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Gespräch mit Bettina Reitz : Drei Sendeplätze für einen wichtigen Film

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Achtet den Jugendschutz und sucht „möglichst breite Öffentlichkeit für das Thema Kindesmissbrauch“: Bettina Reitz Bild: dpa

Heute Abend zeigt die ARD den Film „Operation Zucker“. Er handelt von Kinderprostitution. Der Bayerische Rundfunk hat ihn produziert. Ein Gespräch mit dessen Fernsehdirektorin Bettina Reitz.

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          Die Freiwillige Selbstkontrolle FSK hat entschieden, dass der Film „Operation Zucker“ in der ursprünglichen Version nur Zuschauern im Alter von sechzehn Jahren und daher erst von 22 Uhr an gezeigt werden kann. Was halten Sie von dieser Einschätzung?

          Der Jugendschutz ist gesetzlich verankert und auch uns ein wichtiges Anliegen, das wir achten. Gleichzeitig versuchen wir mit unseren Programmen, die Diskussion zu gesellschaftlich bedeutenden Themen zu fördern, auch mit bewegenden Stoffen. Beide Ziele sind nicht immer zur selben Sendezeit erreichbar. „Operation Zucker“ hat höchste Aufmerksamkeit verdient. Gleichwohl ist es bei der in sich schlüssigen Entscheidung der FSK geblieben, die den Film erst ab sechzehn Jahren freigibt.

          Sie wollen den Film nun trotzdem um 20.15 Uhr zeigen und ihn am Ende bearbeiten. Warum? Verträgt sich das mit der Aussage des Films und der aufklärerischen Ambition seiner Macher?

          Wir haben den Schluss des Films etwas gekürzt, um den Jugendschutz zu beachten und gleichzeitig an 20.15 Uhr festhalten zu können. Es geht um das wichtige Thema Kinderprostitution und Kinderhandel, es gehört ins öffentliche Bewusstsein. Der Film ist in beiden Fassungen von außergewöhnlicher Qualität, er rüttelt auf, das Thema wird durch die dreiminütigen Kürzungen nicht verharmlost. Es gab in den vergangenen Wochen sehr positive Pressereaktionen, und die Ausstrahlung wurde inklusive Trailer und crossmedialer Hinweise vorbereitet. Dies alles aufzugeben erscheint uns problematischer, als eine mit dem Regisseur Rainer Kaufmann und der Produzentin Gabriela Sperl abgestimmte Fassung zur bestmöglichen Sendezeit zu zeigen. Der Vorgang ist für uns alle eine Ausnahme, das wichtige Thema und seine Dringlichkeit rechtfertigen aber aus unserer Sicht diesen Schritt.

          Wäre es nicht besser, den Film dann doch erst um 22 Uhr zu zeigen? Oder die Entscheidung der FSK zu konterkarieren - ihn um 20.15 Uhr zu senden mit dem nachdrücklichen Hinweis, dass dieser Film, der von der Entrechtung und Versklavung und dem Missbrauch von Kindern handelt, für junge Zuschauer nichts ist?

          Die Entscheidung der FSK ist rechtlich verbindlich. Ein Warnhinweis für junge Zuschauer ist nach jetziger Gesetzeslage nicht ausreichend, um den Film unverändert um 20.15 Uhr zeigen zu können. Noch einmal: Der Jugendschutz hat für uns sehr hohen Stellenwert. Unsere Jugendschutzarbeit in den Sendern und die FSK-Einschätzung für die DVD-Freigaben beziehungsweise Kinofilme sind beides hilfreiche Instrumente.

          Und auch noch zeitgemäß?

          Bei allen Sendern kommt das Jugendschutz-Korrektiv zum Tragen. Dies gehört zum Tagesgeschäft, ebenso, dass vor einer Ausstrahlung auch unterschiedliche Bewertungen intensiv diskutiert werden, denn auch Entscheidungen im Jugendschutz haben Beurteilungsspielräume. „Operation Zucker“ erst um 22 Uhr zu zeigen hätte bedeutet, ihn jetzt am Mittwoch aus dem Programm nehmen zu müssen und frühestens auf unserem Sendeplatz am Freitagabend zeigen zu können. Wir haben uns für eine aus unserer Sicht bessere Variante entschieden, die eine möglichst breite Öffentlichkeit für das Thema Kindesmissbrauch sichert. Es besteht die Möglichkeit, den Film in unserer Mediathek „mediathek.daserste.de“ von 22 Uhr an in der Originalfassung ungekürzt zu sehen und etwas später, um 0.20 Uhr, auch im ARD-Hauptprogramm.

          Die Fragen stellte Michael Hanfeld.

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