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TV-Serie „Sharp Objects“ : Und willst du nicht meine Schwester sein

Und doch ist alles anders. Mystisches interessiert den somnambulen Psychothriller „Sharp Objects“ nicht, und statt ein mutmaßliches Verbrechensopfer zu fetischisieren, richtet die Verfilmung des gleichnamigen Debütromans der „Gone Girl“-Autorin Gillian Flynn – kurz eingeblendete Schockbilder aus der Gerichtsmedizin – ihre Aufmerksamkeit auf die Hauptfigur. Camille ist das wahre Enigma der Serie, mit der Regisseur Jean-Marc Vallée zum zweiten Mal nach „Big Little Lies“ für den Abokanal HBO einen fiktiven Kriminalfall aus konsequent weiblicher Perspektive inszeniert. Das bedeutet: Mit Amy Adams steht und fällt jede Szene. Und man muss sagen: Sie steht und steht und steht und demonstriert immer aufs Neue, wie das geht, einen Charakter zu verkörpern, mit all seinen auch physischen Makeln und in seiner Schönheit, ohne ihn zu erklären.

Zwei Mitspielerinnen auf Augenhöhe helfen ihr dabei: Patricia Clarkson in der Rolle von Camilles Mutter Adora gibt die eiskalte Hexe und Mater Dolorosa in diesem finsteren Märchen; die neunzehnjährige Eliza Scanlen – definitiv die größte Entdeckung von „Sharp Objects“ – ist die jüngere Schwester. Die Dreizehnjährige Amma hat den Gegensatz, den das ältere Schwesternpaar darstellte – tomboy Camille und die puppenhafte Marian – internalisiert. In der elterlichen Vom-Winde-verweht-Villa, die es noch einmal als Puppenhaus gibt, spielt sie die Liebliche mit Schleifchen im Haar, die sich von Mama umsorgen lässt. Draußen gehört sie zu den erbarmungslosen Rollschuhgören, die im Internet den Sonderling am Ort, einen stillen jungen Mann, als Mörder diffamieren. Ein charismatischer Detective (Chris Messina) aus Kansas City, der sich zu der Reporterin hingezogen fühlt, und die verwelkte Schönheit Jackie (Elizabeth Perkins) vervollständigen das Bild.

Oder eher eines der Bilder. Denn „Sharp Objects“ ist zerschnitten von sich immer wieder ins Geschehen einblendenden Flashbacks, aus denen sich Camilles Geschichte zusammensetzt. Wären da nicht ein Obama-Poster und ein paar Smartphones, sie wäre völlig zeitlos: Eine Geschichte von pervertierter Mütterlichkeit, toleriertem und in Historienspielen gefeiertem Missbrauch, scheiternder Frauensolidarität und unter alten Wunden schwärenden Geheimnissen, die zutage treten müssen, soll das Morden enden.

Der Plot ist voller Klischees – der Stift als Waffe, der Körper als Medium sind noch die raffiniertesten –, und entwickelt sich so langsam, als solle das wattige Gefühl im Kopf nach dem x-ten Wodka evoziert werden. Es braucht drei Stunden, bis sich die Details zu einem Gewebe fügen, an dessen atmosphärischer Dichte die Bildgestaltung von Yves Bélanger entscheidenden Anteil hat. Wann immer jemand Musik einschaltet – wichtigstes Realitätsfluchtmittel der Serie – ertönt überdies ein Titel aus dem großen amerikanischen Songbook von Sinatra bis Led Zeppelin. Für den Suspense aber sorgen Worte. Eines ihrer Mädchen sei gefährlich, eines in Gefahr, sagt der Dorfpolizist zu Adora. Falsch. Für jede Frau in „Sharp Objects“ gilt beides.

Sharp Objects läuft auf Sky Ticket und wird vom 30. August an auf Sky Atlantic ausgestrahlt.

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