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Fundstücke des Fernsehens (7) : Der große Afri-Cola-Rausch

  • -Aktualisiert am

Die sinnlich dreinblickenden, Afri schlürfenden Nonnen provozierten den Protest der katholischen Kirche Bild: Charles Wilp / INTER'S

Sinnlich dreinblickende Nonnen, androgyne Frauen mit geschorenen Schädeln und mit Afri-Cola gefüllte Bluttransfusionen: 1968 bewegte und verstörte ein Kampagne die Gesellschaft gleichermaßen. Eine Revolution in der Werbe-Branche.

          Fotos und Dokumente, rare Objekte und wundersame Trouvaillen aus dem Fernsehmuseum in Berlin stellen wir in den Wochen dieses Sommers vor. Dazu natürlich auch die Menschen, zu denen die Gegenstände gehören. Folge 7

          Selten gelingt es, die aktuellen modischen, künstlerischen, politischen Strömungen in einer einzigen Werbekampagne zu vereinen. 1968 war das der Fall, und es wirkt bis heute nach. Dabei war das in Köln hergestellte Erfrischungsgetränk Afri-Cola zuvor ganz konventionell beworben worden. In einem schwarzweißen Filmchen aus dem Jahr 1966 trällert eine adrette Sängerin vor einer kleinen Combo und mannsgroßen gemalten Afri-Flaschen die Worte „Afri-Cola macht dich munter, Afri-Cola macht dich frisch“.

          Im Jahr darauf kam Charles Wilp ins Spiel, ein Düsseldorfer Fotograf und Grenzgänger zwischen Kunst und Werbung, ein Anhänger der Raumfahrt mit buchstäblich hochfliegenden Ideen. Der charmante Fantast war dem Afri-Hersteller Karl Flach empfohlen worden. Eine Begegnung mit Folgen: Trotz des Altersunterschiedes von 27 Jahren harmonierten die beiden bestens und überraschten mit einer Werbekampagne sondergleichen. Unter dem Slogan „Sexy-mini-super-flower-pop-op-cola - alles ist in Afri-Cola“ bündelte Wilp, was die Gesellschaft Ende der Sechziger bewegte und verstörte.

          Die zu Röhrchen umfunktionierten Schläuche erinnerten an Bluttransfusionen

          Super-Cola. Flower-Cola. Afri-Cola.

          Wiederkehrendes Merkmal der Fernsehspots und Anzeigenmotive war die eisig beschlagene Scheibe. Dahinter tummelten sich schillernde Gestalten: ein amerikanischer Soldat mit Friedenstaube, Anzugträger, Rocker, aufreizend gekleidete Stewardessen, ein Dandy, ein Jet-Set-Pärchen, androgyne Frauen mit geschorenen Schädeln. Angeregt durch die erste Herztransplantation, pumpte Wilp Afri-Cola durch lange Schläuche am Körper verschiedener Mannequins und ließ an eine Bluttransfusion denken. Erwartbar umstritten waren drei sinnlich dreinblickende, Afri schlürfende Nonnen, die prompt Protest der katholischen Kirche provozierten.

          Den subkulturell konnotierten Bildern entsprachen Texte von seltsamer Semantik: „Die Erde ist ein Paradies mit Afri-Cola. Lustvolle Gefilde Afri-Cola-hungriger Gefühle. Die Frau wird Frau und frei. Girlpower, Frauen-Lib und Männerfreiheit. Heirat oder nicht Heirat, das ist nicht mehr die Frage. Afri-Cola. Die Augen erzählen der Welt, dass sie verliebt ist. Afri-Cola. Menschen, die bewusst ihre Zeit genießen. Bei vollem Verstand. Wach und mobil mit Afri-Cola. Der permanente Traum vom Heilmittel. Ein Gleiten. Ein Schweben mit Afri-Cola. Liebe über den Wolken. Coffee, Tea of Afri. Trink mich. Flieg mit Afri.“

          Das in gut zwanzig Spots umspielte Thema war der Rausch ohne Droge, die Haltung nicht per se antibürgerlich. Eine Litanei betraf den Feierabend, zielte auf ein Publikum mit fester Arbeitszeit, aber eskapistischen Träumen: „Feierabend? Afri-Cola. Alles ist in Afri-Cola. Mini-Cola als Stimulanz. Sexy-Cola: Stimmungselixier. Super-Cola: alkoholfreies Partygetränk. Flower-Cola: Erfrischung auch bei schlechtem Wetter. Pop-op-Cola: das alte Rezept und die neue Konzeption.“

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