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Döpfner als Springer-Boss : Der neue Axel Cäsar

Vorstandschef, Großaktionär: Mathias Döpfner. Bild: dpa

Was sieht Friede Springer in Mathias Döpfner? Warum schenkt sie ihm Aktien im Wert von einer Milliarde Euro? Die Antwort ist ganz einfach.

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          Das sei eine Schenkung von einer Milliarde Euro, hat ein Kollege ganz fix ausgerechnet. Eine Milliarde? Eine Milliarde. Diese schenkt Friede Springer Mathias Döpfner, dem Vorstandsvorsitzenden des Medienhauses, das ihr 1985 verstorbener Mann Axel Cäsar Springer gründete. Das Milliardengeschenk besteht aus fünfzehn Prozent der Aktien des Konzerns. Weitere 4,1 Prozent der Aktien kauft Döpfner Friede Springer für 276 Millionen Euro ab. Bislang hatte Döpfner schon drei Prozent, nun verfügen die Springer-Witwe und der Vorstandschef über jeweils 22 Prozent. Der dritte Großaktionär im Bunde ist mit 47,6 Prozent seit dem vergangenen Jahr die amerikanische Investmentgesellschaft Kohlberg Kravis Roberts (KKR).

          Michael Hanfeld
          verantwortlicher Redakteur für Feuilleton Online und „Medien“.

          Klingt kompliziert, ist es auch, aber im Grund ganz einfach und genau das, was Friede Springer gestern sagte. Sie sei sehr „froh und dankbar, dass ich mit Mathias meinen Nachfolger gefunden habe“. Sie habe stets gesagt, dass sie für „Kontinuität im Unternehmen sorgen werde. Die Zukunft des Hauses war mir ein Leben lang sehr wichtig.“ Nun habe sie eine ideale Lösung gefunden – für den Springer-Verlag und die beiden Stiftungen, die sie leitet.

          Wir haben es also mit einem quasi-dynastischen Übergang zu tun, den die Deutsche Presse-Agentur in „Bild“-Manier in Worte fasst: „Springer ist jetzt Döpfner“. Dabei geht es um eine Thronfolge, die freilich nichts mit Abstammung, sondern mit Leistung zu tun hat. Friede Springer hat sich all die Jahre aus nächster Nähe angesehen, wie Mathias Döpfner agiert. 1998 kam er zum Verlag und wurde Chefredakteur der „Welt“. Zwei Jahre später trat er in den Vorstand von Springer ein, 2002 übernahm er den Vorstandsvorsitz. Zwei große Krisen hatte er zu überstehen, zwei große Niederlagen musste er einstecken. 2005 schickte sich Springer an, die Fernsehgruppe Pro Sieben Sat 1 zu übernehmen, was jedoch am Widerspruch des Bundeskartellamts scheiterte. Das 2007 getätigte Investment in den Postdienstleister Pin Group mündete in ein Fiasko, weil der Firma auferlegt wurde, für Zusteller den gesetzlichen Mindestlohn zu zahlen. Sie hatte im Wettbewerb mit der Post keine Wettbewerbsvorteile, sondern massive Nachteile. Ende des Jahres war Springer draußen.

          Doch das waren nur Etappen einer Expansion und einer Umwandlung des Springer-Verlags in ein multimediales Unternehmen, dessen Bilanz sich heute ganz anders ausnimmt. Der Umsatz lag im vergangenen Jahr bei 3,11 Milliarden Euro, der Konzerngewinn bei 263,7 Millionen Euro. Springer hat radikale, für die Belegschaft mitunter harte Schritte unternommen und massiv in digitale Geschäfte investiert. Identifiziert wird der Verlag zwar nach wie vor mit „Bild“ und „Welt“, „Bild am Sonntag“ und „Welt am Sonntag“, doch sind diese gemeinsam mit dem zwischenzeitlich aufgekauften Nachrichtensender N24 längst Teil eines größeren Medienverbunds. Seine Regionalzeitungen hat Springer abgestoßen und dafür reihenweise auf Online-Angebote gesetzt, auf journalistische und auf kommerzielle Marken. Darunter finden sich Job-, Preisvergleichs- oder Immobilienportale, die heute auf den Anzeigenmärkten unterwegs sind, die den Zeitungen seit dem Beginn der Digitalisierung verloren gegangen sind. Mit dem Investor KKR nun will Springer in die Phalanx der ganz Großen vorstoßen und Europas Nummer eins auf einem Medienmarkt werden, den die weltweit agierenden amerikanischen Datenkonzerne beherrschen.

          Im Wettbewerb mit diesen geht es freilich nicht nur um Profite, sondern ums Ganze, um die Grundlagen der Demokratie und das Überleben eines sowohl vom Staat wie von der Gunst von Megakonzernen unabhängigen Presse-Journalismus. Als dessen Streiter tritt der studierte Musik-, Theaterwissenschaftler und Germanist Döpfner in seiner Rolle als Präsident des Bundesverbands Digitalpublisher und Zeitungsverleger (BDZV) auf.

          Das macht er mit einem ähnlichen Impetus, gern auch Pathos, wie es Axel Springer zu eigen war. Der sagte seinerzeit zwar, dass Zeitungen über Politik schreiben, sie aber nicht machen sollten. Er wusste aber genau, dass sie Teil der Politik sind und selbstverständlich Politik machen, allen voran die „Bild“-Zeitung. Wovon Axel Springer noch nichts wissen konnte, sind die heutigen Herrscher der Daten, die, sobald Gesellschaft und Politik nach ihrer Verantwortung fragen, so tun, als hätten sie mit den Folgen ihres Wirkens nichts zu tun. Das ist im Journalismus, bei der Presse, bei Verlagen, bei einem Medienhaus wie Springer anders. Dass Friede Springer als Hüterin des Vermächtnisses ihres verstorbenen Mannes in Mathias Döpfner den idealen Nachfolger gefunden zu haben glaubt, verwundert nicht. Dabei geht es um weit mehr als eine Milliarde.

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