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Gespräch mit Etienne Gardé und Simon Krätschmer : Ich fürchte nicht, gläsern zu sein

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Etienne: Das große Problem dabei ist: Ich kann mich nicht davor schützen, dass jemand das Recht bricht. So kann ich auch nicht verhindern, dass jemand in mein Haus einbricht.

Ein Gedankenspiel: Jemand bricht in eure Wohnung ein und sieht sich nur um. Würde euch das genauso wenig berühren wie das Durchleuchten der Festplatte?

Etienne (lacht): Ich hätte vielleicht schon was dagegen, wenn einer meine Schubladen durchwühlen würde, aber das passiert ja nicht. In welcher Welt leben wir denn, dass wir komplett ausschließen können, dass Fehler oder Ungerechtigkeiten passieren? Wieso haben wir denn den Anspruch, dass in der digitalen Welt alles perfekt funktionieren muss, was in der normalen Gesellschaft auch nicht funktioniert?

Die Hemmschwelle, Dinge von sich preiszugeben, scheint in der digitalen Welt geringer. Dafür dürften soziale Netzwerke wie Facebook die Ursache sein.

Etienne: Bei Facebook entscheide doch ich, was andere anschauen können.

Aber Facebook selbst bleiben die Daten ja nicht verborgen.

Etienne: Aber das passiert doch mit meiner Einwilligung. Wenn ich jemanden in meine Wohnung lasse, kann ich mich ja nicht beschweren, dass er in meiner Wohnung ist.

Simon: Wenn ich jemanden einlade, räume ich vorher auch in der Wohnung auf.

Räumst du deinen Computer auch auf?

Simon: Wenn ich Raubkopien auf meinem PC hätte, würde ich „Origin“ nicht installieren. Sonst wäre ich ja saudoof.

Als kürzlich das Spiel „Battlefield 3“ herauskam, haben Spieler gegen die Lizenzbedingungen protestiert. Man wird nämlich zwangsweise mit der Internet-Betriebsplattform „Origin“ verbunden. Was stellt die denn eigentlich auf den Rechnern der Spieler an?

Simon: Spieler selbst haben mit Hilfe spezieller Tools geprüft, worauf dieses Origin-Add-on Zugriff hat. Dabei hat sich herausgestellt, dass es theoretisch imstande ist, sich Zugang zu Steuer- und Worddokumenten sowie zu privaten Bildern zu verschaffen.

Etienne: Aber wem ist wirklich schon etwas Schlimmes widerfahren? Ich sehe immer nur ein theoretisches Modell davon, was passieren könnte, wenn die Daten missbraucht werden. Das Schlimmste, das dir passieren kann, ist doch lediglich, dass dir Produkte vorgeschlagen werden, die auf dich maßgeschneidert worden sind.

Berlin liegt in Trümmern: Wer „Call of Duty“ spielt, weitet die Kampfzone auf die ganze Welt aus. Die Spielehersteller weiten derweil den Zugriff auf die Festplatten aus

Diese Antwort spiegelt sich in einer Bitkom-Studie wider, derzufolge Nicht-Spieler die Datensicherheit wesentlich skeptischer einschätzen als die Online-Spieler. Wie lässt sich dieses Phänomen erklären?

Etienne: Jemand, der mit Wölfen lebt, hat weniger Angst vor Wildtieren als jemand, der in seinem Leben noch nie im Wald war. Es ist eigentlich nur logisch: Wenn man keine Erfahrung mit dem Medium hat, hat man Vorurteile.

Wie können sich Spieler davor schützen, dass ihre Daten entwendet werden?

Etienne: Richtig schützen kann man sich nicht davor. Die Frage ist auch: wovor eigentlich? Ich denke, man muss den Leuten die Angst davor nehmen, dass sie ihre Seele dem Teufel verkaufen, wenn sie irgendwelchen AGBs zustimmen. Wir leben hier in einem Rechtsstaat, und da wird schon sehr genau darauf geachtet, was recht ist und was nicht.

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