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Fußballabend im ZDF : „Nein, nein, um Gottes willen“

Katrin Müller-Hohenstein, Joachim Löw und Oliver Kahn auf Stichwortsuche Bild: ZDF

Die deutsche Nationalelf blamiert sich gegen Paraguay. Und auch der ZDF-Experte Oliver Kahn zeigt sich wenig abwehrbereit. Kaum kommt der Bundestrainer, gibt er mit Kritik klein bei und fragt sich, ob er Ronaldos Frisur braucht.

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          Es lohnt sich schon, die Spiele der deutschen Fußball-Nationalmannschaft zu schauen, auch die scheinbar bedeutungslosen Testspiele. Denn der Bundestrainer Joachim Löw probiert immer etwas Neues aus. Am Mittwoch zum Beispiel hat er eine Halbzeit lang ohne Abwehr spielen lassen. Die Frage war, ob Manuel Neuer auch ganz allein Tore verhindern kann, wenn die gegnerischen Stürmer unbedrängt bis zum Fünfmeterraum vordringen dürfen. Nach dem Spiel gegen Paraguay wissen wir: Er kann es nicht.

          Michael Hanfeld
          (miha.), Feuilleton

          Interessant sind die Spiele bei ARD und ZDF selbstverständlich auch mit Blick auf die Reporter und das Zusammenspiel der Moderatoren. Und da war es am Mittwoch im ZDF auch wie sonst. Béla Réthy ist und bleibt Béla Réthy, der Mann, der einzelne Spieler nicht voneinander unterscheiden kann. Was bei einer eher miserablen Gesamtleistung wie gegen Paraguay für jeden, der da aufläuft und einen Fehler nach dem anderen macht, von Vorteil ist. Sei es der umherirrende Mats Hummels, der auf Sparflamme laufende Per Mertesacker, der indisponierte Sami Khedira oder der schon bei der Nationalhymne schwächelnde Mesut Özil.

          Ankumpeln und Herumflachsen

          Katrin Müller-Hohenstein und Oliver Kahn wiederum hielten sich an das im deutschen Fußballfernsehen geltende Gesetz des Ankumpelns und Herumflachsens. Da muss man schon die Luft anhalten, wenn es plötzlich darum geht, ob sich Oliver Kahn dieselbe Frisur wie Ronaldo zulegen soll. (Lieber nicht.) Katrin Müller-Hohenstein, die sich zwischenzeitlich zumindest für dieselbe Haarfarbe wie der ehemalige Nationaltorwart entschieden hat, wollte sich da eher nicht festlegen.

          Apropos festlegen: Der Bundestrainer legte sich im Gespräch mit den beiden fest. Wollte Oliver Kahn das Spiel, bei aller Kritik, „nicht ganz zu hoch hängen“, hatte Löw „elementare Fehler“, „krasse Fehler“ gesehen. Kein Widerspruch, nirgends. Auch nicht von Kahn, stattdessen die sehr zutreffende, aber sprachlich putzige Beschreibung, dass die deutsche Elf massive Probleme habe, wenn sie gegen Mannschaften spielt, „die so extrem hoch pressen“. Es folgte ein mutmaßender Exkurs über mögliche atmosphärische Schwierigkeiten, die sich aus der Tatsache ergeben, dass in der Nationalelf Spieler aus Dortmund und vom FC Bayern en block aufeinandertreffen.

          Kahn spielt ohne Abwehr

          Nicht ganz ungefährlich sei das, meinte Kahn und verwies auf „kleine psychologische Aspekte innerhalb einer Mannschaft, die man nicht unterschätzen darf“. Katrin Müller-Hohenstein wollte es nicht ganz in den Sinn, der Bundestrainer hörte sich das zwei Minuten lang an und ließ dann auf die Frage, ob das in seiner Mannschaft „überhaupt ein Thema“ sei, die Luft raus: „Nein.“ Woraufhin Kahn, dem so eine Art Urloyalität zum Deutschen Fußball-Bund eigen zu sein scheint, gleich zurückruderte: „Nein, nein, um Gottes willen, das war nur...“ Darauf Löw: „Ja, ja, klar.“ Sache erledigt.

          Oliver Kahn pflegt den Disput, der seine Aufgabe als Experte ist, leider meist nur mit Katrin Müller-Hohenstein. Kommt der Bundestrainer, zügelt Kahn seine Angriffslust. Dann spielt auch er ohne Abwehr. Das müsste und sollte er aber nicht, schließlich ist er nicht der Pressesprecher des Deutschen Fußball-Bunds. Irgendwer sollte sich an so einem ernüchternden Fußballabend die Trapattoni-Rolle des „Was-erlauben-Strunz-Flasche-leer“ erlauben. Wenigstens ansatzweise.

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