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Neue Tatort-Kommissarin : „Ja, ich komme aus dem Pott“

Von der Musicalbühne ins Fernsehen: Florence Kasumba ist auch international gut im Geschäft. Bild: Reto Klar

Florence Kasumba sehen wir bald als Ermittlerin im „Tatort“. Davor geht es für sie rund bei „Cobra 11“. Angefangen hat die Schauspielerin im Musical. Ein Gespräch über Tanz, Kung-Fu und #MeTwo.

          6 Min.

          Wenn Sie jemanden kennenlernen, Frau Kasumba, wie beschreiben Sie dann sich selbst und was Sie tun?

          Ursula Scheer

          Redakteurin im Feuilleton.

          Wenn es jemand ist, der mit der Filmbranche nichts zu tun hat, spreche ich gar nicht über meinen Beruf. Dann sage ich einfach: Hi, ich bin Florence, komme aus Essen und lebe in Berlin.

          Und weiter?

          Dann kommt oft die Frage: Wo kommst du wirklich her? (lacht) Wenn ich sage: Ich bin in Uganda geboren, ist das schon mal abgehakt. Auf Urlaub in Amsterdam habe ich es allerdings gerade sehr genossen, dass sich dort keiner wundert, wenn ich mich als Florence aus Deutschland vorstelle.

          Um die Frage nach der Herkunft auch hier schnell abzuhaken: In Uganda geboren, in Essen aufgewachsen – wie kam und war das?

          Meine Eltern haben im Ausland ihre Ausbildung gemacht. Sie waren schon vor meiner Geburt hier. Ich bin zwar in Uganda geboren, aber dann ging es bald wieder nach Deutschland, weil dort der Job wartete. Das ist eine ganz unspektakuläre Geschichte, da muss ich immer alle enttäuschen.

          Was bedeutet Ihnen das Ruhrgebiet?

          Ich habe mal diesen Begriff Ruhrpottpflanze in den Mund genommen, und irgendwie stimmt er. Ich habe meine ganze Jugend im Ruhrgebiet verbracht, ich spreche die Mundart. Ja, ich komme aus dem Pott.

          Bald werden Sie im Ersten als „Tatort“-Kommissarin neben Maria Furtwängler zu sehen sein und auf Amazon in „Deutschland 86“, der Fortsetzung der Serie „Deutschland 83“. Am Donnerstag spielen Sie für RTL im Auftakt der neuen Staffel von „Alarm für Cobra 11“. In Hollywood haben Sie Actionfiguren in „The First Avenger: Civil War“, „Wonder Woman“ und „Black Panther“ verkörpert. Wie charakterisieren Sie sich als Schauspielerin?

          Vor zehn Jahren hätte ich noch gesagt: Ich bin Musicaldarstellerin.

          Weil Sie als Kind „Starlight Express“ gesehen haben.

          Als ich zwölf war, sind wir mit dem Musikkurs zur Show nach Bochum gefahren. Das runde Theater, die Darsteller auf Skates, die Akrobatik – das hat mich total begeistert, und die Internationalität des Ensembles war ein Augenöffner. Von da an wollte ich zum Musical und habe angefangen zu tanzen: erst Step, dann Jazz und Ballett.

          Viele Kinderträume werden von vernünftigen Erwachsenen kaputtgeredet. Haben Ihre Eltern Sie gefördert?

          Meine Mutter hat schnell gemerkt, wie motiviert ich bei der Sache war und dass ich gut tanzen konnte. Meine Eltern haben mich unterstützt, auch als ich an einer staatlichen Akademie in den Niederlanden Tanz und Schauspiel studierte. Aber ich hatte keine Helikoptereltern. Es ist gut, wenn man als Kind für seine Eltern wichtig ist, aber sie auch selbst viel zu tun haben.

          Nach dem Studium starteten Sie eine erfolgreiche Musicalkarriere. Was waren für Sie die Höhepunkte?

          Im Beruf gibt es ja diesen Zirkelschluss: Du bekommst keinen Job ohne Referenzen im Lebenslauf, und du kannst keine Vita aufbauen ohne Job. Deshalb war das erste Engagement in „Die Schöne und das Biest“ enorm wichtig. Später kam dann „Aida“.

          Die neue Ermittlerin in Göttingen: Maria Furtwängler bekommt Florence Kasumba zur Seite gestellt.

          Da haben Sie die Titelrolle gespielt.

          Ich hatte mich nicht beworben, weil ich „Mamma Mia“ spielte und dachte, ich wäre noch nicht reif für eine Hauptrolle. Aber sie haben nicht lockergelassen. Und so ging es immer weiter, von einem Engagement zum nächsten Deshalb finde ich es verblüffend, wenn Leute jetzt sagen: Wow, nun hast du den Durchbruch geschafft. Ich bin mehr im Kino und Fernsehen zu sehen, aber ich war immer stolz auf meine Musicaljobs.

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