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Nur noch digital? : Thüringen will nicht auf gedruckte Zeitungen verzichten

  • Aktualisiert am

Zukunftsmusik: Funke prüft einen Umstieg auf ausschließlich digitale Zeitungen. Bild: dpa

Große Empörung haben die Pläne der Funke Mediengruppe in Thüringen ausgelöst, für Leser im ländlichen Raum keine gedruckten Zeitungen mehr anzubieten zu wollen. Nun relativiert der Konzern seine Ankündigung.

          Überlegungen der Essener Funke Mediengruppe, ländliche Gebiete Thüringens in Zukunft nicht mehr mit gedruckten Zeitungen zu beliefern, haben im Freistaat zum Teil heftige Reaktionen ausgelöst. Über Parteigrenzen hinweg wurde am Freitag gefordert, vor allem mit Rücksicht auf die ältere Leserschaft die drei Titel „Thüringer Allgemeine“, „Ostthüringer Zeitung“ und „Thüringische Landeszeitung“ nicht nur digital zu verbreiten. In einem offenen Brief an die Geschäftsführung des Konzerns, der am Nachmittag in Erfurt veröffentlicht wurde, schrieb Vize-Ministerpräsidentin Anja Siegesmund (Grüne): „lch wünsche mir ein klares Bekenntnis zur gedruckten Zeitung.“

          Siegesmund bezog sich auf eine offizielle Pressemitteilung der Funke Mediengruppe vom Donnerstag. Darin hatte es geheißen: „Für die Thüringer Titel werden Szenarien erarbeitet, wie eine Versorgung der Leserinnen und Leser in ländlichen Gebieten mit digitalen Angeboten gewährleistet werden kann.“

          Zum Aufreger wurde diese Aussage durch den MDR Thüringen, der noch Donnerstagabend auf die Erklärung aus Essen einging und berichtete: „Die Funke Medien-Gruppe plant einen Umstieg auf ausschließlich digitale Zeitungen.“ Verlagssprecher Tobias Korenke wurde vom MDR mit den Worten zitiert, für eine bestimmte Zeit würden Print- und Digital-Ausgaben noch nebeneinander angeboten. Vor allem in ländlichen Gebieten mit einer schlechten Internetanbindung werde das partiell nötig sein. Der Verlag machte laut MDR aber auch klar: „Dieses Parallelangebot von Print und Digital wird es nicht für mehrere Jahre geben.“

          „Wir haben ein Riesenzustellungsproblem“

          Am Freitagmorgen folgte eine Klarstellung der Essener Verlagsgruppe: „Thüringer Allgemeine“, „Ostthüringer Zeitung“ und „Thüringische Landeszeitung“ sollten weiter in gedruckter Form erscheinen, heißt es. Die MDR-Meldung über einen „radikalen Umbruch ausschließlich auf Digital-Angebote und eine Einstellung der Print-Titel“ sei nicht korrekt, teilte die Mediengruppe über den Kurznachrichtendienst Twitter mit.

          Richtig ist demnach, dass Funke einen Umstieg auf ausschließlich digitale Zeitungen prüft, wie Sprecher Korenke dem Evangelischen Pressedienst (epd) in Erfurt bestätigte. Wie lange diese Prüfung andauern werde, sei noch offen. „Wir haben ein Riesenzustellungsproblem“, räumte Korenke ein.

          Ob Planung oder Prüfung - eine Zukunft der drei Blätter ohne Druckausgabe gibt thüringenweit Anlass zur Sorge. Ein solcher Schritt drohe den ländlichen Raum von politischer Information und demokratischer Teilhabe abzukoppeln, erklärte der medienpolitische Sprecher der CDU-Landtagsfraktion, Gerold Wucherpfennig. Sein Kollege von der SPD, Werner Pidde, meinte: „Wir können von der älteren Bevölkerung nicht erwarten, dass sie ihre Tageszeitung in digitaler Form liest. Thüringen droht damit zu einem blinden Fleck in der Medienlandschaft zu werden.“

          Gerade im ländlichen Raum gilt die Verteilung der Zeitungen als teuer, vielerorts ist es zudem schwer, überhaupt noch Zusteller zu finden. „Diese höheren Kosten fressen fast unser gesamtes Ergebnis in Thüringen auf“, zitiert der MDR Funke-Sprecher Korenke. Zudem gehen - wie fast überall - auch hierzulande die Vertriebserlöse aus dem Zeitungsverkauf stetig zurück. Die drei Thüringer Titel kamen im dritten Quartal 2018 nach den Angaben der Informationsgemeinschaft zur Feststellung der Verbreitung von Werbeträgern (IVW) auf eine Gesamtauflage von etwa 224.000 Exemplaren. Das waren 9.600 (4,1 Prozent) weniger als im Vergleichszeitraum des Vorjahres.

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