ein paar dringenden Fragen an den amerikanischen Gesundheitsminister, den Republikaner Alex Azar. Was tut sein Ministerium, um sicherzustellen, dass Fitness-Tracker wie Halo die privaten Gesundheitsdaten ihrer Nutzer schützen? Welche Befugnisse hat das Gesundheitsministerium hierfür? Was müsste getan werden, um diese Daten besser schützen zu können? Auf welche Behörden oder andere Ressourcen könnte das Ministerium dafür zurückgreifen?

          Amazon beeilte sich zu versichern, dass die beschrieben Funktionen, mit denen es Halo offensiv bewirbt, lediglich optional seien. Das Gesundheitsministerium will der Senatorin direkt antworten. Vielleicht kommt es auf Azars Antworten aber auch gar nicht mehr an. In wenigen Wochen wird er dem Vernehmen nach vom kalifornischen Generalstaatsanwalt Xavier Becerra abgelöst. Weniger dringend werden die Fragen dadurch nicht.

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