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ZDF-Doku zu Übergriffen : Was folgt aus der Kölner Silvesternacht?

Was rund um den Dom geschah, ist noch längst nicht aufgearbeitet. Bild: dpa

Das ZDF-Magazin „Frontal 21“ nimmt sich vor, alle Hintergründe der massenhaften sexuellen Übergriffe in Köln zu beleuchten. Leider weist die journalistische Aufbereitung blinde Flecken auf.

          Was geschah in der Kölner Silvesternacht? Und was folgte aus ihr?, fragt das der Investigation verpflichtete ZDF-Magazin „Frontal 21“ und liefert mit seiner Dokumentation zum Thema gleich eine doppelte Antwort, wenn nicht eine dreifache. Denn Ina Baltes, Ralph Goldmann, Andreas Halbach und Katja Nellissen zeichnen in ihrem Film nicht nur nach, was zwischen sieben Uhr abends am 31. Dezember 2015 und dem Morgen des Neujahrstags im Hauptbahnhof und am Dom geschah. Sie schauen auch auf die (kommunikations-)politischen und medialen Konsequenzen. Die stellenweise verblüffend lückenhafte Nacherzählung dieses Teils der Neujahrsgeschichte jedoch, auch was Versäumnisse des eigenen Senders betrifft, muss man wohl selbst unter den Folgen der Silvesternacht subsumieren, welche die Doku aufzuarbeiten angetreten ist.

          Ursula Scheer

          Redakteurin im Feuilleton.

          Dabei warten die Filmemacher mit einer Fülle von Material und einer Vielzahl von Gesprächspartnern auf: Zwei Frauen, die glimpflich davonkamen, geben einen Eindruck davon, was es bedeutet, im Gedränge einen Spießrutenlauf durch immer weiter herandrängende Gruppen männlicher Migranten aus dem nordafrikanischen Raum anzutreten, die ihre Opfer begrabschten und bestahlen. Nachgesprochene Aussagen von Klägerinnen vervollständigen das Bild „einer neuen Dimension von Gewalt und Kriminalität“. Iran Jurcevic, der Türsteher, zu dem verängstigte Frauen flüchteten, berichtet von überforderten Polizisten im Chaos. Passagen des inzwischen sattsam bekannten Polizeiberichts werden eingeblendet, in dem sich die Fassungslosigkeit des Einsatzleiters spiegelt; Protokolle von Anrufen beigebracht, die nachts bei der Polizei eingingen; Handyvideos und Bilder von Überwachungskameras setzen einen über die Lage ins Bild - und zeigen, wie schwierig es für die Ermittler ist, anhand dieser Aufnahmen Täter auszumachen.

          Rufe nach dem starken Rechtsstaat

          Die Dokumentation der Nacht runden Einschätzungen wie die Rüdiger Thusts vom Bund Deutscher Kriminalbeamter, des Kriminalpsychologen und Gutachters Rudolf Egg sowie die Erkenntnisse des parlamentarischen Untersuchungsausschusses im nordrhein-westfälischen Landtag ab. Ergebnis: Niemand hatte mit massenhaften Überfällen wie am Hauptbahnhof gerechnet (wie denn?, möchte man fragen, denn auch wenn relativierend darauf verwiesen wird, im Vorjahr sei es zu Silvester auch schon brenzlig gewesen, war der Vorfall doch beispiellos), und als die Sache aus dem Ruder lief, hat die Kölner Polizei nicht einmal das Verstärkungsangebot der Landespolizei angenommen. Diagnose: internes Kommunikationsversagen und totale Ahnungslosigkeit.

          Frauen sollten eine „Armlänge“ Abstand halten, empfahl die Kölner Oberbürgermeisterin Henriette Reker auf der Pressekonferenz nach den Übergriffen in der Silvesternacht.

          Mit Letzterer erklärt die Dokumentation auch die Pressemitteilung, in der die Polizei am 1. Januar eine entspannte Einsatzlage meldete. Die Frage, wie glaubhaft das polizeiliche „Wir haben von nichts gewusst“ ist, wird in der uns vorliegenden Arbeitsfassung der Dokumentation nicht aufgeworfen. Es geht auch nicht um die Frage, was es mit dem angeblich aus dem nordrhein-westfälischen Innenministerium stammenden Anruf auf sich hatte, in dem gefordert worden sein soll, das Wort „Vergewaltigungen“ aus den Polizeiberichten zu streichen. Das ist umso verblüffender, als Ina Baltes in einem Interview zum Film auf eben diese Leerstelle der bisherigen Aufklärung hinweist und auch auf die offene Frage, was die Ministerpräsidentin Hannelore Kraft (SPD) wann von den Vorfällen wusste. Stattdessen wird Frau Kraft unter die Rufer nach dem starken Rechtsstaat eingereiht.

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