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Gespräch mit Armin Mueller-Stahl : Für das Fernsehen lebe ich jedenfalls nicht

  • Aktualisiert am

Armin Müller-Stahl Bild: picture-alliance/ dpa

Mit bald achtzig Jahren sieht sich Armin Mueller-Stahl zwar im Endspurt, aber nicht am Ziel. Zum Auftakt ihrer Reihe „Deutschland - Deine Künstler“ würdigt ihn die ARD. Die moderne Kunst sei tot, meint er, der selbst auch Künstler ist. Und die Medien machen nur den Klugen klüger.

          Mit bald achtzig Jahren sieht sich Armin Mueller-Stahl zwar im Endspurt, aber nicht am Ziel. Zum Auftakt ihrer Reihe „Deutschland - Deine Künstler“ würdigt ihn die ARD.

          Die ARD feiert Sie als einen der bedeutendsten deutschen Künstler. Sind Sie das oder nur einer der bekanntesten?

          Bei dieser Frage geht es ja nicht um einen Hundertmeterlauf mit Zielankunft und Sekundenabständen. Man wird aber honorieren müssen, dass ich mit meinen 77 Jahren noch immer am Laufen bin - und das ist ja schon mal was. Ich bin in einem Alter, das man als Endspurt bezeichnet, aber immer noch beschäftigt und habe mehr Angebote, als ich möchte. Denn im Grunde will ich gar nicht mehr so viel drehen. Aber wem obliegt es, das Prädikat „bedeutend“ zu verleihen? Das ist doch zutiefst nebulös.

          In Ihrem Fall nicht aus der Luft gegriffen.

          Okay, ich habe in Amerika einen ganz guten Ruf. Als Profi. Einen besseren vielleicht, als ich es verdiene. Aber den habe ich mir erarbeitet, indem ich den Beruf stets so ernst genommen habe, wie es geht. Ich habe nie versucht, leicht zu Geld zu kommen, und aufgepasst, was ich tue.

          Macht es im eigenen Land wählerischer, wenn man international bekannt ist?

          In gewisser Weise war ich immer wählerisch, sonst hätte ich ja die „Schwarzwaldklinik“ gespielt, für die ich im Gespräch war, oder Wedels „Bellheim“, den Mario Adorf mit großem Erfolg verkörpert hat. Ich habe mich aber 1992 für „The Power of One“ in Amerika entschieden. Was nicht heißt, dass ich stets richtig lag. Die Nase geht ja keinesfalls immer konform mit der Zukunft. Nach „Avalon“ hätte ich mir 1990 aussuchen können, was ich wollte. Es lag alles auf dem Tisch, aber das meiste war Mist. Ich habe mich viel geirrt im Leben, aber auch zehn, elf, zwölf Mal nicht.

          Zum Beispiel?

          Es waren meisten Doppelpacks: „Avalon“ und „Musicbox“, „Oberst Redl“ und „Bittere Ernte“, „Faust“ und „Mephisto“. Den Chef einer jüdischen Familie und einen Kriegsverbrecher im selben Jahr - das klafft ganz schön auseinander.

          Gab es eine Rolle, die Sie bereut haben?

          Gewiss, aber das führte zu weit.

          Der Serienkommissar stünde noch an.

          Ganz sicher nicht, es hat sich auskommissart. Ich sollte mal „Der Alte“ spielen, das habe ich damals nicht getan.

          Aber darüber nachgedacht.

          Das habe ich. Damals bestand durchaus noch ein Wunsch nach Sicherheit, und man hatte mir für deutsche Verhältnisse eine hohe Gage angeboten, als es nicht gänzlich gesichert war, immer meine Brötchen auf den Tisch zu kriegen. Trotzdem habe ich abgesagt. Immer zu fragen: „Was haben Sie gestern um halb sieben gemacht?“ - das wäre mir doch zu wenig.

          Wenn die ARD jetzt Ihren Rang betont - fühlen Sie sich gewürdigt oder ein wenig ausgeschlachtet?

          Ich habe von Anfang an gesagt, dass ich dieses Porträt nicht will, weil es schon ein sehr gutes über mich gibt: von Gero von Böhm - nehmen Sie das! Aber die ARD wollte es anders haben, und ich habe es gemacht, weil mir sehr herzliche Briefe geschrieben wurden, um mich zu überzeugen. Aber ob ein Sendetermin um halb zwölf in der Nacht nun eine Würdigung ist? Schön finde ich das nicht. Wenn man das schon mit sich machen lässt, sollte es auch einen entsprechenden Platz erhalten. Hätte ich das vorher gewusst, hätte ich vielleicht gar nicht . . . obwohl - wollen wir mal sehen, ob ich auch um die Zeit ein paar Menschen glücklich damit mache.

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