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Gespräch mit Asli Erdogan : „Schlechter Journalismus ermöglichte die Kampagne“

Die Hassbotschaften gegen Asli Erdogan kennen kein Maß, auch ihre Mutter wird bedroht. Bild: Imago/epd

Die türkische Schriftstellerin Asli Erdogan ist zum Opfer von Hetze geworden – wegen Äußerungen in einem Interview, die sie nie von sich gab. Im Interview spricht sie über Hassbotschaften, Todesdrohungen und den Zustand der Türkei.

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          Die im deutschen Exil lebende türkische Schriftstellerin Asli Erdogan ist zum Ziel einer Hasskampagne in türkischen Medien und sozialen Netzwerken geworden. Der Anlass ist ein Interview in der italienischen Zeitung „La Repubblica“, das anschließend in einer entstellenden Übersetzung in der belgischen „Le Soir“ erschien. Asli Erdogan spricht darin über die nationalistische und militaristische Indoktrination, die in der Türkei schon in der Grundschule beginne. In „La Repubblica“ trägt das Interview den Titel „Asli Erdogan: ,Wir werden schon in der Schule indoktriniert, die Kurden als unsere Feinde zu sehen.‘“ Diese als Zitat von Asli Erdogan markierte Aussage wird nicht vom Wortlaut des Interviews gedeckt. Die belgische Version spitzte den Titel zu. Dort hieß es: „Wir lernen von der Grundschule an, Kurden zu hassen.“ Grob verfälscht wurde außerdem eine ihrer Antworten. Die russische Nachrichtenagentur Sputnik brachte die „Le Soir“-Version in englischer Übersetzung in Umlauf. Türkische Medien griffen sie auf. Und entfesselten die Kampagne. „Le Soir“ hat die fehlerhaften Stellen mittlerweile korrigiert und sich bei Asli Erdogan entschuldigt.

          Karen Krüger

          Redakteurin im Feuilleton der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung in Berlin.

          Frau Erdogan, wie oft sind Sie in den vergangenen Wochen bedroht worden?

          So oft, dass ich aufgehört habe, die Hassbotschaften zu lesen. Es war eine national gesteuerte Kampagne. Als sie ihren Höhepunkt erreicht hatte, war ich in den sozialen Medien tagelang Trend Topic 1. Auch meine Mutter wurde zur Zielscheibe. Sie wird als Hure, Nutte, Miststück beschimpft. Ihre Adresse wurde veröffentlicht. Ein User drohte: „Wir machen dich kalt“. So etwas schreibt man in der Türkei einer 75 Jahre alten Frau.

          Haben Sie Angst?

          Natürlich. Um meine Mutter und um mich. Ich bin in ständigem Kontakt mit der Polizei. Abends ist es besonders schlimm, da traue ich mich kaum aus dem Haus. Zwar bin ich in Deutschland, aber ein Großteil der türkischen Community findet garantiert zutreffend, was die türkischen Medien über mich verbreitet haben.

          Wie sah die Berichterstattung aus?

          Die Medien verunglimpften mich als „Terror-Flittchen“, „Verräterin“, „Hure“ und Ähnliches. Einige Kolumnisten schrieben, ich würde mein Land im Westen schlechtmachen. Auf diese Weise wolle ich mich für den Literaturnobelpreis ins Gespräch bringen, so wie es damals Orhan Pamuk gemacht habe.

          Kurz bevor er den Literaturnobelpreis erhielt, hatte er 2005 gegenüber einer Schweizer Zeitung den Genozid an den Armeniern thematisiert.

          Der stellvertretende türkische Bildungsminister Mustafa Safran sagte im Fernsehen, ich sei eine „armselige Schriftstellerin“, „von Europäern auf Glanz getrimmt“. Er drohte damit, ich würde meine türkische Staatsangehörigkeit verlieren. Der Chef der rechtsextremen Partei BBP wurde mit den Worten zitiert: „Gott soll sie verfluchen.“ In der Türkei ist das eine ernstzunehmende Bedrohung, denn die Anhänger dieser Partei schrecken nicht vor Gewalt zurück. Ich bin wirklich beunruhigt. Als der türkisch-armenische Journalist Hrant Dink 2007 ermordet wurde, hatte es zuvor eine ähnliche Hetzkampagne gegeben.

          Alles begann mit dem Interview, das Sie am 15. Oktober, kurz nach dem türkischen Einmarsch in Nordsyrien, der italienischen Zeitung „La Repubblica“ gegeben haben. Der Interviewer kommt wiederholt auf die Kurdenfrage zu sprechen. Als Überschrift wählte er dann „Asli Erdogan: ,Wir Türken werden schon in der Schule indoktriniert, die Kurden als Feinde zu sehen‘.“

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