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SZ-Kolumne eingestellt : Geklaute Inspirationen

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Malen nach Zahlen: Die Süddeutsche Zeitung „unterm Strich“ bald ohne die gleichnamige Kolumne. Bild: Picture-Alliance

Münchner Nummernrevue: Die „Süddeutsche Zeitung“ stellt ihre Kolumne „Unterm Strich“ ein, nachdem sich der verantwortliche Redakteur mehr als großzügig von einer Kolumne des „Katapult“-Magazins inspirieren ließ.

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          Inspiriert, kopiert oder schlicht geklaut? Über diese Frage hat sich das populärwissenschaftliche Magazin „Katapult“ mit einem Redakteur der „Süddeutschen Zeitung“ gestritten. Mehrmals hatten Redakteure und Leser des „Katapult“-Magazins festgestellt, dass Inhalte der Rubrik „Trockene Zahlen“, in der zugespitzt soziale oder geographische Phänomene in Zahlen gegenübergestellt werden, von einer ähnlichen Rubrik des Ressorts „Wissen“ der „Süddeutsche Zeitung“ kopiert wurden.

          In einem am Montag veröffentlichten Artikel zu diesem Vorgang begann der „Katapult“-Chefredakteur und Herausgeber Benjamin Fredrich zunächst versöhnlich: „Ich denk, ja gut, kann mal passieren. Ist Zufall oder kopiert – jeder klaut hier und da mal 'ne Idee.“ Doch nach und nach sei die Redaktion auf mehrere solcher Kopien ihrer grafisch aufgearbeiteten Zahlen aufmerksam geworden und habe dies als „systematisch“ erkannt.

          Der verantwortliche SZ-Redakteur Christian Weber habe nach einem Hinweis durch Fredrich demnach in Mails zugegeben, für seine grafische Kolumne „Unterm Strich“ einige Male vom „Katapult“-Magazin „inspiriert“ worden zu sein, nicht aber, kopiert zu haben. Auch habe sich Weber nicht entschuldigt. Fredrich kritisierte die Reaktion des SZ-Redakteurs in seinem Artikel scharf. Weber habe schließlich zunächst angeboten, das Magazin künftig als Quelle anzugeben. Fredrich betonte jedoch, „Katapult“ sei nicht die Quelle der Zahlen, die Arbeit liege in der Aufbereitung und der kreativen Darstellung derselben, Weber könne eine Quelle von einer Idee nicht unterscheiden, schrieb Fredrich. Auch ein Kooperationsangebot zur Versöhnung seitens Webers lehnte er ab. 

          Nur knapp eine Stunde nach der öffentlichen Bekanntmachung des Falls durch den aufgebrachten „Katapult“-Chefredakteur auf Twitter und Facebook antwortete der Leiter des Wissensressorts der SZ, Patrick Illinger, mit einer Stellungnahme. Darin bedauert er das Vorgehen des zuständigen Redakteurs und zieht Konsequenzen: „In insgesamt rund einem halben Dutzend Fällen hat der Kollege einen Zahlenvergleich aus dem Katapult Magazin übernommen“, heißt es, und weiter: „Mit sofortiger Wirkung wird daher die SZ-Kolumne ‚Unterm Strich‘ eingestellt und demnächst durch ein anderes Format ersetzt.“

          In den Facebook-Kommentarspalten wird zwar deutlich, dass dieser Schritt nicht das Ziel des „Katapult“-Magazins war, dennoch zeigte sich die Redaktion mit der Stellungnahme der SZ zufrieden: „Für die ,Katapult´-Redaktion ist die Sache damit erledigt“, heißt es von Seiten des Magazins.

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