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Gespräch mit Guido Knopp : Das historische Quartett

  • Aktualisiert am

Vom Dokumentieren zum Diskutieren: Guido Knopp probiert auf Phoenix ein neues Format Bild: dpa

Guido Knopp ist wieder da. Und macht natürlich in Geschichte. Phoenix legt mit ihm eine Talkshow namens „History Live“ auf. Das Ziel der Sendung ist ehrgeizig.

          2 Min.

          Gesprächssendungen im Fernsehen gibt es zuhauf, Polit-Talks insbesondere. Sie wollen jetzt Geschichte diskutieren. Wie sieht das aus?

          Guido Knopp: Geschichte hat attraktive Themen parat. Wir haben sechzig Minuten und können in Ruhe diskutieren. Aktuelle Themen können wir bei „History Live“ mit historischem Hintergrund versehen, was ja in der aktuellen politischen Diskussion oft zu kurz kommt. Zwischen Obama-Besuch und Jubiläum der Kennedy-Rede diskutieren wir über „Der fremde Freund - die USA und wir“, das ist ein idealer Zeitpunkt. Wir können zeigen, wie sehr sich die Bundesrepublik auf die Amerikaner verlassen konnte, zu sehen an der Luftbrücke und 1989/90, als die Vereinigten Staaten im Gegensatz zu manchem europäischem Verbündeten bereit waren, den Weg zur Einheit zu unterstützen.

          Erscheint Ihnen Barack Obama als Lichtgestalt, als die er bei uns lange gefeiert wurde?

          Man muss ihn hinterfragen. In Deutschland ist er offenbar mehr Lichtgestalt als im eigenen Land. Das ging Kennedy ähnlich, den die Reaktion auf seine Berliner Rede so glücklich machte, dass er allen riet, wenn sie nicht wüssten, wie es politisch weitergeht: „Fahren Sie nach Berlin!“

          Bis jetzt haben Sie in Ihren Dokumentationen berichtet, beraten von Historikern. Wird eine Diskussion nicht eine parteiische Veranstaltung?

          Ich werde mich bemühen, den neutralen Schiedsrichter zu spielen. Aber wenn gelegentlich das subjektive Element zum Vorschein kommt, scheue ich mich davor nicht. Außerdem ist es, wenn sie so wollen, ein „Historisches Quartett“. Die beiden Protagonisten werden kontroverse Positionen haben. Einer sieht die Dinge aus wertkonservativer Sicht, einer ist linksliberal verortet. Dazu kommt ein Gast, der zum Thema eine besondere Beziehung hat. Das bringt Tiefenschärfe. Also Michael Stürmer in der ersten Sendung, Paul Nolte, gelegentlich mal Arnulf Baring und von der jüngeren Fraktion Sönke Neitzel. Als Gast zum Auftakt ist der ehemalige Botschafter John Kornblum ideal. Er ist einer der wenigen Amerikaner, der wirklich von sich sagen kann: Ich bin ein Berliner.

          Sie haben aber immer gesagt, dass Sie Geschichte für ein großes Publikum machen wollen. Das Populäre sei Ihnen wichtig. Nun sind Sie bei einem Randsender. Ist das kein Abstieg?

          Eigentlich nicht. Man darf Phönix nicht unterschätzen. Die Geschäftsführer haben mir glaubwürdig versichert, dass ein solches Geschichtsformat in der Summe - es wird mehrfach ausgestrahlt - mit mindestens einer Million Zuschauern rechnen kann. Das ist schon ganz ordentlich.

          Ist das Ihr einziges Projekt?

          Nein, ich habe einen Vertrag mit der AVE, der TV-Tochter der Verlagsgruppe Holtzbrinck. Wir entwickeln Dokumentationen, Dokudramen und Fernsehfilme.

          Was bearbeiten Sie da?

          Es sind Themen aus der Zeitgeschichte, aber nicht nur. Ich habe zuletzt auch frühere Jahrhunderte bearbeitet, gerade das Mittelalter. Ich sage immer scherzhaft: Die Probleme, die Otto I. im zehnten Jahrhundert mit den Herzögen seiner Stämme hatte, die hat Merkel heute mit den Ministerpräsidenten der Länder. Wir sind ein Land der Stämme. Ich glaube, dass das Mittelalter noch viele Themen birgt. Aber dazu braucht man Re-Enactment oder einen Fernsehfilm mit anschließender Diskussion.

          Sie müssen bei „History Live“ aufpassen, dass Sie nicht die Maybrit Illner von Phoenix werden.

          (Lacht) Da ist unser historischer Ansatz schon spürbar. Wir haben 2014 hundert Jahre Erster Weltkrieg. Das ist der in Vergessenheit geratene Krieg. Wir werden vielleicht schon Ende des Jahres den Krieg diskutieren unter dem Aspekt: Wahrheit und Legende. Gerade die angelsächsische Forschung liefert gerade überraschende Erkenntnisse.

          Die Fragen stellte Jörg Michael Seewald.

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