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Maja Maranows letzter Film : Ein Blick in ihre Welt

Ermittlungen auf der Baustelle: Maja Maranow mit Florian Martens (als Otto Garber, Mitte) und Tobias Oertel in „Geplatzte Träume“ Bild: ZDF und Katrin Knoke

In der Serie „Ein starkes Team“ ist Maja Maranow mit ihrem letzten Auftritt zu sehen: Es ist ein melancholischer Film, bei dem man sich nun unweigerlich fragt: Wusste die Schauspielerin von ihrem Abschied?.

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          Maja Maranow und Florian Martens laufen durch den Matsch. Kaum steigen sie aus dem Wagen, verschwinden ihre Füße im Morast. „Hätten die nicht zuerst eine Straße bauen können“, meckert Martens als Kommissar Otto Garber. Seine Kollegin Verena Berthold (Maja Maranow) nimmt es gelassen. Was soll sie sich aufregen? Das bisschen Dreck am Bau interessiert sie nicht. Wer hier in dem brachliegenden Neubaugebiet Dreck am Stecken hat, interessiert sie schon. So wie den beiden schlammbespritzten Kommissaren geht es allen Figuren in der Episode „Geplatzte Träume“ aus der Serie „Ein starkes „Team“, die an diesem Samstag im ZDF läuft. Es ist der letzte Film mit Maja Maranow. Wie erst jetzt bekannt wurde, ist die Schauspielerin am 4. Januar im Alter von 54 Jahren gestorben.

          Michael Hanfeld
          verantwortlicher Redakteur für Feuilleton Online und „Medien“.

          Zwanzig Jahre lang hat Maja Maranow, die unter anderem in den meisten großen Filmen von Dieter Wedel spielte, gemeinsam mit Florian Martens das „starke Team“ gebildet. Das sei länger, als so manche Ehe halte, hatte die Schauspielerin im vergangenen Sommer gesagt, als sie bekannt gab, die Serie verlassen und sich auf einzelne Filmprojekte konzentrieren zu wollen. Wie ein altes Ehepaar sind Maja Maranow und Florian Martens in der so lange schon laufenden ZDF-Serie auch aufgetreten. Ihre beiden Kommissare haben sich über die Jahre manche Kämpfe geliefert; sie gerieten ob ihrer unterschiedlichen Temperamente immer wieder heftig aneinander, waren aber zugleich immer „das starke Team“, von dem der Titel der Serie spricht. Die Konflikte untereinander haben sie sich dann etwas abgewöhnt, ihre Ermittlungen – und auch das Spiel von Maja Maranow, Florian Martens und den anderen in dieser Truppe – sind geprägt von engagierter Routine. Jeder weiß, was er an dem anderen hat, und niemand macht davon groß Aufhebens.

          Bis ihnen die Verdächtigen auszugehen drohen

          Was Zuschauer und Kollegen an Maja Maranow hatten, das klingt in der Facebook-Botschaft von Jan Josef Liefers an: „Maja“, schreibt Liefers, „war eine beeindruckende Frau, eine sympathische, coole Kollegin und eine tolle Schauspielerin.“ In der Kommissarinnen-Rolle beim ZDF hat sie das gezeigt: Ihr Auftritt war von lässigem, selbstverständlichem Selbstbewusstsein geprägt. Die Figur der Kommissarin Verena Berthold, mit welcher die Schauspielerin am stärksten verbunden und in Erinnerung bleiben wird, ist ein gestandener Charakter – konfliktfähig, belastbar und herzlich.

          In die 64. und letzte Episode von „Ein starkes Team“ mit Maja Maranow (der Stefanie Stappenbeck nachfolgen wird) könnte man nun viel hineinlesen, in dem Wissen, dass die Schauspielerin gerade mit nur 54 Jahren gestorben ist und sich von dieser Rolle vor einem halben Jahr verabschiedet hat: In „Geplatzte Träume“ geht es um Hoffnungen, die sich zerschlagen. Es geht um den Fall eines ermordeten Bauunternehmers, der eine ganze Vorstadtsiedlung aus dem Boden stampfen wollte, aber jedem einzelnen Bauherrn, der auf die Fertigstellung seines Eigenheims wartet und nicht mehr auf einer Baustelle leben will, Geld und Leistung schuldet. Viele falsche Versprechungen gab der Ermordete ab – der passenderweise in einer frisch gegossenen Betonplatte steckt –, viele Träume hat er zerstört, und so gibt es entsprechend viele Verdächtige. Einen nach dem anderen nehmen sich die Kommissare Verena Berthold und Otto Garber vor, so lange, bis sie alle Tragödien in dem Neubauviertel, das eine einzige Baustelle ist, kennen und ihnen die Verdächtigen auszugehen drohen.

          Vielleicht werden sie ja glücklich

          Geprägt ist diese Geschichte von einer Tristesse und Melancholie, die auch die beiden Kommissare überkommt, wenn sie sehen, wie es in den Familien zugeht, die endlich ein isoliertes Dach über dem Kopf oder die Heizung eingebaut haben möchten. Nee, nee, sagt da der Kommissar Garber, der von Hause aus ein echter Berliner und Alt-Anarcho ist: „Zwee Zimmer, Küche Bad“, das reiche doch. Aber vielleicht, grummelt Florian Martens in seiner Rolle weiter, während er den Dienst-Mercedes der Kommissare durch den Matsch bugsiert, werden die Leute in diesem „Spießerhausen“ ja sogar noch glücklich? Als Verena Berthold bleibt Maja Maranow wie stets ganz abgeklärt. Sie lächelt und sagt: „Ist das nicht schön, dass Du in Deiner Welt am Ende immer Recht hast?“

          Danach folgt der Abspann.

          Fernsehtrailer : Ein starkes Team

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