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Magazin „Das Wetter“ : Googeln, wie man einen Verlag gründet

Die „Wetter“-Redaktion in „Wetter“-Hoodies Bild: Pauline Niedermayer

Seit fünf Jahren gibt es das Literatur- und Musikmagazin „Das Wetter“. Ein Gespräch mit den Machern Sascha Ehlert und Katharina Holzmann über Hip-Hop, Hoodies und schulgradunabhängige Sprache.

          Wie kommt man eigentlich darauf, ein Magazin „Das Wetter“ zu nennen?

          Julia  Encke

          Redakteurin im Feuilleton der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Sascha Ehlert: Angefangen hat die ganze Geschichte damit, dass ich in der Kreuzberger Kneipe „Ankerklause“ zwei Freunde traf: Max Leßmann, mit dem ich eigentlich das Magazin gründen wollte, und Jan Wehn, der mittlerweile Redakteur bei „Wetter“ ist. Max ist irgendwann ausgestiegen, hat aber an dem Abend den Namen gespendet. Wir schrieben damals alle für verschiedene Musikzeitschriften – Jan war bei der „Spex“, Max bei der „Visions“ und ich Chefredakteur des Hiphop-Magazins „Juice“. Die Schnapsidee war, dass wir Undercover eine Rap-Gruppe gründen und uns dann selbst hochschreiben könnten, weil wir ja alle bei diesen Magazinen waren. Max sagte damals: „Und die nennen wir ,Das Wetter‘!“ Keine Ahnung, wie er darauf kam.

          Aus der Bandidee wurde ein Jahr später, 2013, ein Magazin.

          Sascha Ehlert: Ja, „Das Wetter“ war hängengeblieben und passte auch: Wetter ist ein Gesprächsthema, auf das man zurückgreift, wenn man sonst keins hat, und etwas, worüber man zu jeder Zeit reden kann. So sollte das mit dem Magazin auch sein.

          Es geht um Literatur und Musik. Was hat Sie bei den Musikzeitschriften, bei denen Sie vorher waren, gestört, dass Sie beschlossen haben, lieber etwas Eigenes zu machen?

          Sascha Ehlert: Es ging von Beginn an um Literatur. Es gab schon in der ersten Ausgabe Kurzgeschichten, und wir haben beispielsweise auch Songtexte des Musikers und Autors Hendrik Otremba abgedruckt, ein Vorabdruck eigentlich, denn das zweite Album seiner Band Messer war damals noch nicht erschienen. Aber es ging auch darum, sich von den Konventionen des Musikjournalismus freizuschwimmen, literarischer zu schreiben, die Themen selbst auswählen zu dürfen.

          Katharina Holzmann: Bei Musikzeitschriften darf eine Plattenrezension ja meistens nicht länger sein als 1500 Zeichen, und es ging auch darum, so lang schreiben zu dürfen, wie wir wollten.

          Sascha Ehlert: Wobei wir auf Rezensionen von Anfang an verzichtet haben. Wir wollten Reportagen, Essays, Porträts und Kurzgeschichten haben und alles, was dazwischen liegt.

          Wenn man Ihr Magazin liest, fällt auf, dass die Kritik nicht die Mitteilungsform ist. „Das Wetter“ ist auch kein Meinungsmagazin. Es geht um Wahrnehmung von Gegenwart, so wie Sie sie sehen.

          Sascha Ehlert: Jede Ausgabe ist auf diese Weise wie eine Momentaufnahme.

          Katharina Holzmann: Neulich stand in der „Zeit“ über uns, dass unsere Zeitschrift wie ein Instagram-Profil funktioniere, nur in Print-Form. Das haben wir eigentlich nicht vor. Zwar bedienen wir uns der Medien Instagram und Facebook, weil es dazugehört, aber wir wollen ja im Gegenteil lange Texte, die auf bedrucktem Papier erscheinen.

          Sascha Ehlert: Eigentlich sind wir, was Instagram angeht, immer noch skeptisch. Wir nutzen das alle viel, aber eigentlich immer mit dem Ziel, für Print zu schreiben. Vielleicht sind wir, die wir 30 und 31 sind, immer noch die Generation, die mit Printprodukten groß geworden ist. Wir sind nicht wie die Anfang-20-Jährigen, die eventuell schon komplett ohne Bücher aufwuchsen. Und dadurch, dass die meisten von uns sich mehr als Autoren und weniger als Journalisten sehen, gehörte es immer zu unseren Hauptintentionen, die Texte möglichst gut darzustellen. Am Anfang sollte das Magazin auch noch viel textlastiger werden. Wir wollten ein bisschen so wie früher das Magazin „Der Freund“ von Christian Kracht und Eckhart Nickel aussehen, was aber auch daran lag, dass ich nicht viele Fotografen kannte. Meiner Meinung nach ist Papier immer noch die beste Darstellungsform für Texte: angenehmer zu lesen und verbunden mit der Fokussierung auf eine Sache.

          Cover der Jubiläumsausgabe zu „4Blocks“

          Inzwischen spielt die Fotografie im Heft eine große Rolle. Es gibt lange Fotostrecken.

          Katharina Holzmann: Das hat sich so entwickelt. Wir wollen eine Plattform für junge Kreativschaffende sein, da gehören Grafiker, Illustratoren, Fotografen mit dazu, und die sollen auch die gleiche Wichtigkeit bekommen wie die Autoren. Bei Magazinen ist lange vor allem auf Masse gesetzt worden, oft wurde auf billigem Papier gedruckt. Ich glaube aber, dass die Entwicklung hin zu teureren und hochwertigeren Zeitschriften geht.

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