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Frühkritik: „Anne Will“ : Der Sparposten

  • -Aktualisiert am

Nur mäßig interessant: die Sendung von Anne Will zu Beamtengehältern Bild: dpa

Der Beamtenbund stellt an diesem Donnerstag die Forderungen für die Tarifrunde im öffentlichen Dienst vor. Anne Will orchestrierte schon einmal die Empörung – und setzte doch nur auf Klischees.

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          Das ist ja schon alles ein wenig abgedroschen. Aber okay, der Beamtenbund und Verdi stellen an diesem Donnerstag die Forderung für die Tarifrunde im öffentlichen Dienst vor. Da kann man am Vorabend ruhig noch einmal im Fernsehen die Kosten des Beamtenapparates diskutieren, erst recht die verdeckten, die in der Zukunft versteckten: „Deutschland, deine Beamten – überversorgt und überflüssig?“ Das war die Frage, bei Anne Will. Und es kam heraus, was in solchen Fällen der lustlosen Routine immer herauskommt: eine verbeamtete Lehrerin, die sich rechtfertigen muss. Ein pensionierter Lokführer, der ihr beispringt. Ein Landesminister, der seine Beamten lobt. Ein Unternehmer, dem das alles zu viel ist. Und Klaus Kocks, natürlich. Wobei niemand gedacht hätte, dass Kocks das Schicksal eines milchtrinkenden Schlagersängers aus Reutlingen teilt: Beide stiegen aus dem abgesicherten Beamten-Dasein aus, um aufregendere Wege einzuschlagen.
          Eine völlig uninspirierte Veranstaltung.

          Immerhin aber konnten die Teilnehmer ein Pünktchen machen, bevor das Thema von der „Anne Will“-Redaktion in Richtung Abgeordneten-Diäten und Managementgehälter gelenkt wurde. Die Lehrerin zum Beispiel, Karin Rohrlack aus Berlin. Nachdem sie Will erklärt hatte, die Abende und Sonntage „hochorganisiert“ am Schreibtisch zu verbringen und dem Staat im Gegenzug für den „Versorgungsvorteil“ der Verbeamtung „Versorgungssicherheit“ zu garantieren, fragte sie, warum sich die Beamten-Debatte eigentlich immer wieder am Beispiel der Lehrer entzünde. In anderen Ländern werde Bildung nicht als „Sparposten“ behandelt. Ja, warum ist das so?

          Oder Markus Söder, der bayerische Finanzminister. Als sei in Bayern für alles gesorgt (die demonstrative Gelassenheit, mit der Söder bei Anne Will auftrat, muss man wohl vor den Schlagzeilen sehen, die Bayerns Rücklagen für die Beamtenversorgung gerade machten), hob er zu einem Loblied auf den Schuldenabbau und die unverzichtbaren Landesbeamten an, zu denen neben den Polizisten und Feuerwehrmännern natürlich auch die Lehrer gezählt werden müssten. Eine vertrauensbildende Maßnahme?

          Wenig Einordnung, viel Oberfläche

          Oder der Unternehmer Thomas Selter. Zwar gab er zu bedenken, andere Staatsbeschäftigte könnten eher das Problem sein als Lehrer, die unter ständiger Beobachtung von Kindern und Eltern stünden. Er und der Unternehmensberater Klaus Kocks plädierten dann aber doch aus prinzipiellen Gründen für eine Lehrerschaft fern des Beamten-Status. Alles andere sei mit Blick auf die enormen, trickreich ins Morgen verschobenen Pensionsansprüche nicht finanzierbar. Doch wie nah ist dieser Abgrund wirklich? Vom „Karriereprinzip Hosenboden“ (so Kocks, der zwei Jahre als Lehrer arbeitete und dann hinschmiss) gar nicht erst zu reden.

          Jeder dieser Hinweise hätte noch in eine spannende Sendung führen können. Anne Will aber war nur an Klischees interessiert. Sie verzichtete auf das Einordnen und freche Nachhaken, das sie an guten Abenden beherrscht. So viel Oberfläche? Da lohnt das Dranbleiben nicht.

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