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Gabriel-Slomka-Interview : Er bleibt cool

Gefangen in einer Zeitschleife: Zwar war Marietta Slomka dieses Mal an dem Interview nicht beteiligt, trotzdem stellten die ZDF-Journalisten die selben Fragen. Bild: dpa

Die zweite Fragerunde des ZDF mit Sigmar Gabriel endet ohne Aufreger. In einer Lehrstunde für journalistisches Nebelkerzenzünden zeigen die ZDF-Reporter, wie man es nicht macht.

          Das Land ist in Aufruhr. Schließlich ist vorige Woche etwas Unerhörtes passiert: Die ZDF-Moderatorin Marietta Slomka fragte den SPD-Vorsitzenden Sigmar Gabriel im „heute journal“, ob der Mitgliederentscheid der SPD zum Koalitionsvertrag verfassungswidrig sei, und Gabriel antwortete: Nein, der Mitgliederentscheid der SPD zum Koalitionsvertrag ist nicht verfassungswidrig. Zwar war relativ schnell geklärt, wer hier recht hatte, nämlich Gabriel. Denn die Befragung der Basis schreibt den Bundestagsabgeordneten gar nichts vor, nur dem Parteivorstand. Das freie Mandat ist also nicht gefährdet. Und so war das, was man als Zuschauer aus diesem Interview mitnehmen konnte, vor allem der strenge Blick eines bärtigen SPD-Mitglieds im Hintergrund und eine politische Sprache, die ihrer bürokratischen Floskeln weitgehend entkleidet war.

          Morten Freidel

          Redakteur in der Politik.

          Beim ZDF allerdings sieht man das anscheinend immer noch anders. Wie sonst ist es zu erklären, dass der Chefredakteur Peter Frey und die Chefin des Hauptstadtstudios Bettina Schausten den SPD-Vorsitzenden in der Sendung „Was nun, Herr Gabriel?“ genau dasselbe fragten wie zuvor Marietta Slomka? Ob also durch die Mitgliederbefragung zum Koalitionsvertrag nicht die Gefahr eines „imperativen Mandats“ entstehe? Gabriel antwortete ebenfalls dasselbe, dieses Mal nur wesentlich cooler. Sie habe den Eindruck, dass die Nerven blank gelegen hätten beim Interview mit Frau Slomka, sagte Schausten. Gabriels Antwort: „Ich bin jetzt gar nicht so sicher bei wem von uns beiden.“ Man wolle hier ja kein Interview aufarbeiten, erklärte Peter Frey noch kurioserweise, und tat dann eben das. Den Nebelkerzenrauch der vorigen Woche versuchte Frey also dadurch zu verscheuchen, dass er eine weitere Nebelkerze abfackelte, getreu dem journalistisch bestens erprobten Motto: Je länger man auf einem Standpunkt beharrt, desto wahrer wird er.

          Eine Blase voller Nichtnachrichten

          Immerhin kam man später doch noch zu den wichtigen Fragen. Zum Beispiel der, wie eigentlich die Rücknahme der Rente mit 67 und der Mindestlohn finanziert werden sollen. Jedenfalls nicht durch Steuererhöhungen in dieser Legislaturperiode, betonte Gabriel.

          Längst hat sich der SPD-Parteivorsitzende vom rhetorischen Wadenbeißer-Image befreit – auch wenn einige diese Entwicklung verschlafen haben. Seine Beteuerungen, dass man auch deshalb noch nicht über die Ministerposten entschieden habe, weil man erst einmal über inhaltliche Fragen habe debattieren wollen, wirkten jedenfalls glaubwürdig. Welche Partei welches Ressort bekomme, das stehe zwar schon fest. Aber er wisse nicht einmal selbst genau, welchen Ministerposten er am Ende erhalte.

          Und ob er später mal Kanzler werden wolle? „Steht jetzt nicht zur Debatte,“ sagte Gabriel. Jetzt nicht. Und was, wenn es später zur Debatte steht? Wäre das etwas Besonderes? Besonders wäre eher, wenn der Parteivorsitzende der SPD ausgeschlossen hätte, irgendwann einmal Kanzler werden zu wollen. So wurden lauter Nichtnachrichten produziert, die sich aber bestimmt bestens eignen, um sie bei Twitter und im Internet zum weltumspannenden Ereignis aufzubauschen. Zum Beispiel, dass die SPD ja die Agenda 2010 in einigen Punkten zurücknehmen lassen wolle, was fast wie eine Sensation klang. „Nichts Neues“, sagte Gabriel nur. So wie Gabriel seine Lust an der inhaltlichen Debatte verbreitete, hätte der Titel der Veranstaltung anders lauten müssen: „Was nun, CDU?“

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