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Georg Ringsgwandl im BR : Bunter Vogel Wut

  • -Aktualisiert am

Georg Ringsgwandl im Münchner Lustspielhaus Bild: dpa

Dieser Film lohnt sich, nicht nur für Freunde des Unalltäglichen: Der Musiker und Satiriker Georg Ringsgwandl wird siebzig, und der BR lässt sich dazu etwas einfallen.

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          Als vor dreißig Jahren der Ruhm des Georg Ringsgwandl, dieses, wie die Kritik damals nicht unzutreffend festhielt, „Karl Valentin des Rock“, sich zu bilden und rasch zu mehren begann, war es wirklich so, dass die Leute hierzulande sagten, „so etwas“ dann doch noch nicht gesehen zu haben: einen mit schärfster Zunge bewaffneten Musiker, der sich all die vorknöpfte, die das SPD-nahe Kabarett ausließ, sei es aus Feigheit, sei es aus einem Mangel an Urteilsfähigkeit oder Ideen.

          Edo Reents
          (edo.), Feuilleton

          Die ätzende Satire, die Ringsgwandl mit wechselnder, das Kleinkunstformat selten sprengender Begleitung bot, unterschied sich sowohl inhaltlich wie auch in der Performance von allem, was es sonst so gab: Hier war kein „kritischer“ Liedermacher am Werk, der es am Ende doch allen recht macht, sondern ein bunter Vogel, auf den das so leicht vergebene Etikett „schrill“ bei weitem nicht mehr passte; der, phantasievoll kostümiert, auf der Bühne mit seinen komischen Verrenkungen den Bewegungsidioten spielte, während er, zu seinen bisweilen krachenden, bisweilen zärtlichen, immer gekonnten Rock- und Blueslicks die alltägliche menschliche, vorzugsweise in Bayern anzutreffende Dummheit im Allgemeinen aufs Korn nahm und sich im Besonderen Kultur-Promis und -Lieblinge vorknöpfte, sich im Zweifelsfall also lieber über Bruce Springsteen oder Placido Domingo lustig machte als über Unterprivilegierte, bei denen der Spott leichtverdientes Geld ist.

          Offene Türen rennt er bis heute keine ein. Dieser bunte Vogel wird (am Donnerstag) siebzig Jahre alt. Der Bayerische Rundfunk weiß, was sich gehört, und widmet diesem originellen Entertainer unter dem Titel „Vogelwild“ eine Geburtstagssendung. Andreas Krieger (Buch und Regie) wartet mit keiner platten Huldigung auf, sondern fasst die familiäre Vorgeschichte und die kulturelle Prägung, aus denen dieser „Gurkenkönig“ (so die Schauspielerin Veronika von Quast, die ihn einkleidete) hervorging, präzise ins Auge. Erstere ist bitter genug: 1948 in Bad Reichenhall als Sohn eines schwer kriegsbeschädigten Postboten und einer Hausfrau geboren, schwört er irgendwann sich und seiner Schwester, dass er den Vater umbringen werde, wenn der ihn noch einmal so brutal verprügeln würde. „Der Schorschi“ muss das erdulden, bis er vierzehn ist. Es bleibt dem Zuschauer überlassen, aus der für diese Generation nicht untypischen, gleichwohl erschütternden Vorgeschichte Schlüsse zu ziehen und sie etwa in Zusammenhang zu bringen mit der von Weggefährten bezeugten, von Ringsgwandl selbst gar nicht bestrittenen Rabiatheit, mit welcher der erwachsene Künstler rhetorisch bisweilen zu Werke ging, auch bei seinen Arbeiten für die Münchner Kammerspiele seit den neunziger Jahren, bei denen sich die Proben „weitab von jeglicher Zivilisation“ (Ringsgwandl) abgespielt haben müssen.

          Die Herkunft aus einem, so Ringsgwandl unübertroffen zynisch, „kulturfernen, aber kulturbeflissenen Elternhaus“ hat ihn nicht kleingekriegt, im Gegenteil: Die mit großer Sorgfalt und Gewissenhaftigkeit ausgefüllte Stelle eines kardiologischen Oberarztes in Garmisch-Partenkirchen genügte dem Überdrehten bald nicht mehr, er nahm beim Rock’n’Roll (mit vernehmlichem Punk-Einschlag) seine Zukunft, sich ein Beispiel an Lou Reed und David Bowie und wurde eine der interessantesten Figuren auf deutschen Bühnen, in ihrer bösartigen Brillanz nur noch mit Gerhard Polt zu vergleichen. Der Film lohnt sich, nicht nur für Freunde des Unalltäglichen; die daraus hoffentlich entspringende (Wieder-)Beschäftigung mit Dr. Georg Ringsgwandl auch.

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