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RAF, Stasi und Schleyer-Mord : Warum verschwand das Fernschreiben 827?

Der von den Terroristen der RAF entführte Hanns Martin Schleyer im Oktober 1977 Bild: dpa

Der Journalist Georg Bönisch befasst sich sein Leben lang mit der Geschichte der Terrorgruppe RAF, mit der Entführung und Ermordung von Hanns Martin Schleyer und Verbindungen der RAF zur Stasi. Gab es ein Komplott?

          7 Min.

          Herr Bönisch, Sie befassen sich seit mehr als 40 Jahren mit der linksterroristischen Roten Armee Fraktion (RAF). Als Re­dakteur der Kölnischen Rundschau er­hielten Sie 1978 den Wächterpreis der deutschen Tagespresse für Ihre Berichterstattung über den Fall Schleyer. Bis zum Beginn Ihrer Rentenzeit 2013 waren Sie beim Spiegel. Losgelassen hat Sie die Sache bis heute nicht, wie Ihr neuestes Buch belegt, das Sie gemeinsam mit Sven Röbel geschrieben haben. Im Zentrum steht das legendäre Fernschreiben 827. Was hat es damit auf sich?

          Reiner Burger
          Politischer Korrespondent in Nordrhein-Westfalen.

          Arbeitgeberpräsident Hanns Martin Schleyer war am 5. September 1977 in Köln von der RAF entführt worden. Die ört­lichen Polizeistellen waren angehalten wor­den, Informationen über mögliche Verstecke zu sammeln. Das Bundeskriminalamt hatte ihnen einen Katalog mit Kriterien an die Hand gegeben, nach denen die RAF in der Vergangenheit konspirative Wohnungen gemietet hatte. Ein Muster war: Hochhaus, Tiefgarage, aus der Tiefgarage ein Lift in die Wohnetagen, nahe an einer Autobahn gelegen und Barzahlung der Kaution bei Abschluss des Mietvertrags. Schon kurz nach der Schleyer-Entführung gab es einen handfesten Hinweis darauf, wo die Terroristen den Arbeitgeberpräsidenten tatsächlich versteckt hielten: ein Hochhaus in Erftstadt-Liblar in der Straße Renngraben 8. Alles passte: 15 Stockwerke, Tiefgarage, Autobahnnähe, Barzahlung der Kaution einer kürzlich vermieteten Wohnung. Die örtliche Polizei mel­dete das Hochhaus mit vier weiteren verdächtigen Adressen in Erftstadt per Fernschreiben an den Koordinierungsstab in Köln. Er war extra kurz zuvor dafür eingerichtet worden, um Hinweise über verdächtige Wohnungen darauf zu über­prüfen, ob sich eine Razzia lohnt. Just dieses Fernschreiben, in dem sich der Hinweis auf die Wohnung in Erftstadt-Liblar be­fand, verschwand unter nicht geklärten Umständen im Kölner Polizeipräsidium auf dem Weg in den Koordinierungsstab.

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