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Gespräch mit der Degeto-Chefin Bettina Reitz : Wenn ich mich klonen könnte, würde ich es

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Zweimal im Bild, doch es gibt sie nur einmal: Bettina Reitz sollte die Degeto flottmachen, und das soll sie noch immer - allerdings unter krisenhaften Vorzeichen Bild: Tobias Hase/dpa

Als sie zur Degeto kam, der Filmzentrale der ARD, sollte das ein Aufbruch sein. Doch es gab keinen Handlungsspielraum. Nun geht Bettina Reitz zum Bayerischen Rundfunk zurück. Und wer löst die Degeto-Probleme?

          Seit einem halben Jahr sind Sie Geschäftsführerin der ARD-Filmtochter Degeto in Frankfurt. Jetzt kehren Sie wieder zu Ihrem Haussender, dem Bayerischen Rundfunk, zurück, als Fernsehdirektorin. Waren die Verhältnisse in Frankfurt derart zum Fürchten?

          Nein. Wenn ich mich klonen könnte, würde ich es jetzt tun. Auch wenn die Degeto aktuell strukturelle und organisatorische Probleme aufzeigt, ist sie im ARD-Verbund eine Firma mit zentraler Bedeutung. Sie übernimmt vielfältige und unterschiedliche Aufgaben und verfügt über engagierte Mitarbeiter. Gleichzeitig kenne ich den Bayerischen Rundfunk aus erfolgreichen Jahren und freue mich über das Vertrauen des Intendanten Ulrich Wilhelm und des Rundfunkrats. Und da es mit dem Klonen leider noch nicht klappt, musste ich eine Entscheidung treffen.

          Als Sie zur Degeto gingen, verband sich damit für die ARD die Hoffnung auf einen kreativen Schub, vor allem in der Fernsehfilmproduktion. Aber Sie haben wohl schnell festgestellt, dass Sie gar keine Möglichkeiten hatten, weil der Etat auf zwei Jahre hinaus verplant war.

          Für die Freitagsfilme gibt es in der Tat im kommenden Jahr weniger kreative Spielräume. Bei den Kinofilmen und den Events mit den Landesrundfunkanstalten war der kreative Schub längst bei der Degeto angekommen. Das reicht von „Mogadischu“ über aktuell unsere Beteiligung an „Der Turm“ bis hin zu den Kinofilmen „Gott des Gemetzels“ und „Türkisch für Anfänger“, der im März in die Kinos kommen soll. Überall hier ist die Degeto ein wichtiger Partner.

          Wie muss man sich die Verfahrensweise des inzwischen suspendierten Degeto-Geschäftsführers Hans-Wolfgang Jurgan eigentlich vorstellen? Wurden Projekte, ob groß oder klein, auf Zuruf vereinbart? Und was bedeutet es genau, wenn es heißt, die Etats seien verplant? Können Produzenten nun mit neuen Ideen bei der Degeto bis 2014 gar nicht mehr landen?

          Verplant heißt gebunden. Konkret gesprochen, stehen die Etats für einzelne Projekte und Lizenzen. Für nächstes Jahr haben wir keine Spielräume mehr, 2013 sind sie sehr überschaubar. Ab 2014, hoffe ich, wird die Degeto wieder eine normale Produktionsvergabe umsetzen können.

          Was den Etat angeht, ist die Rede davon, dass dieser in einem Jahr um 26 Millionen Euro überzogen worden sei. Es heißt, die Degeto habe einen Gesamtetat von rund 400 Millionen Euro pro Jahr zur Verfügung, davon gingen pro Jahr jeweils 250 bis knapp 260 Millionen Euro in eigene Produktionen. Wie verhält sich das genau? Wenn für das Jahr 2009 Ausgaben von 426 Millionen Euro ausgewiesen werden, ist dann der Etat um 26 Millionen oder um 176 Millionen Euro überzogen worden?

          Das klingt jetzt sehr verwirrend: Es stimmt nicht, dass der Degeto 260 Millionen Euro pro Jahr für eigene Produktionen zur Verfügung stehen. Die Degeto hat pro Jahr zirka neunzig Millionen Euro für Fernsehproduktionen und zirka achtzig Millionen Euro für Lizenzen eingeplant. Der Rest ist für andere Aufgaben wie zum Beispiel Serien gebunden. Die nun zusätzlich genehmigten 23 Millionen Euro beziehen sich auf Zahlungsverpflichtungen, die die Degeto im Jahr 2011 nicht mehr hätte erfüllen können. Selbstverständlich muss dieses zusätzliche Geld in den nächsten Jahren wieder eingespart werden. Da es weitere feste Verpflichtungen für 2012 bereits gibt, ist unsere finanzielle Ausstattung dadurch bis 2013 angespannt.

          Bis zum Sommer 2012 werden Sie als alleinige Geschäftsführerin der Degeto fungieren. Was haben Sie sich für diese Zeit vorgenommen? Sind Ihnen trotz allem Weichenstellungen möglich?

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