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Fridays for Future : Einfach dumm

Keine Alterssache: Eine „Granny for Future“ demonstriert in Bremen Bild: Picture-Alliance

Satire oder nicht? Die Klimaschutzbewegung wettert gegen Alte. Sie verpasst einen guten Moment zu schweigen.

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          Die Klimaschutzbewegung „Fridays for Future“ hat eine Menge zu sagen, und sie vertritt ein ehrenwertes Anliegen. Die Erderwärmung ist eine ernste Gefahr für die Menschheit. Und unser Planet muss für die Generationen, die nach uns folgen, unbedingt lebenswert bleiben. Sich dafür zu engagieren ist nicht nur aller Ehren Wert, es ist schlicht unumgänglich, unabhängig davon, wie viel oder wenig man mit der Form des Protests anfangen kann. Es wäre auch falsch, an die jungen Menschen, die der Bewegung vorstehen, dieselben Maßstäbe wie an erfahrene Politiker, Schauspieler oder Sportler anzulegen. Wer jung ist, darf radikal sein – und muss Fehler machen dürfen.

          Eines aber muss man von den Aktivisten dabei erwarten können: Respekt. Den haben sie an diesem Montag bei Twitter vermissen lassen. „Warum reden uns die Großeltern eigentlich immer noch jedes Jahr rein? Die sind doch eh bald nicht mehr dabei“, stand dort zu lesen. Das klingt nach Donald Trump. Und auch der erste Entschuldigungsversuch der Bewegung („Was darf Satire?“, sprich: nur Spaß) erinnert schmerzhaft an die typische Taktik von ihm und anderen Rechtspopulisten: Etwas Unerhörtes zu sagen, zurückzurudern und damit stetig die Grenze des Sagbaren zu verschieben.

          Damit mag die Gruppe Beifall bei hartgesottenen Anhängern finden. Um ihre erbitterten Gegner braucht sie sich ohnehin nicht zu kümmern. Sie erliegt aber der Versuchung, nur eben jene beiden Pole zu berücksichtigen und damit die Welt auf Twitter und in anderen sozialen Netzwerken für ein Abbild der Gesellschaft zu halten. Doch das Gros der Menschen ist in diesen digitalen Echokammern gar nicht unterwegs.

          Sie sind weder Anhänger noch Gegner der Bewegung. Sie stehen Fridays for Future und ihren Zielen offen, aber nicht vorbehaltlos gegenüber. Das gilt gerade auch für ältere Menschen, von denen nicht wenige die Sorgen um die Zukunft des Planeten angesichts der drohenden Folgen des Klimawandels für ihre Kinder und Kindeskinder teilen. Schließlich war es ihre Generation, die das Thema Umweltschutz in Deutschland groß gemacht hat.

          Mit dummen Tweets wie dem vom Montagmorgen verspielt Fridays for Future bei ihnen ihr wertvollstes Gut: Vertrauen darin, dass diese jungen Menschen ein großes Ziel verfolgen und dennoch wissen, dass sie es nur mit einer Mehrheit Menschen jeglicher Façon erreichen können. Es bleibt zu hoffen, dass die zwischenzeitlich erfolgte Entschuldigung von Fridays for Future kein Lippenbekenntnis war. Beim Thema Erderwärmung ist kein Platz für schlechte Scherze.

          Lorenz Hemicker
          Redakteur in der Politik

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