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Gabor Steingarts Weisheiten : Morgennebel

Er weiß Bescheid: Gabor Steingart. Bild: dpa

Gabor Steingart wollte einmal Chefredakteur des „Spiegels“ werden. Schon damals wusste er mehr als andere. Oder tat zumindest so. Das hat sich bis heute nicht geändert.

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          Journalisten, wenn sie in die erste Reihe öffentlicher Wahrnehmung vorstoßen wollen, darf es an Selbstbewusstsein nicht mangeln. Wir kennen sie alle, die Welterklärer des Typs Claus-Detlev Walter Kleber. Sie treten auf wie Oberlehrer, denn sie wissen, wie die Dinge sind.

          Ganz vorne in dieser Riege steht Gabor Steingart. Einstmals beim „Spiegel“, dann Chefredakteur des „Handelsblatts“ und jetzt dabei, mit seinem vom Springer-Verlag als Großinvestor mitfinanzierten Unternehmen „Media Pioneer“ den Journalismus in Deutschland neu zu erfinden.

          Noch hat Steingart die Medienwelt nicht richtig aufgemischt, zahlende Kunden sollen später kommen. Immerhin: Sein täglicher Blog „Morning Briefing“ gibt einen Vorgeschmack. Unter dem Motto „100% Journalismus, keine Märchen“ bietet uns Steingart seinen persönlichen Meinungskosmos als Welterklärung an.

          Und wehe, seine Prophezeiung erweist sich gegen den Trend am Ende mal als richtig. Von Annegret Kramp-Karrenbauer als CDU-Vorsitzender war Steingart nie begeistert – und stand damit nicht allein. Zu provinziell erschien sie ihm, dem Weltbürger, der es schon immer besser wusste.

          Was also liegt näher, als dem Scheitern der saarländischen Politikerin gleich noch – Zitat aus dem „Morning Briefing“ –, „eine medienpolitische Komponente“ zu geben? Wie sieht die aus?

          Tatsächlich haben bei der Wahl der CDU-Chefin vor vierzehn Monaten nicht alle Medien gleich den Stab über sie gebrochen. So schrieb diese Zeitung damals über die „neue Dirigentin“ der CDU, die „Süddeutsche Zeitung“ stellte fest, die CDU habe sich mit AKK für die sichere Variante entschieden. War das – wie Steingart meint – Schwärmerei? Schönschreiberei? Unseriös?

          Davon scheint der Morgenmeinungsmacher auszugehen. Er ruft jedenfalls zum Boykott auf. „Wenn Sie Geld sparen und zugleich Ihren CO2-Footprint reduzieren wollten, wäre das nun Ihre Chance: Kündigen Sie einfach die Abonnements all jener Zeitungen und Magazine, die Ihnen 2016 die Wahlniederlage von Donald Trump vorhersagten, Ihnen 2017 Martin Schulz als Retter der Sozialdemokratie ans Herz legten und anschließend Kramp-Karrenbauer als neue Kanzlerin vorstellten.“ So werde der persönliche „Medienkonsum klimaneutral“.

          Vor allem den „Spiegel“ nimmt sich Steingart vor, ein Blatt, in dem er einst selbst erfolglos nach Höherem strebte. Die „Bild“-Zeitung bekommt ihr Fett für die Wortschöpfung „Kramp-Karren-Power“ weg.

          Sich selbst hat Steingart bei seiner Suada leider vergessen. Bei Twitter fanden sich am Dienstag schnell Zitate aus einem „Morning Briefing“ nach einer Debatte Trumps mit Hillary Clinton: „Trump war ein Kandidat mit zunächst hohem Energiegehalt, dem wir heute Nacht bei der Verpuffung zuschauen konnten“.

          So ganz verpufft, wie der Morgenmeinungsmacher damals dachte, ist der amerikanische Präsident noch nicht. Für sein ehrgeiziges Projekt braucht Steingart neben großzügigen Investoren zahlende Kunden. Und er wird sie bald brauchen. Da mag es zwecks Kundenfang naheliegen, sich als unfehlbar auszugeben und über die anderen zu erheben. Mit „hundert Prozent Journalismus“ hat das freilich nichts zu tun, es ist billige Eigen-PR. Wie wäre es wenigstens mit einem Prozent Demut? Als Journalist müsste Lautsprecher Steingart eigentlich um das stets Vorläufige des Metiers und die Halbwertszeit von Prognosen wissen.

          Carsten Germis

          Wirtschaftskorrespondent in Hamburg.

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