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Gendersprache im Rundfunk : Serienbrief

Ist die Gliederpuppe wirklich weiblich? Und der Stern männlich? Bild: Picture-Alliance

Wie reagieren die Rundfunksender auf die Kritik der Zuschauer an der Gendersprache? Mit vorgefertigten Antworten.

          2 Min.

          Fast hätten wir geglaubt, das Schreiben an einen ob der Gendersprache verwunderten Zuschauer der ARD, von dem gestern an dieser Stelle die Rede war, sei ein persönliches gewesen – höflich im Ton, gewunden in der Aussage, aber doch merklich anders als der Schuss vor den Bug, den der Genderkritiker zuvor bekommen hatte.

          Da ging aber schon die erste Reaktion einer Leserin ein, die sich ebenfalls in ebenjener Sache an die ARD gewendet hatte und – siehe da – ein Antwortschreiben hatte, dessen Formulierungen uns doch sehr vertraut erscheinen.

          So etwas wie: „In Bezug auf gendergerechte Sprache“ gibt es „keinen ARD-Standard. Gleichwohl setzen sich alle Redaktionen mit diesem Thema auseinander und tauschen sich aus. Eine spannende Diskussion, bei der wir sowohl in unseren Häusern als auch bei unserem Publikum die ganze Bandbreite der Meinungen wiederfinden.“ Oder: „Im Bewusstsein, dass unsere Sprache einerseits lebendig und in stetigem Wandel begriffen und andererseits in ihrer Beständigkeit zu schützen ist, suchen wir Wege, den Bedürfnissen aller gerecht zu werden. Hierbei ist es uns wichtig, die journalistische Freiheit zu respektieren. In diesem Sinne entscheiden die Redaktionen, welchen Umgang mit diesem Thema sie in ihrem jeweiligen Kontext für angebracht halten.“

          Diesmal ohne Binnen-I

          Bei der Vielzahl von Reaktionen, die bei ARD und ZDF auf die Gendersprache eingehen dürften, wäre es aber in der Tat etwas vermessen, anzunehmen, jede und jeder erhielte eine ganz persönliche Antwort. Die hier zitierte kommt zumindest ohne Binnen-I aus. Und, ja, nicht nur bei der ARD, auch beim ZDF wird gegluckst.

          Die „heute“-Nachrichten waren da mit der inzwischen pensionierten Petra Gerster ganz vorn, im „heute journal“ macht Claus Kleber bis zu seinem letzten Tag als Moderator damit weiter. Und auch die Privatsender setzen, anders als es an dieser Stelle im Interview mit dem RTL-Programmchef Henning Tewes vor einiger Zeit noch scheinen mochte, auf gebrochene Sprache.

          So heißt es in der Pressemitteilung zu der neuen Sendung „#VOXStimme“, man zeige „Haltung“. Montags bis freitags zur besten Sendezeit trete „ein anderer Mensch mit einem besonderen und sehr persönlichen Anliegen vor die Kamera“. „Die Zeit vor einem Millionenpublikum“ könne „von den Speaker:innen so genutzt werden, wie er oder sie möchte“. Die „Redner:innen“ sprächen „im kürzesten VOX-Format aller Zeiten dabei stets geradeheraus, meinungsstark und ganz persönlich direkt zu den Zuschauer:innen“.

          Fühlt sich da etwa jemand nicht angesprochen? Eine Leserin (oder war es ein Leser?) stellte die Frage, ob es wohl bald auch „Mensch:in“ heiße. Bei Vox, würden wir sagen, war es fast schon so weit. Wer den Fortgang der Debatte bezeugen will, muss nur den Fernseher oder das Radio einschalten oder gucken, ob im Briefkasten irgendein Behördenschreiben liegt.

          Michael Hanfeld
          verantwortlicher Redakteur für Feuilleton Online und „Medien“.

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