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Gespräch mit dem Verleger Hubert Burda : Wie ARD und ZDF den Wettbewerb verzerren

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Zu diesem Punkt sagen ARD und ZDF: Damit wird dem Publikum vorenthalten, was es mit Gebühren bezahlt. Oder, polemisch zugespitzt, wie es das Fernsehmagazin „Panorama“ dargestellt hat: Öffentlich-rechtliche Inhalte, ganze Filmarchive, werden gelöscht.

Das ist, mit Verlaub, reiner Blödsinn. Es wird kein Filmarchiv „gelöscht“. Die Archive sind angelegt fürs Fernsehen, fürs Radio, es kann jederzeit wiederholt werden. Die Stücke bleiben vorhanden und werden nur im Internet für begrenzte Zeit bereitgestellt.

Über zwei Kriterien wird diskutiert. Das eine sind „sendungsbezogene Inhalte, das andere ist das Verbot einer „elektronischen Presse“. Das klingt nach Hohlformeln, die niemanden binden.

Es ist wichtig, überhaupt zu versuchen, Grenzen zu formulieren. Sie sehen doch, dass ARD und ZDF permanent neue Felder erobern. Früher hieß es, es gibt keine Werbung nach zwanzig Uhr, heute haben sie Sponsoring, das Werbung gleichkommt, überall im Programm, bis in die Nacht. Früher gab es auch keine Programme wie Telenovelas, Reality-Soaps oder Frauen-Boxen, die die Öffentlich-Rechtlichen heute offenbar zu ihrem Grundauftrag zählen. Dann findet man plötzlich eine riesige, unangemeldete Mediathek. ARD und ZDF gehen immer weiter. Wenn die Angebote im Internet nicht „sendungsbezogen“ sein müssten und das Verbot elektronischer Presse - also von Angeboten, die vom Text, vom Standbild und von der grafischen Darstellung herkommen - nicht festgeschrieben würde, gäbe es für ARD und ZDF gar keine Grenzen. Wir brauchen Richtlinien oder, wie es der Vorstandsvorsitzende von Gruner + Jahr, Bernd Kundrun, genannt hat, Leitplanken. Erinnern Sie sich doch nur an die Diskussion, die ich mit dem damaligen Intendanten des WDR, Fritz Pleitgen, hatte, als deutlich wurde, dass die Sender sogar mit dem Verkauf von Küchenutensilien verbunden sind. Selber kommen die Sender leider nie darauf, dass etwas für sie nicht geht.

Aber ist es realistisch zu fordern, dass ARD und ZDF für ihre Online-Angebote 0,75 Prozent ihrer Etats aufwenden?

Überlegen Sie doch bitte, über welche Summen wir sprechen. Das bewegt sich in der Größenordnung von deutlich über fünfzig Millionen Euro, wobei die querfinanzierten Kosten nicht mitgerechnet sind. Gäbe es hier keine Grenzen, könnten sich ARD und ZDF im Nu bei den aufstrebenden Community-Anbietern im Netz bedienen und eine Firma nach der anderen kaufen. Sie könnten dort so auftreten, wie sie es im Sportrechtemarkt tun. Das Phänomen ist doch, dass ARD und ZDF das, was Private - Sender oder Verlage - erfolgreich machen, auch haben wollen und wegkaufen. Ohne Budgetgrenze könnten sie uferlos investieren und würden nicht einmal Probleme bekommen, wenn sie eine halbe Milliarde Euro versenken.

Nun soll es einen Dreistufentest geben, um öffentlich-rechtliche Inhalte zu prüfen. Bei dem wollen ARD und ZDF unabhängige Dritte als Experten nicht hören, nach dem Motto: So regiert uns die private Konkurrenz ins Programm.

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