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Forderung an ARD und ZDF : Sollen Talkshows abgeschafft werden?

Islam und Bundesrepublik: Jan Fleischhauer, Bettina Gaus, Sandra Maischberger, Haluk Yildiz und Necla Kelek (von links) waren sich in kaum einem Punkt einig. Bild: WDR/Max Kohr

Der Geschäftsführer des „Deutschen Kulturrats“ meint, die Talkshows von ARD und ZDF sollten ein Jahr pausieren, um über ihre Konzepte nachzudenken. Das diene der Integration. Die Forderung ist bezeichnend.

          Wenn Olaf Zimmermann Pressemitteilungen verschickt, wirkt das stets sehr bedeutend. Zumindest auf den ersten Blick. Denn er ist Geschäftsführer des „Deutschen Kulturrats“, der sich als „Dachverband der Dachverbände“ versteht. Das ist er auch: 246 Verbände aus allen Sparten der Kultur finden sich hier, sie besetzen acht thematisch verfasste Sektionen und bilden Fachausschüsse. Mit dem Deutschen Kulturrat bieten sie eine Anlaufstelle an, die sich besonders an die Politik richtet.

          Michael Hanfeld

          verantwortlicher Redakteur für Feuilleton Online und „Medien“.

          Die Geschäftsführung freilich ist ein Ein-Mann-Betrieb, und der produziert Meldungen und Forderungen zum Tagesgeschehen wie am Fließband, die dann immer so aussehen, als spräche hier die gesamte Kulturlobby des Landes.

          Die jüngste Forderung des „Deutschen Kulturrats“ markiert ihr Geschäftsführer ausnahmsweise als persönliche Einlassung, versendet freilich für den Dachdachdachverband: Man solle darüber nachdenken, „ob sich Das Erste und das ZDF nicht ein Jahr Talkpause leisten sollten, um in Ruhe über die Konzepte nachzudenken“.

          Den Anlass für die Suspendierung der Sendungen sieht Zimmermann in der jüngsten Ausgabe von „Maischberger“, in der es im Anschluss an die ARD-Verfilmung des Houellebecq-Romans „Unterwerfung“ um den Islam und die Toleranz diesem gegenüber in Deutschland ging. In der Runde wurde heftig diskutiert, vor allem zwischen des stellvertretenden CDU-Vorsitzenden Julia Klöckner, der Soziologin Necla Kelek und Haluk Yildiz, Vertreter der islamischen BIG-Partei. Dabei ging es allerdings nicht nur ums Händeschütteln oder um Schweinefleisch, wie Olaf Zimmermann meint, sondern ums Grundsätzliche. Nämlich darum, wie weit den Ansprüchen einer Minderheit an die Gesellschaft zu folgen ist und von welchem Punkt an diese die berechtigten Ansprüche aller anderen (Minderheiten) überlagern und, unter dem Rubrum der vermeintlichen Religionsfreiheit, die Freiheit einschränken und die freiheitlich-demokratische Grundordnung berühren.

          Die Debatte mochte man gelungen finden oder nicht. Sie auszusetzen, was auch schon bei „Spiegel Online“ gefordert wurde, und sich zu einer Kampagne auswächst, nur weil einem die dort verhandelten Themen nicht passen, entspricht einem totalitären Verständnis von Öffentlichkeit. Wer, wie Zimmermann glaubt, erst die angeblich mehr als hundert Talkshows zu den Themen Flüchtlinge und Islam hätten die AfD „bundestagsfähig“ gemacht und dazu beigetragen, die Gesellschaft zu spalten, lebt in einem Elfenbeinturm, von dem aus offenbar nichts von dem zu sehen ist, was in diesem Land passiert – und nicht nur in den Talkshows von ARD und ZDF auf die Tagesordnung gehört.

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