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Twitters Trollproblem : „Wir haben versagt“

„Es ist beschämend“: Twitter-Geschäftsführer Costolo gibt sich zerknirscht. Bild: Reuters

Wenn die Nutzer einer Seite sich nicht mehr sicher fühlen, ist das ein Problem. Twitter hat das zu spät erkannt – wie jetzt Geschäftsführer Dick Costolo in einem internen Memo zugab.

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          Dass sich ein Geschäftsführer hinstellt und in ziemlich deutlichen Worten vor der Belegschaft zugibt, dass in seinem Unternehmen etwas richtig, richtig mies läuft, ist eher selten. Genau das aber tat Twitters Geschäftsführer Dick Costolo offenbar am 2. Februar in einem internen Memo, das dem Internet-Magazin „The Verge“ vorliegt. Es geht darin um den oft beklagten Umgang mit Trollen und persönlichen Anfeindungen gegen Twitter-Nutzer, die nur wenig dagegen tun können, bedroht und beleidigt zu werden.

          Andrea Diener
          Redakteurin im Feuilleton.

          „We suck at dealing with abuse and trolls on the platform and we’ve sucked at it for years”, schreibt Costolo – zu deutsch: Wir haben im Umgang mit Beschimpfungen und Trollen versagt, und wir tun das schon seit Jahren. „Wir verlieren einen Stammnutzer nach dem nächsten, weil wir uns nicht um simple Trollprobleme kümmern, mit denen sie täglich konfrontiert werden“, so Costolo weiter.

          „Es gibt dafür keine Entschuldigung“

          Die Aussage des Twitter-Geschäftsführers ist eine Antwort in einem internen Twitter-Forum auf die Frage nach dem Umgang mit der Journalistin Lindy West. West wurde von einem Mann beschimpft und geschmäht, der perfiderweise einen Twitter-Account unter dem Namen ihres an Krebs verstorbenen Vaters betrieb. Sie konfrontierte diesen Troll später mit seinen Taten und vergab ihm. Die Geschichte erzählte sie in der englischen Zeitung „The Guardian“ und stellt darin auch die Frage, wie Twitter als Unternehmen auf solche Vorfälle reagieren sollte. „Ich bin mir darüber bewusst, dass Twitter es rechtlich gesehen zulassen darf, dass die Plattform als Vehikel für sexistische und rassistische Belästigung genutzt wird. Aber als privates Unternehmen könnte es – ebenso wie ein Comedian über einen Vergewaltigungswitz nachdenkt oder ein Troll ein Ziel für seine Wut sucht – sich auch dafür entscheiden, es nicht zu tun. Als Kollektiv von Menschen könnte es sich dafür entscheiden, besser zu sein.“

          Der Appell an die Menschlichkeit des Unternehmens scheint angekommen zu sein, zumindest beim Geschäftsführer Costolo: „Ich schäme mich dafür, wie wir unter meiner Ägide als Geschäftsführer mit dieser Sache umgegangen sind“, schreibt er weiter. „Es gibt dafür keine Entschuldigung. Ich übernehme die volle Verantwortung dafür, nicht offensiver dagegen vorgegangen zu sein. Es ist allein meine Schuld, und es ist beschämend.“

          Systeme, in denen man sich sicher fühlt

          Die Erkenntnis, dass die täglichen Beschimpfungen Nutzer kosten, ist nicht ganz neu. Besonders häufig sind es Frauen, die unter ständigen persönlichen Angriffen zu leiden haben. Eines der prominentesten Beispiele ist Zelda Williams, die Tochter von Robin Williams, die die Angriffe nach dem Tod ihres Vaters nicht mehr ertrug. Im Januar war es die Schauspielerin und Autorin Lena Dunham, die angab, die Twitter-App von ihrem Telefon gelöscht zu haben und Tweets künftig an Freunde zu schicken, die sie für sie posten. „Wir müssen Systeme schaffen, in denen wir uns sicher fühlen“, schrieb Dunham in einem Folgetweet. Dieses Sicherheitsgefühl kann Twitter als Software und als Unternehmen momentan nicht gewährleisten, und so bleibt vielen Nutzern, die unter ständigen Schmähungen leiden, nur der Rückzug.

          Wenn prominente Nutzer Twitter den Rücken kehren, ist das kein gutes Zeichen für das Unternehmen, das noch immer keinen nennenswerten Gewinn verzeichnet. „Wir werden das jetzt beheben“, schreibt Costolo, und er werde dafür sorgen, dass Tag und Nacht an dem Trollproblem gearbeitet werde. Welche Maßnahmen er vorsieht, ist nicht bekannt, auch nahm das Unternehmen bislang nicht Stellung.

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