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Frühkritik: Günther Jauch : „So ein strahlendes Schälchen hat doch jeder“

Wozu sich also aufregen, wozu ein Ausstieg, und warum nicht gleich an jeder Ecke ein schwach strahlendes Kernkraftwerk zu Therapiezwecken ansiedeln? Das naturwissenschaftliche Fähnchen, nach dem Jauch gefragt hat und das die Ansicht der neuen Energieethiker ergänzen sollte, dieses Fähnchen hat an diesem Abend ein Raumfahrer getragen, der am liebsten über allem schwebte, der aber bei dem Strahlenthema den soliden Boden unter seinen Füßen längst verloren hatte.

Dialog unter Gestrigen

Das Einstiegsthema Fukushima und Strahlenangst war damit an diesem Abend jedenfalls unwürdig abgeschlossen. Die andere Frage, die zu beantworten war, hieß: Wo stehen wir in Deutschland mit dem Zukunftsprojekt Energiegewinnung. Und hier nun gab es ein fürchterliches Hauen und Stechen im ernergiepolitischen Nebel. Ein klares Bild jedenfalls konnte sich der Zuschauer nicht machen, was die ideale Option für eine sichere, preiswerte und ökologisch langfristig verträgliche Energiepolitik ist. Subventionitis hier und Geldverschwendung da, ökonomische Chancen und Risiken hier wie dort. Bis eben der christdemokratische Chefweise des Atomausstiegs, Klaus Töpfer, sein Wort des Wandels sprach, um das ewiggestrige Palaver aufzulösen: „Halten Sie ein, Herr Clement, nur eine Sekunde. Und erlauben Sie es sich einmal, neu nachzudenken.“ Es sei ethisch nicht verantwortbar, mahnte Töpfer, an der Kernkraft festzuhalten, wenn wir das gleiche, nämlich die gleiche Energiemenge, mit weniger Risiken erreichen könnten.

Womit der Stab zugunsten der regenerativen Energien gebrochen war. Was Töpfer nicht bedachte: Clement, der ehemalige sozialdemokratische Wirtschaftsminister, hatte schon einmal neu nachgedacht. Im rotgrünen Kabinett hatte er den ersten Atomausstiegsbeschluss mit getragen und sich später – als Energiewirtschaftslobbyist – quasi selbst zur Räson gebracht. In der Sendung hatte er somit vor allem die Rolle des Anklägers zu spielen: Der juristische Prozess gegen die Merkelsche Energiewende sei von den großen Energieunternehmen längst auf den Weg gebracht.
Etwas, was dann allerdings viel weniger zu beunruhigen vermochte als die Beobachtung Töpfers, die deutsche Energiewende werde, wie er fürchte, womöglich dilettantisch umgesetzt und das Bild vom energiepolitischen Musterknaben Deutschland im Ausland damit auch nachhaltig beschädigt. Sollte die Kanzlerin vor lauter Purzelbäumen also tatsächlich die Orientierung verloren haben? Die Frage blieb offen, aber um sie zu beantworten saßen nun wirklich nicht die geeigneten, sprich: aktuellen politischen Köpfe in Jauchs Runde.


 

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