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Gespräch mit Etienne Gardé und Simon Krätschmer : Ich fürchte nicht, gläsern zu sein

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Wer in Sachen Videospiele auf dem Laufenden bleiben will, schaut ihre Sendung „Game One“, entweder bei MTV oder direkt im Netz unter www.gameone.de

Simon: Sie haben es sich mit einem gewissen Klientel einfach versaut. Und die Wii ist eben innovationstechnisch nicht mehr das Non plus ultra.

Etienne: Das ist wie bei „Wetten, dass…“: Als Thomas Gottschalk damals die Moderation nach Frank Elstner übernommen hat, war er der frechste Moderator im deutschen Fernsehen. Jetzt, Jahre später, versucht das ZDF, das Pferd von hinten aufzuzäumen, indem es nichts Neuartiges sucht, sondern ein Ebenbild Gottschalks. Nintendos „Mario“ war damals auch eine Sensation und hält heute immer noch am Altbewährten, dem kleinen Klempner, fest. Heutzutage haben Kinder zahlreiche andere Alternativen.

Der amerikanische Informatiker David Gelernter hat in dieser Zeitung (F.A.Z. vom 20.Oktober) gefordert: „Kinderköpfe brauchen Ruhe.“ Er rät, Kinder erst mit vierzehn Jahren an einen Computer zu lassen. Liegt er damit richtig?

Simon: Das ist ein wichtiger Aspekt. Wir sind in einer Phase, in der man nur mutmaßen kann, wie es in zehn Jahren sein wird. Es kann sein, dass es für Kinder von Vorteil ist, von Beginn ihrer Entwicklung an mit PCs und so weiter aufzuwachsen, da sie sich so einen selbstverständlichen Umgang aneignen und automatisch Schutzmechanismen generieren, die heutzutage von älteren Generationen noch mühsam erlernt werden müssen. Genauso gut können sich die Kinder aber auch dadurch überfordert fühlen oder den Blick für das Wichtige verlieren.

In anderen Ländern sind Videospiele kulturell verankert. So trat der südkoreanische Präsident gegen einen E-Sport-Meister an. Ist das bei uns denkbar? Dass der deutsche Meister in „Counter-Strike“ gegen Kanzlerin Merkel antritt?

Etienne: Das Problem ist, dass es eine komplett andere Kultur ist. Wenn du zum Beispiel in Japan in eine Disco gehst und siehst, wie sie an „Dance Dance Revolution“-Maschinen ihre Freude haben - das wird es hier so nie geben.

Die Politik könnte, anstatt schlechte Spiele zu kritisieren, gute Spiele fördern.

Simon: Förderung setzt voraus, dass man wirklich auch etwas verändern will und den Willen hat, etwas zu gestalten. Gefördert wird bei uns aber immer nur, wenn es die Wirtschaft ankurbelt. In Deutschland werden leider nur wenige gute Spiele produziert. Die Lobby ist hier einfach nicht groß genug, und deshalb wird da auch nichts passieren.

Etienne: Das ist alles eine Frage der Zeit. Ich glaube zwar nicht, dass wir in zwanzig Jahren einen Kanzler oder eine Kanzlerin haben werden, die „Starcraft“ spielt. Aber zumindest gehe ich davon aus, dass all diese Themen nicht mehr so negativ behaftet sein werden.

Simon: Es ist ja auch so: Filme sind länger etabliert. Trotzdem rennt Frau Merkel nicht herum und sagt: „Ey Leute, ich habe vorhin voll den geilen Michael- Bay-Film gesehen.“ So etwas wird in Deutschland im Stillen konsumiert.

Etienne: Ja, ganz im Gegensatz zum Ausland: Dort ist es pures Entertainment. Die Politiker spielen Baseball, machen Jokes und sind irgendwie cool drauf. Das alles geht in Deutschland nicht.

Simon: Du darfst eigentlich keinen Spaß haben. Offiziell musst du wirklich so sein wie Merkel: mürrisch. Dann mag dich zwar auch keiner und alle meckern, aber der Deutsche vertraut dir mehr.

Die Fragen stellten Sinem Derya Kiliç und Ann-Kristin Schöne.

Verbraucherschützer mahnen EA ab

Die Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv) wirft dem Konzern Electronic Arts (EA) fehlende Kundeninformationen vor. So werde nicht ausreichend darüber informiert, dass die Kunden eine dauerhafte Internetverbindung für die Nutzung des Spiels benötigen würden. Weiterhin sei nicht abschließend geklärt, was genau die für das Spiel notwendige Zusatzsoftware „Origin“ auf den Rechnern der Spieler mache. Der Konzern Electronic Arts wollte auf Anfrage dieser Zeitung zu der Abmahnung keinen Kommentar abgeben und verwies auf eine frühere Stellungnahme, in welcher der Vorwurf der Spionagesoftware zurückgewiesen wird.

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