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Gema-Alternative C3S : Legaler Tausch schließt Profit nicht aus

  • -Aktualisiert am

Die Initiative finanziert sich über Crowdfunding

Um das zu realisieren, ist viel Kapital nötig. Entwickler und Programmierer müssen eingestellt werden, um die Datenbanken aufzubauen. Ebenso braucht C3S Personal für die Verwaltung. Bisher kann niemand aus dem Team Vollzeit an dem Projekt arbeiten, da es keinen Gewinn abwirft. Investoren sind nur schwer zu gewinnen, da sie an zukünftigen Profitausschüttungen nicht beteiligt werden. Tantiemen sollen ausschließlich an Urheber gehen. Wie also Kapital akquirieren?

Crowdfunding heißt die Lösung. Über die Schwarmfinanzierung auf der Internetseite startnext.de kamen seit Mitte Juli 89 172 Euro für C3S zusammen. 1403 Personen spendeten; 1060 Genossenschaftsanteile, die je fünfzig Euro kosten, sind bisher vergeben. „„Bis zum Ende des Crowdfundings am 30. September ist es unser Ziel, 200.000 Euro einzunehmen. Schon mit der Summe, die wir bis jetzt gesammelt haben, können wir das Projekt auf jeden Fall weiterführen““, sagt Senges. „„Bisher haben wir für die Initiative in unserer Freizeit gearbeitet und sind damit an unsere Grenzen gestoßen.““

Bis zur aktiven Verwertungsgesellschaft ist es noch ein weiter Weg

Eine ausreichende Menge an Eigenkapital sei außerdem nötig, um staatliche Fördermittel beantragen zu können. Diese könnten bald vom Land Nordrhein-Westfalen kommen: Beim Innovationswettbewerb „Digitale Medien NRW“ überzeugte das Konzept C3S eine Experten-Jury, die eine Förderungsempfehlung in Höhe von 200.000 Euro aussprach. „„Für eine verbindliche Zusage der Fördergelder muss es uns aber noch gelingen, den gleichen Betrag an Eigenmitteln nachzuweisen““, erklärt Senges.

Jenseits des Crowdfundings verfügt die Initiative, die bisher keine juristische Form hat, über fast 40.000 Euro Startkapital. Der nächste Schritt hin zur aktiven Verwertungsgesellschaft besteht in der Gründung von C3S als Europäischer Genossenschaft. Damit wird das Projekt am 25. September erstmals zu einem Rechtssubjekt. Das kommende Jahr über wird C3S damit beschäftigt sein, die Vorgaben des Patentamts hinsichtlich der Mitgliederzahl und der Infrastruktur des Unternehmens zu erfüllen. „„Wir hoffen, Ende 2014, Anfang 2015 den Antrag auf Zulassung als Verwertungsgesellschaft beim DPMA stellen zu können““, sagt Senges. Man müsse mit einer Wartezeit von bis zu einem Jahr rechnen, bis das Patentamt die Zulassung tatsächlich erteile. „„Frühestens in der zweiten Jahreshälfte 2015 werden wir unsere Künstler aktiv vertreten können.““

Es wird also noch dauern, bis die Gema Konkurrenz bekommt. Schon jetzt aber ist zu spüren, dass C3S den Monopolisten nervös macht. Der Gema-Justitiar Tobias Holzmüller hat der „MusikWoche“ kürzlich in einem Interview gesagt, er sei zuversichtlich, dass in absehbarer Zeit die Nutzung von CC-Lizenzen und die Gema-Mitgliedschaft miteinander vereinbar seien. Holzmüller betont aber gleichzeitig, man sehe C3S nicht als „echte Alternative“ zur Gema. Wer seine Werke unter freien Lizenzen veröffentliche, verzichte „unwiderruflich auch für die Zukunft auf eine Vergütung“ für die Nutzung der Stücke.

Wolfgang Senges sieht das anders: „„Keine CC-Lizenz schließt aus, dass für einen Song bezahlt wird. Es gibt Alben, die bei Amazon Bestseller werden, obwohl man sie ganz legal tauschen kann.““ Noch scheint die Gema daran zu glauben, dass Künstler nur aus All-Rights-Reserved-Lizenzen Einnahmen ziehen können. Es ist an C3S, das Gegenteil zu beweisen.

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