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Frühkritik: Maischberger : Nur vorläufig gesetzestreu

Wie gefährlich sind die Salafisten? Bild: dapd

Wie gefährlich ist der Salafismus? Mit dieser Frage befasste sich Sandra Maischberger in ihrer Sendung, die bisweilen wie absurdes Theater wirkte. Entlarvend war sie trotzdem - für den eingeladenen Salafisten.

          Erst machten die Salafisten mit der deutschlandweiten Verteilung kostenloser Korane von sich reden, dann verletzten sie in Bonn mehrere Polizisten schwer. Innerhalb von wenigen Wochen haben die radikalen Muslime es geschafft, maximale Aufmerksamkeit zu erlangen und Ängste und Ressentiments zu schüren, bei denen kaum noch zwischen Salafisten und moderaten Muslimen unterschieden wird. Und so war es nur eine Frage der Zeit, bis eine Talkshow das Wagnis eingehen würde, mit den in der Luft liegenden, gefährlichen Pauschalisierungen zu jonglieren: „Die Salafisten kommen: Gehört der Islam wirklich zu Deutschland?“ lautete am Dienstagabend das Thema bei  „Maischberger“, und als man die Ankündigung im Fernsehprogramm las, wähnte man die Türken für eine Schrecksekunde wieder vor Wien. Ein wenig mehr Raffinesse bei der Formulierung hätte man sich gewünscht, oder besser noch: ein wenig mehr Präzision. Die Salafisten kommen schließlich nicht nach Deutschland, sie sind schon längst da. Bisher hat sie eben nur kaum jemand bemerkt, was vor allem daran liegen dürfte, dass sie im Verhältnis zu den übrigen in Deutschland lebenden Muslimen eine kleine Minderheit sind.

          Karen Krüger

          Redakteurin im Feuilleton der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung in Berlin.

          Einen Vertreter dieser Minderheit hatte Sandra Maischberger zu sich aufs Sofa eingeladen. Als Salafist war Hassan Dabbagh da, denn als solchen, als ganz wichtigen Salafisten sogar, stuft der Verfassungsschutz ihn ein. Das aber sieht Dabbagh anders. Er gab sich deshalb große Mühe, sich in der Sendung als ganz normaler, frommer Muslim zu inszenieren, der nur Gottes Wort, Friede und Liebe im Sinn hat. Es war faszinierend mit anzusehen, wie dieser Mann, der sich „Imam von Sachsen“ nennt, all jenen Fragen konsequent und geübt auswich, die ihn zu einem klaren Bekenntnis oder auch einer Absage an die Salafisten hätten zwingen müssen – Salafist zu sein, ist derzeit offenbar nur unter Salafisten populär. Lieber gab Dabbagh die Opferrolle: „Die Geheimdienstler und der Verfassungsschutz benutzen den Ausdruck Salafist, um ein Feindbild zu schaffen“, sagte er. Ohnehin diskriminiere man Muslime in Deutschland.

          Die Verteilung kostenloser Korane in deutschen Städten durch Salafisten hat für großes Aufsehen gesorgt Bilderstrecke

          Beides beantworteten die übrigen Talkshow-Gäste entsprechend ihres Temperaments, und in der Mischung wirkte das bisweilen wie sehr, sehr lautes, absurdes Theater: Der Journalist Matthias Matussek sprach über den Papst, verfolgte Christen und die Unmöglichkeit von Bibel-Missionen in der arabischen Welt, kam mit seinem Aufrechnungs-Spiel aber argumentativ nicht weiter. Die in London lebende Moderatorin Kristiane Backer, die vor einigen Jahren zum Islam konvertiert ist, bewies, dass sie keinerlei Ahnung von der gesellschaftlichen Situation in Ländern wie Saudi-Arabien hat und sich auch nicht die Bohne dafür interessiert, ob die von ihr verehrten Grundsätze des Korans über Toleranz dort tatsächlich auch gelebt werden. Man fragte sich, was Frau Maischberger eigentlich erwartete, als sie Kristiane Backer danach noch die Gründe für ihre Konversion erzählen ließ. Hätte man in diesem Augenblick den Ton des Fernsehers abgestellt, dann hätte man angesichts ihres seligen Lächelns meinen können, Frau Backer sei vollkommen entrückt.

          Friedman stellte als einziger die richtigen Fragen

          Die Schauspielerin Renan Demirkan verwies zum Glück sehr klug auf den Unterschied zwischen politischem Islam und religiöser Frömmigkeit. Angeregt von Maischberger („Sie sind hier aufgewachsen, konnten ihre Sprache weiter sprechen, einen Beruf erlernen, ihre Religion leben, scheinen also ein lebendes Beispiel dafür zu sein, dass man als Muslimin hier nichts diskriminiert wird“) bekannte sie: „Ich liebe dieses Land, ich find’s toll hier, und bin wirklich dankbar!“ Michel Friedman machte deutlich, dass man zwar Predigten mit vermeintlich friedlicher Botschaft halten, aber gleichzeitig ein geistiger Brandstifter sein kann. Er stellte Hassan Dabbagh als einziger die richtigen Fragen: „Stellen Sie den Koran über das Grundgesetz?“

          Wie wichtig es ist, muslimischen Predigern genau zuzuhören, verdeutlichte Wolfgang Bosbach. In der Öffentlichkeit sei von Männern wie Hassan Dabbagh immer nur das Gleiche zu hören, sagte er. Und als schon keiner mehr an Michel Friedmans Frage dachte, wohl auch deshalb nicht, weil bei der Antwort des Imams gerade ein großes Durcheinander gewesen war, zitierte Bosbach noch einmal dessen äußerst bedenkenswerte Antwort: „So lange wir in der Minderheit sind, achten wir das Grundgesetz.“ Aha, so lange. Das ist ja interessant.

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