https://www.faz.net/-gqz-7hllp

Gema-Alternative C3S : Legaler Tausch schließt Profit nicht aus

  • -Aktualisiert am

Diese Anforderungen machen die Sache kompliziert. Senges sagt: „„Es ist ein Henne-Ei-Problem. Für die Zulassung müssen wir zirka 3000 Mitglieder vorweisen können, deren Rechte wir aber erst aktiv vertreten dürfen, wenn die Absegnung vom DPMA vorliegt.““ Vorher gebe es keine Berechtigung, als Verwertungsgesellschaft zu arbeiten. „„Ein normales Unternehmen steht bei der Gründung meistens in den roten Zahlen. Es ist ganz gewöhnlich, dass die schwarzen Zahlen vielleicht erst im dritten Jahr erreicht werden““, sagt Senges. Für eine Verwertungsgesellschaft gelte das aber nicht. Da sie die wirtschaftliche Sicherheit ihrer Mitglieder verantworte, erhalte sie die Zulassung vom Patentamt erst, wenn sie die schwarze Null schon vorweisen könne.

Wolfgang Senges hat die Initiative C3S mitbegründet.
Wolfgang Senges hat die Initiative C3S mitbegründet. : Bild: Simon Bierwald

Das Wir, von dem Senges spricht, ist die „Cultural Commons Collecting Society“, kurz C3S. Die Initiative, zu deren Team mittlerweile neben Senges und Michalke neun weitere Personen gehören, arbeitet auf die Gründung einer Gema-Alternative hin. Auf den wesentlichen Unterschied verweist schon der Name: „„Bei uns wird es möglich sein, sowohl CC-Lizenzen als auch die herkömmlichen All-Rights-Reserved-Lizenzen zu nutzen““, sagt Senges. Die Künstler, die sich von C3S vertreten lassen, können bei jedem Stück flexibel entscheiden, welche Lizenz gelten soll. Bei der Gema ist das anders: Wer Mitglied wird, muss dem Verein die Verwertung aller seiner Werke übertragen –- bisher können diese bei der Gema ausschließlich unter All-Rights-Reserved-Lizenzen veröffentlicht werden.

Nicht nur in diesem Punkt will C3S besser machen, was an der Gema kritisiert wird. Vor allem soll Gleichberechtigung unter den Mitgliedern herrschen. „„Bei uns sind als nutzende Mitglieder nur Urheber zugelassen, also Musikschaffende. Dazu zählen wir auch Prosumer, das sind Nutzer, die Musik privat zu Remixes oder Mashups weiterverarbeiten““, erklärt Senges. Jeder von ihnen soll gleiches und volles Stimmrecht bekommen -– unabhängig von seinen Einnahmen durch Lizenzgebühren oder von der Anzahl der Anteile, die er bei C3S gezeichnet hat. Verleger, Produzenten oder andere Investoren sollen nur als fördernde Mitglieder zugelassen werden. Anders als bei der Gema sollen sie prinzipiell kein Stimmrecht erhalten, dürfen aber in beratenden Kommissionen tätig sein.

Das Ziel von C3S: Pay per Play

Auch die Ausschüttung der Lizenzeinnahmen soll gerechter werden. Senges sagt: „„So weit wie möglich wollen wir nicht auf Hochrechnungen und Pauschalen zurückgreifen, wie es die Gema tut. Die Anteile sollen sich danach richten, wie häufig ein Künstler wirklich gespielt worden ist. Unser Ziel ist eine Eins-zu-eins-Abrechnung –- pay per play.““ Daten, die darüber Auskunft geben, seien für den Online-Markt bereits vorhanden. Man müsse sie nur nutzen. „„Das lässt sich sehr einfach maschinell auszählen.““

Vorerst will sich C3S daher auf Online-Lizenzen konzentrieren. „„Im Bereich Radio und Fernsehen, im sogenannten Airplay, wäre es für uns schwer, sofort einzusteigen““, sagt Senges. „„Da arbeitet die Gema für etablierte Künstler effizient. Im Internet sieht das anders aus: Als Lizenznehmer hat man hier viel bürokratischen Aufwand, zum Beispiel, weil sich die Playlists nicht direkt an die Datenbank der Gema übertragen lassen.“ Die nötigen Programmierschnittstellen fehlen.“ C3S will ein alternatives technisches System entwickeln, das den Lizenznehmern eine möglichst einfache und transparente Abrechnung erlaubt.

Weitere Themen

Drei deutsche Kurstädte ausgezeichnet Video-Seite öffnen

Unesco-Welterbe : Drei deutsche Kurstädte ausgezeichnet

Die deutschen Kurstädte Baden-Baden, Bad Ems und Bad Kissingen sind in die Liste des Unesco-Welterbes aufgenommen worden – neben Kurstädten in weiteren Ländern Europas. Auch die Künstlerkolonie Mathildenhöhe in Darmstadt schaffte es neu auf die Liste.

Das Geheimnis des Giftopfers

Dokumentar-Oper in Stuttgart : Das Geheimnis des Giftopfers

Sergej Newski hat eine Dokumentar-Oper über Selbstzeugnisse Homosexueller in der frühen Sowjetunion geschrieben, auf der Grundlage von sensationellen Briefen an den Psychiater Wladimir Bechterew. Jetzt wurde das Stück in Stuttgart uraufgeführt.

Topmeldungen

Einsatz in Kirli: Feuerwehrleute versuchen ein Feuer in der türkischen Provinz Antalya unter Kontrolle zu bringen.

Brände in Türkei und Italien : Heftige Feuer im Mittelmeerraum

In der Türkei und in Italien brennen die Wälder. Schuld sind womöglich Brandstifter. Eine seit Anfang der Woche andauernde Hitzewelle in Griechenland geht indes auf ihren Höhepunkt zu – mit Temperaturen von bis zu 45 Grad.
Markus Söder im Landtag, im Vordergrund Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger (Freie Wähler) am Rednerpult

Testpflicht und Impfregime : Söders Sorgen

Die Testpflicht ist das Eingeständnis von Bund und Ländern, dass ihre Strategie nicht aufgegangen ist. Die Impfmüdigkeit ist zu groß. Der Grund: Eigensinn und Politiker wie Hubert Aiwanger.

Aufruhr im Schwimmen : Zurück im Doping-Sumpf

Ryan Murphy wird von Jewgeni Rylow geschlagen. Der Amerikaner spricht im Anschluss von einem Rennen, das „wahrscheinlich nicht sauber“ war – und wird vom Olympischen Komitee Russlands als Verlierer verhöhnt.

Newsletter

Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.