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„Game of Thrones“-Erpressung : Für HBO geht es ums Ganze

Wie geht es mit ihnen weiter bei „Game of Thrones“? Die Erpresser von HBO behaupten, sie hätten künftige Folgen gleich mehrere Serien des Senders erbeutet. Bild: AP

Die Erpresser von HBO tun so, als hätten sie alle Daten erbeutet. In einem Video inszenieren sie sich voller Überheblichkeit und drohen, neue Interna zu publizieren. Was kann der Sender tun?

          Die beste Werbung für die Computersicherheitsbranche sind aufsehenerregende Hackerangriffe: Am 31. Juli bestätigte der amerikanische Sender Home Box Office (HBO), dass er zum Opfer einer Cyberattacke geworden ist. Eine Woche später haben die Hacker eine Lösegeldforderung von mehreren Millionen Dollar gestellt. Die Erpressergruppe, die sich „Mr. Smith“ nennt, wendete sich per Videobotschaft an den HBO-Geschäftsführer Richard Plepler. In dem Video, welches das Internetportal „Mashable“ veröffentlichte, läuft ein weißer Fließtext zur Musik des Finales der sechsten „Game-Of-Thrones“-Staffel „Light of the Seven“ (düstere Orgelmusik samt Kinderchor) über grauen Hintergrund: In einer „komplizierten Cyber-Operation“ habe man binnen sechs Monaten „höchst wertvolle Informationen erbeutet (1.5 Terabyte)“.

          Axel Weidemann

          Redakteur im Feuilleton.

          1,5 Terabyte – das entspricht etwa der Datenmenge von 319 beschriebenen DVDs. Die Erpresser geben an, sie hätten „vertrauliche Dokumente“ erbeutet mit Informationen über Verträge, personelle Ressourcen, Geschäfts- und Marketingstrategien, IT-Infrastrukturen, Film- und Serienproduktionen, internen Briefen und Beweisen für Steuerflucht. Zudem habe man Material zur Serie „Game of Thrones“ erbeutet, das „nicht nur das Schicksal der siebten Staffel besiegeln wird, sondern auch jede Idee und Bemühungen für die achte Staffel verderben wird“. Die Veröffentlichung, so drohen die Erpresser, werde für HBO zum „größten Albtraum werden; Konkurrenten werden alles über ihre derzeitigen und künftigen Strategien wissen.“ Man verfolge, so „Mr. Smith“ weder „politische noch finanzielle“ Ziele. Es sei wie ein Spiel: „Wir haben Spaß daran, Daten zu sammeln.“

          Opfer der Erpressung: HBO-Chef Richard Plepler.

          Sollte der Sender nicht binnen drei Tagen zahlen, will „Mr. Smith“ weitere vertrauliche Daten des Unternehmens veröffentlichen. Die Cyberkriminellen hatten einen Teil ihrer Datenbeute schon als sogenannten „Dump“ auf einer Website namens „WinterLeak“ veröffentlicht. Darunter sollen sich noch unveröffentlichte Episoden aktueller HBO-Serien befinden, insbesondere solche der Serie „Game of Thrones“, Teile des Drehbuchs und vier Ordner mit Dokumenten, von denen drei den Namen tragen „HBO Is Falling“.

          Unklar ist, wie viel die Hacker wirklich erbeutet haben. So soll eine veröffentlichte Textdatei namens „Viviane Passwords“ die „Login-Daten“ für zahlreiche Online-Zugänge der stellvertretenden Chefin der Rechtsabteilung von HBO, Viviane Eisenberg, enthalten. Der Sender teilte indes mit, man glaube nicht, dass das Mail-System als Ganzes infiziert worden sei – so wie es im Jahr 2014 bei Sony passiert war.

          Wie der „Hollywood Reporter“ berichtet, sollen auch die E-Mails der Führungskräfte in die Hände der Erpresser gelangt sein. Als Beweis habe die Redaktion eine E-Mail erhalten, die neun Dateien beinhaltete, die mit „vertraulich“ und „Script GOT7“ gekennzeichnet gewesen seien. Der „Hollywood Reporter“ will die Dateien, die unter anderem Marketing-Kalkulationstabellen zur Serie „Game of Thrones“ enthalten, nicht veröffentlichen. Unklar sei auch, ob die Hacker ihr Material noch an andere Zeitungen geschickt haben.

          Die Hacker von „Mr. Smith“ inszenieren sich unterdessen in ihrem Video als sogenannte „White Hats“ (Weiß-Hüte). Diese handeln – im Gegensatz zu kriminellen Hackern, genannt „Black Hats“ (Schwarz-Hüte) – innerhalb der Grenzen eines gewissen Hacker-Kodex und infiltrieren Systeme lediglich zu Testzwecken. Man wolle nur einen kleinen Teil von HBO’s Einkünften. „Gierige“ Geschäftsführer und das FBI, so schreiben die Hacker in aller Überheblichkeit, sollten HBO nicht davon abhalten, ihre Forderungen zu erfüllen und zu zahlen. Nur „Idioten“ hätten noch nicht verstanden, dass eine „neue Ära des Cyberspace“ angebrochen sei.

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