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Gespräch mit Etienne Gardé und Simon Krätschmer : Ich fürchte nicht, gläsern zu sein

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Simon: Zumal in der virtuellen Welt ganz klar geregelt ist, wie du Erfolge erzielen kannst. Du musst nur ganz bestimmte Knöpfe drücken.

Das ist auch bei Ego-Shootern der Fall: Titel wie „Call of Duty“ oder „Battlefield“ erfreuen sich größter Beliebtheit. Woher kommt diese Freude an der Simulation von Krieg und Gewalt?

Etienne: Ach, das ist ganz einfach. Was spielt man als kleiner Junge? Cowboy und Indianer! Es ist nichts anderes als ein virtuelles Räuber-und-Gendarm-Spiel.

Im Zusammenhang mit Amokläufern werden aber immer wieder Gewaltspiele als Ursache angeführt.

Etienne: Die Debatte wird irgendwann einmal aussterben.

Simon: Die ist auch langsam lächerlich.

Inwiefern?

Etienne: Wenn sich heutzutage ein Amoklauf ereignet, setzen gewisse Mechanismen ein. Der Mensch will eine Erklärung für ein Problem haben, das man vielleicht nicht einfach erklären kann. Man kann feststellen, dass der Amokläufer Ballerspiele auf dem Rechner hat. Man kann genauso gut feststellen, dass er Cola getrunken hat. Es gibt Millionen Menschen, die in einem Schützenverein sind oder „Counter-Strike“ spielen und dennoch nicht zum Amokläufer werden. Deshalb ist es absurd, von irgendeinem dieser Elemente eine Regel herunterzubrechen.

Dennoch werden immer wieder Klischees gezeichnet: So hat das RTL-Magazin „Explosiv“ unlängst herablassend über die Spielergemeinde auf der Gamescom berichtet. Zocker würden demnach weder der Körperhygiene noch frischer Luft viel Bedeutung beimessen. Natürlich müssen wir hier nicht diskutieren, wie wahrheitsgemäß diese Darstellung ist. Aber: Was ist eurer Meinung nach der Grund dafür, dass RTL die Zockergemeinde so negativ zeichnet?

Simon: Wir reden hier von RTL, die ihr Geld damit verdienen, dass sie Leute oder Randgruppen bloßstellen. Wir müssen wirklich nicht darüber diskutieren, ob das, was sie anstoßen, überhaupt diskussionswürdig ist. Das ist einfach nur Belustigung auf Kosten von den Leuten, die sie gefunden haben auf der Messe, die ihrem Klischee, das sie beweisen wollen, entsprechen. Sie können ihr Zielpublikum nur dann bedienen, wenn sie ganz unten im Morast herumwühlen. Das große Problem ist doch, dass die Sender Zuschauerzahlen verlieren, und zwar ans Internet und die Spiele. Und das versucht RTL in diesem Fall mit einem ganz klaren Feindbild zu bekämpfen. Der leicht zu beeinflussende Zuschauer denkt sich dazu: „Och nee, da sind ja nur Nerds und Picklige und Hässliche. Nee, mit denen möchte ich aber nix zu tun haben. Nee nee, Gaming ist uncool.“ Im Endeffekt haben sich RTL mit diesem Gamescom-Bericht keinen Gefallen getan und das weiß man beim Sender auch.

Ein anderes Thema: ZDF Kultur hat letztens eine Dokumentation zu Nintendo ausgestrahlt, worin die Zukunft des japanischen Riesen düster gezeichnet wird. Wie seht ihr die Zukunft Nintendos?

Etienne: Diese Prophezeiung ist insofern valide, als Nintendo einfach aufs falsche Pferd gesetzt hat. Nintendo ist zwar noch Bewahrer einer Zeit, was es einerseits ehrt und sympathisch macht, aber in wirtschaftlicher Hinsicht ein Schuss ins Knie ist. Der Konzern hat diejenigen, die wirklich mit Herz und Leidenschaft Videospieler sind, vernachlässigt und diesen Markt unterschätzt. Ich fühle mich als erwachsener Videospieler von Nintendo nur noch mäßig bedient.

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