https://www.faz.net/-gqz-a5zg2

Verletzte und Festnahmen : Zehntausende Menschen protestieren in Frankreich

  • Aktualisiert am

Dicht an dicht: Auf dem „Place de La République“ in Paris kamen Tausende zusammen. Bild: AFP

In Paris bauten Demonstranten Barrikaden und bewarfen Polizisten mit Steinen. Mehrere wurden verletzt. Die Demos richteten sich gegen Polizeigewalt und das umstrittene Sicherheitsgesetz. Die Organisatoren sprechen von 500.000 Teilnehmern im ganzen Land.

          2 Min.

          In Frankreich sind an diesem Samstag Zehntausende Menschen gegen Polizeigewalt und für die Pressefreiheit auf die Straße gegangen. Die Proteste in der Hauptstadt Paris und in vielen anderen Städten richteten sich gegen ein geplantes Filmverbot bei bestimmten Polizeieinsätzen. Angefacht wurden sie von neuen Fällen von Polizeigewalt, die in dieser Woche durch Videoaufnahmen bekannt geworden waren und landesweit für Entsetzen gesorgt hatten.

          Im ganzen Land demonstrierten am Samstag nach Angaben des französischen Innenministeriums insgesamt 133.000 Menschen. Allein in Paris nahmen demnach rund 46.000 Menschen an einem Protestzug vom Platz der Republik zum Platz der Bastille im Stadtzentrum teil. Nach Angaben der Organisatoren waren es landesweit sogar 500.000 Menschen. Alleine in Paris seien 200.000 Demonstranten auf die Straße gegangen, erklärten ein Bündnis von Journalistengewerkschaften und Menschenrechtsorganisationen, das zu dem „Marsch der Freiheiten“ aufgerufen hatte.

          In Paris errichteten einige Gruppen von Demonstranten am Samstag Barrikaden und bewarfen die Polizei mit Steinen und Feuerwerkskörpern. Zwei Autos, ein Motorrad und Baumaterialien gingen in Flammen auf. Die Polizei setzte Blendgranaten und Tränengas ein. Am Bastille-Platz steckten Demonstranten einen Zeitungskiosk, den Eingang eines Gebäudes der französischen Zentralbank und eine benachbarte Brasserie in Brand. In der Umgebung brannten auch mehrere Autos. Die Pariser Polizei teilte mit, dass 46 Personen festgenommen wurden. Überwiegend blieben die Proteste in der Hauptstadt aber ruhig.

          Laut Frankreichs Innenminister Gérald Darmanin wurden in ganz Frankreich insgesamt 37 Polizisten und Gendarmen bei den Protesten verletzt, 23 von ihnen in Paris. Er verurteilte die Gewalt via Twitter als „inakzeptabel“.

          Das Organisationsbündnis distanzierte sich von gewaltbereiten Teilnehmern der Proteste und verurteilte die Angriffe auf Polizisten. Es sei nicht hinnehmbar, dass „eine Handvoll Personen“ die friedlichen Kundgebungen Hunderttausender Demonstranten störe.

          Schon am Vormittag gingen bis zu 1500 Menschen im nordfranzösischen Lille gegen das geplante Gesetz auf die Straße. An Protesten in Rennes und Montpellier beteiligten sich nach Angaben der Veranstalter jeweils bis zu 5000 Menschen. In Rennes kam es vereinzelt zu Ausschreitungen, die Polizei setzte Tränengas ein. Weitere Demonstrationen wurden unter anderem in Bordeaux, Lyon, Straßburg, Marseille und Grenoble erwartet.

          Die Regierung von Präsident Emmanuel Macron will mit dem Gesetz für „umfassende Sicherheit“ die Verbreitung von Foto- oder Filmaufnahmen unter Strafe stellen, durch die einzelne Polizisten in die Kritik geraten könnten. Journalistenverbände befürchten eine massive Einschränkung der Pressefreiheit. Mit dem geplanten Gesetz will die Regierung der Polizei auch die Überwachung von Demonstranten mit Drohnen ermöglichen. Das Unterhaus des Parlaments hat die Vorlage bereits in erster Lesung gebilligt.

          Bereits am vergangenen Wochenende waren ungeachtet der Corona-Ausgangsbeschränkungen rund 22.000 Menschen in Frankreich gegen das Film-Verbot auf die Straße gegangen. Seitdem ist die Kritik an dem geplanten Gesetz noch schärfer geworden. Auslöser waren Aufnahmen von zwei brutalen Polizeieinsätzen, die bis an die Staatsspitze für Entsetzen sorgten.

          Präsident Macron zeigt sich am Freitag „schockiert“ über Videoaufnahmen von Polizisten, die einen schwarzen Musikproduzenten in seinem Pariser Studio zusammenschlugen und rassistisch beleidigten. Er sprach von einer „inakzeptablen Aggression“ und nannte die Bilder „beschämend“. Zuvor hatte es bereits massive Kritik an der Polizei wegen der gewaltsamen Räumung eines Flüchtlingslagers in Paris gegeben.

          Jede Menge Zündstoff: Die Proteste in ganz Frankreich nahmen teilweise heftige Ausmaße an. Bilderstrecke
          Proteste in Frankreich : Mit brennenden Autos für die Pressefreiheit

          Weitere Themen

          Drei deutsche Kurstädte ausgezeichnet Video-Seite öffnen

          Unesco-Welterbe : Drei deutsche Kurstädte ausgezeichnet

          Die deutschen Kurstädte Baden-Baden, Bad Ems und Bad Kissingen sind in die Liste des Unesco-Welterbes aufgenommen worden – neben Kurstädten in weiteren Ländern Europas. Auch die Künstlerkolonie Mathildenhöhe in Darmstadt schaffte es neu auf die Liste.

          Topmeldungen

          Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU)

          Gesundheitsminister-Bericht : Spahn plant Maskenpflicht bis 2022

          Mindestens bis zum Frühling will die Bundesregierung die Maskenpflicht aufrechterhalten. Gratistests sollen im Herbst entfallen und für Ungeimpfte könnten „erneut weitergehende Einschränkungen notwendig werden“.

          Druck auf Sportler : Die Stärke der Verletzlichen

          Der Druck, der auf den Stars dieser Spiele lastet, ist so sichtbar wie nie zuvor. Athletinnen und Athleten zeigen: Auch wer verletzlich ist, kann erfolgreich sein. Das könnte der Anfang eines Kulturwandels sein.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.