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Gespräch mit Etienne Gardé und Simon Krätschmer : Ich fürchte nicht, gläsern zu sein

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Simon Krätschmer (links) und Etienne Gardé sind für Videospieler, was Marcel Reich-Ranicki und Hellmuth Karasek für Literaturfreunde sind Bild: Henning Bode

In der Diskussion um Videospiele gibt es kein Game Over: Hacker greifen an, Spionage-Software wird eingesetzt. Was sagen Spieler dazu? Die Moderatoren der Sendung „Game One“ wissen es.

          In diesem Jahr wurde der Internetauftritt Ihrer Sendung...

          Simon: Ihr könnt uns ruhig duzen.

          Einverstanden. In diesem Jahr wurde der Internetauftritt eurer Sendung „Game One“ mit dem Publikumspreis des Grimme Online Award ausgezeichnet. Hättet ihr damit gerechnet?

          Etienne: Da es ein Publikumspreis war, wäre es gelogen, wenn wir gesagt hätten, dass es völlig überraschend kam, weil wir eine ordentliche Werbekampagne hatten. Auf jeden Fall wären wir ziemlich enttäuscht gewesen, wenn wir den Preis nicht bekommen hätten.

          Spricht der Preis für eine wachsende Bedeutung von Videospielen?

          Etienne: Die Nominierung eher als der Gewinn, denn sie zeigt, dass die Jury der Meinung ist, dass unser Sendeformat von Bedeutung ist, wenn man über junge Leute und Internet spricht. Das ist ein Schritt in die richtige Richtung.

          Was ist denn eigentlich das Faszinierende an Videospielen?

          Simon: Dass ich auf meine eigene Art etwas erleben kann, was sonst nirgendwo möglich ist. Gleichgültig, ob ich etwas virtuell oder real erlebe, ich habe eine Erinnerung.

          Etienne: Ich mag die Interaktion; dass ich selbst beeinflussen kann, was als Nächstes geschieht. Ich kann mich besser verwirklichen. Ich habe zwar Werkzeuge, die mir vom Programmierer gegeben werden, aber was ich letztendlich damit mache, steht mir frei. Wenn jemand sagt, dass er nicht gerne Videospiele spielt, ist es das Gleiche zu sagen: Ich trinke nicht gerne.

          Man muss aber trinken.

          Etienne: Ja, das stimmt. Ich wollte damit zum Ausdruck bringen, dass Videospiele zu meinem Leben gehören, genau wie Fernsehen.

          Sind Fernsehen und Videospiele das Gleiche?

          Simon: Spielen ist oft auch passives Konsumieren. Strategiespiele, bei denen man sich den gesamten Aufbau schon eingeprägt hat, können automatisch gespielt werden. Selbst Shooter können eine Form der Meditation sein.

          Etienne: Ob es sich um ein Buch, einen Film oder ein Spiel handelt, letztendlich ist es immer die Flucht aus der Realität. Der Mensch ist stets damit beschäftigt, sich abzulenken. Unsere Generation hält es überhaupt nicht mehr aus, nichts zu konsumieren.

          Mit dem Konsum wachsen aber auch die Probleme: Bei Sony kam es in diesem Jahr zu einem riesigen Datenklau durch Hacker. Auch Sega und Nintendo waren Ziel eines Hacker-Angriffs. Verliert ihr nicht das Vertrauen in diese Firmen?

          Etienne: Was heißt Vertrauen? Ich habe keine Angst davor, der „gläserne Mensch“ zu werden. Selbst wenn mir jemand verbotenerweise etwas von meiner Kreditkarte abbuchen sollte, würde ich von meiner Bank verlangen, das gefälligst zurückzubuchen. Deshalb war ich bei der Sony-Sache nicht geschockt, sondern fand es vielmehr lächerlich, dass einem solch großen Konzern so etwas passiert.

          Das Vertrauen in Datensicherheit ist aber auch von Staats wegen erschüttert worden. Stichwort: Staatstrojaner.

          Simon: Das zeigt wieder, wie leicht man die Politik ausnutzen kann. Da kommt einer und sagt: „Ey, ich mache dir einen Bundestrojaner. Zwei Millionen?“ (schnipst) „Ja, machen wir.“ Und plötzlich merken sie im Nachhinein: Der ist nicht gesichert, der macht die falschen Sachen, der ist widerrechtlich. Alles, was der Staat nicht machen darf, hat er quasi selbst bezahlt und gefördert und kennt sich selbst nicht damit aus.

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