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Nobelpreis für Maria Ressa : Sie duckt sich nicht weg

  • -Aktualisiert am

Maria Ressa am Mittwoch am Flughafen von Manila, vor ihrem Abflug zum Friedensnobelpreis nach Oslo Bild: Getty

Am Freitag erhält die Journalistin Maria Ressa den Friedensnobelpreis. Sie kämpft gegen die Gewalt des Präsidenten Rodrigo Duterte auf den Philippinen. Sie ist die mutigste Frau, die ich kenne. Ein Gastbeitrag.

          7 Min.

          Als ich Maria Ressa im Herbst 2018 das erste Mal traf, sprang mich ihre positive Ausstrahlung geradezu an. Maria Ressa ist eine charismatische Frau, die förmlich mit Energie gefüllt zu sein scheint. Ihr Geist und ihr Körper scheinen niemals stillzustehen. Verbunden mit einem unbedingten Willen, niemals aufzugeben, was auch kommen mag. Ohne diesen Willen könnte sie wohl nicht überleben. Denn Ressa ist eine Gejagte, die von der philippinischen Regierung um Präsident Rodrigo Duterte mit der ganzen Macht des Staates verfolgt wird. Duterte und seine Regierung haben das Land in den letzten Jahren in eine Diktatur verwandelt. Maria Ressa kämpft für die Demokratie auf den Philippinen, sie will mit ihrem Team ein ganzes Land retten. Sie kämpft gegen einen Präsidenten, der bedenkenlos mit Todesschwadronen Zigtausende Menschen hinrichten lässt.

          Bereits Ende 2015 saß Maria Ressa ihrem Gegenspieler Rodrigo Duterte kurz vor der Präsidentschaftswahl in einer gespenstisch anmutenden Szene gegenüber. Duterte war damals Bürgermeister von Davao und strebte nach dem Präsidentenamt. Das Gespräch zwischen den Beiden beginnt in einer ruhigen, fast freundschaftlichen Atmosphäre. Doch dann schildert Duterte, wie er als Präsident mit einer rigorosen Law-and-Order-Politik das Land umbauen und die Kriminalität beseitigen werde. „Wenn ich sage, ich werde die Kriminalität stoppen, werde ich die Kriminalität stoppen. Und wenn ich die Kriminellen töten muss, töte ich sie. Ich persönlich“, sagt Duterte in dem Interview. Er brüstet sich mit Tötungen, die er als Bürgermeister in Davao an vermeintlichen Kriminellen begangen haben will. Maria Ressa entgleisen die Gesichtszüge. So, als ahne sie bereits, was auf sie und das Land in den nächsten Jahren zukommt. Sie hakt nach, ob ein Mensch das alles erreichen könne. Duterte antwortet: Ja, so sei es in jeder Diktatur, und er wolle eine Diktatur aufbauen mit der Polizei und dem Militär als Rückgrat. Dann blickt er direkt in die Kamera und spricht zu den Zuschauern: „Geht mir aus dem Weg. Ich sage es den Philippinos: Es wird blutig werden, es wird hart werden.“ Duterte hielt nach seiner Wahl zum Präsidenten Wort: Es wurde blutig auf den Straßen von Manila.

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