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„Game of Thrones“-Fans in Rage : Ach, GoT-chen

Hat sie noch alle Drachen im Schrank? Oder ist es vielleicht auch in Ordnung, falls nicht? Daenerys (Emilia Clarke) bringt auf dem Rücken ihres geschuppten Begleiters Verwüstung über Königsmund. Bild: AP

Da wird nicht nur der Hund in der Pfanne verrückt: Mehr als 400.000 Fans der Serie „Game of Thrones“ fordern per Petition eine neue finale Staffel, die „Sinn ergibt“. Mit welchem Recht eigentlich?

          Die Wiedergänger sind besiegt. Königsmund (King’s Landing) liegt in Schutt und Asche – und Cersei Lannister und all jene, die der Herrschaft von Daenerys Targaryen auf dem eisernen Thron entgegenstanden, sind darunter begraben. Hat das Spiel um den Thron sein Ende gefunden?

          Weit gefehlt: Es hat sich neuer Widerstand formiert. Eine Armee, die selbst die Streitkräfte von Daenerys, Cersei und dem Nachtkönig zusammengenommen an Größe übertrifft, rottet sich zusammen. Mehr als 400.000 sind es schon, jede Sekunde werden es mehr. Ihr Anführer nennt sich „Dylan D.“. Auf der Internetseite change.org hat er eine Petition aufgesetzt, die ein „Remake der 8. Staffel von ,Game of Thrones‘ mit kompetenten Autoren“ fordert: „David Benioff und D. B. Weiss haben sich als entsetzlich inkompetente Autoren erwiesen, solange ihnen kein Quellenmaterial vorliegt.“ Die Serie verdiene ein Ende, „das Sinn ergibt“. Der Sender HBO möge es anpacken.

          Doch eigentlich sind die Fans vor allem sauer, weil man ihren Erwartungen nicht entspricht. Starke Charaktere wie Daenerys, heißt es in den Foren, könne man nicht über acht Jahre psychisch aufbauen, um sie am Ende durchdrehen zu lassen. Das wirft mehrere Fragen auf. Erstens: Gibt es nichts Wichtigeres? Antwort: Doch, nur für diese Leute eben nicht, weil es ihnen sehr respektive zu gut geht.

          Zweitens: Ist das ein neues Phänomen, dass Konsumenten Erzählkunstwerke verändern wollen? Antwort: Nein. Nehmen Sie Arthur Conan Doyle. Der musste Sherlock Holmes auch auf Druck der Leser wiederauferstehen lassen, nachdem der längst gefallen war. Drittens: Muss ein Kunstwerk „Sinn ergeben“? Antwort: Zweiundvierzig. Viertens: Wem gehören die Figuren? Antwort: Schwer zu sagen. Zumindest die der Serie gehören zu unterschiedlichen Teilen dem Autor George R. R. Martin, den Schauspielern, aber auch den Serienmachern Benioff und Weiss.

          Und die Fans? Die haben, wenn sie alle Staffeln gesehen haben, mehr als siebzig Stunden mit der Serie und ihren Figuren verbracht, mit ihnen gelitten und gehofft. Sie gehören ihnen deshalb trotzdem nicht. Sie können aber gern ihre eigenen Figuren erschaffen. So wie es Martin nun macht. Er schreibt, wie ein Kollege in der „Zeit“ treffend bemerkte, wenn man so will, die Fan-Fiction zu „GoT“. Dass es die Serie aber überhaupt zu solch einem Aufstand gebracht hat, spricht letztlich doch für die Kraft ihrer Erzählung – und all ihre Autoren.

          Axel Weidemann

          Redakteur im Feuilleton.

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