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Krimikomödie im ZDF : Der Mörder ist immer der freie Mitarbeiter

  • -Aktualisiert am

Maxi Schweiger (Fritzi Haberlandt) erläutert Bodo Wehner (Rudolf Kowalski) den Ermittlungsstand. Bild: ZDF und Martin Rottenkolber

Gekündigt werden oder den Chef ermorden – wer hat sich da amoralisch entschieden? Fritzi Haberlandt drückt der Krimikomödie „Der Chef ist tot“ als Smoothie schlürfende Kommissarin ihren Stempel auf.

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          Man stellt sich das immer schön vor: endlich Chef sein und Freiheit unter den Schwingen verspüren zu dürfen. Aber Chef sein macht einsam. Und in wirtschaftlich schwierigen Zeiten macht Chef sein auch nicht viel Spaß.

          Peer Althoff (Guido Lambrecht), Büroleiter einer Logistik-Klitsche in Köln, bekommt das gerade zu spüren. Die Berliner Zentrale erwartet von ihm, die Belegschaft mit Blick auf die laufenden Kosten zu verkleinern. Also spricht es Althoff vor seinen Leuten wie ein diplomierter Vollstrecker aus: „Einer oder eine muss gehen“ – wer genau, werde Ende der Woche entschieden, so dass jeder seiner fünf Untergebenen noch einige Tage Zeit zur Bewährung hat.

          Was für ein Zynismus. Gemessen an dem Ton, den er anschlägt, scheint er sich längst damit abgefunden zu haben, bei seinen Leuten als mieser Charakter zu gelten. Die Kaffeetasse „Bester Chef der Welt“, die den Staub in seinem Büro fängt, dürfte von einem Bückling herstammen. Oder von einem anderen Chef. Zu der Entscheidung kommt es freilich nicht mehr. Kurz nach der denkwürdigen Krisensitzung, die im Topfpflanzen-Ambiente wie der Einstieg ins letzte Kapitel für alle daherkommt, stürzt Althoff die Treppe zum Parkplatz hinunter. Statt eines potentiellen Kündigungsopfers wird im Haus nun ein Mörder gesucht. Maxi Schweiger, enervierende Kommissarin mit unstillbarem Durst auf rosarote „Smoothies“, verspricht, ihn zu finden.

          Schräger Charme

          Maxi Schweiger ist die Hauptfigur der Krimikomödie „Der Chef ist tot“, die Stefan Rogall geschrieben und Markus Sehr inszeniert hat. Die Rolle ist auf Fritzi Haberlandt zugeschnitten, die eben noch im Kino-Remake von „Timm Thaler oder das verkaufte Lachen“ zu sehen war und im Herbst bei „Babylon Berlin“ mitspielen wird. Sie versucht ihrem Kommissar-Frischling einen schrägen Charme einzuflößen, ein wenig so, wie ihn Bjarne Mädel als „Tatortreiniger“ Schotty oder Nora Tschirner als Weimarer „Tatort“-Komissarin mitbringen.

          Das macht sie nicht schlecht. Man könnte das Konzept bei Bedarf schon deshalb ausbauen, weil man bei einem neuen Fall auch wieder Rudolf Kowalski sehen würde, der in diesem Fall nur recht kurz – und viel zu spät – als Schweigers Vorgesetzter zu sehen ist. Aber der Film an sich ist unspektakulär. Er hat nicht vor, die eiskalte Arbeitswelt, in der er spielt, oder die Lebensumstände von Opfer und Verdächtigen näher denn nötig zu erkunden. Er will bloß ein amüsanter Landhaus-Krimi sein, wobei das Landhaus in diesem Fall das authentisch sanierungsbedürftige Bürokonstrukt ist, in dem der Silberkettchen-Träger Peer Althoff sein Leben verlor, als sei die Frage nach der idealen Form des Personalabbaus dadurch entschieden. Die Kommissarin ruft gleich nach ihrer Ankunft alle Verdächtigen zusammen, um sie zu befragen.

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          Ihr Kreis ist überschaubar. Er beschränkt sich auf die fünf Mitarbeiter, die um ihren Job fürchten mussten. Da ist zum einen Doris Meller (Petra Kleinert), die langjährige, gerade fünfzig Jahre alt gewordene Kollegin aus der Buchhaltung, die man wohl als die gute Seele des Büros ansehen muss, sahnetortenabhängig. Dann Michael Baumgartner (Götz SChubert), ein kumpelhafter, aber leicht aufbrausender Typ, der den Aufstieg Althoffs zum Chef nie verkraftet hat und daheim das Auseinanderbrechen der Familie erlebt; er fehlt an dem Morgen, an dem die Leiche gefunden wird.

          Ungebremst ins Infantile kippen

          Nummer drei und vier sind ein ungleich verliebtes Pärchen: Sören Koperski (Lucas Prisor) hat Gesa Porizkova (Julia Hartmann) vor dem Chefbüro mit auffallend schlecht geknöpfter Bluse gesehen. Und Nummer fünf ist ein Außenseiter: ein ebenso langhaariger wie langbärtiger freier Mitarbeiter namens Benno Wengerich (Daniel Christensen). Er hängt den ganzen Tag am Rechner herum, ist allen suspekt – eine billige Arbeitskraft, die bei der angekündigten Personalkürzung eigentlich wenig zu befürchten hatte, bei der sich aber vielleicht trotzdem Wut angestaut hat.

          Einer aus diesem Quintett muss der Täter sein, meint Maxi Schweiger. Oder sind es vielleicht sogar zwei? Sie wird es herausfinden, und nicht einmal der Smoothie-Fleck auf ihrer Bluse kann die zuweilen ungebremst ins Infantile kippende Ermittlerin dabei stoppen.

          Fernsehtrailer : „Der Chef ist tot“

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