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Facebook Nacktheitsverbot : Schauen Sie sich dieses Bild nicht an, zu Ihrer Sicherheit!

Das Fremdenverkehrsbüro „Visit Flanders“ protestiert auf witzige Weise gegen das Nacktheitsverbot von Facebook. Die Flamen zeigen dem Netzwerkkonzern, was ein echter Rubens ist.

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          Der Maler Peter Paul Rubens ist für die belgische Region Flandern im Allgemeinen und die Stadt Antwerpen im Besonderen nicht nur kulturell prägend, sondern auch in Sachen Tourismus ein Asset, ein Unique Selling Point. Da die meisten Menschen bei Belgien vorwiegend an Brüssel und Pommes denken, vielleicht noch an Spitze und Schokolade, ist die Vermarktung der Kultur des flämischen Teils des Landes nicht ganz einfach. Also setzt man Schwerpunkte, und die reiche barocke Tradition mit all ihren Malern und Architekten soll in diesem und dem nächsten Jahr im Mittelpunkt der touristischen Bemühungen stehen.

          Andrea Diener
          Redakteurin im Feuilleton.

          Rubens ist der bekannteste Barockkünstler, den Flandern aufzubieten hat, gerade erst wurde eine große Retrospektive seiner Werke in Wien und Frankfurt gezeigt. Und so wirbt die Fremdenverkehrszentrale Visit Flanders konsequenterweise mit Rubens’ üppigen Körperdarstellungen. Auch in den sozialen Netzwerken.

          Wenn nun irgendetwas kulturell nicht zusammengeht, dann sind es freizügige barocke Pracht und die Prüderie des amerikanischen Pietismus. Dass beide ausgerechnet auf Facebook kollidieren, ist der weltumspannenden Verfasstheit des Internets zu verdanken: Irgendwo auf der Welt wird etwas gepostet, irgendwo wird gemeldet, in Manila wird gefiltert, in den Vereinigten Staaten wird der Konzern gelenkt. Es ist kompliziert, und Facebooks Regeln sind kompliziert. Was als Posting noch durchgeht, ist als Werbeanzeige schon nicht mehr erlaubt, nämlich Nacktheit aller Art, auch künstlerische Darstellungen, wenn es sich nicht um Statuen handelt. „Leda mit dem Schwan“ wäre dreidimensional in Marmor in Ordnung, zweidimensional in Öl ist sie ein Problem.

          „Brüste, Hintern und Peter Paul Rubens’ Putten werden als anstößig eingeordnet“, schrieb nun die Fremdenverkehrszentrale in einem Brief, den auch viele Museen unterzeichnet hatten, an Facebook-Chef Mark Zuckerberg. „Nicht von uns, aber von Ihnen ... Auch wenn wir uns insgeheim darüber amüsieren, so macht Ihre kulturelle Zensur uns das Leben ziemlich schwer.“ Denn nicht nur nackte Nymphen werden beanstandet, auch Rubens’ kunsthistorisch bedeutende Kreuzabnahme, in welcher der Leichnam Christi nur mit einem geschickt drapierten Hüfttuch bedeckt ist – das hat das klerikale Personal der Liebfrauenkathedrale in Antwerpen seit 1612 nicht in Rage gebracht, ist aber zu knapp für Facebook.

          Gerade in Deutschland ist das nicht ganz leicht nachzuvollziehen, da Mark Zuckerberg jüngst äußerte, er sei dagegen, Holocaust-Leugner grundsätzlich zu sperren, denn viele wüssten es einfach nicht besser: „Ich glaube nicht, dass sie absichtlich falschliegen.“ Vierhundert Jahre alte Darstellungen vorsätzlich nackter Körper hingegen haben bei Facebook das Potential zur Erregung öffentlichen Ärgers.

          Visit Flanders jedenfalls reagiert mit bemerkenswert viel Humor und postete ein kurzes Video aus dem Rubenshaus. Den Besuchern des Ateliergebäudes rückt eine resolut auftretende „Nude Police“ auf den Leib und fragt sie, ob sie über Social-Media-Accounts verfügten. Dann nämlich müssten sie vor Nacktheit geschützt werden und sich lieber etwas anderes anschauen. „Darf ich Sie vor dieses Bild bringen? Es ist zu Ihrer eigenen Sicherheit.“

          Facebook lȁsst derweil verlauten, man sei zu Gesprȁchen mit der Fremdenverkehrszentrale bereit, und betont, die Regelung gelte nicht für normale Postings, nur für gesponserte Beitrȁge. Das ist schön, aber zurzeit hat Flandern die Lacher auf seiner Seite. Mit einem, wie man im Internet sagen würde, ȁußerst respektablen Troll-Move.

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