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Freibrief für die „Tagesschau“ : Vollgetextet

Alle Hände auf Start für die Internet-Expansion der „Tagesschau” Bild: dpa

Das ist der Durchmarsch: Die „Tagesschau“ soll online alles dürfen. Dafür plädiert der NDR-Rundfunkrat. Die Zeitschriftenverleger rufen Niedersachsens Ministerpräsident Wulff auf, als Rechtsaufsicht für „ein Verbot der gebührenfinanzierten Online-Presse“ einzuschreiten.

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          Anfang des Monats war es schon aufgeschienen, jetzt ist es amtlich: Der Rundfunkrat des NDR plädiert im Rahmen des sogenannten Dreistufentests dafür, den Onlineauftritt „tagesschau.de“ ohne jede Einschränkung zu genehmigen. Damit ist auch eine Vorentscheidung für das „Tagesschau“-App auf dem iPhone gefallen, gilt dieses doch nur als zusätzlicher technischer Verbreitungsweg der Inhalte. Der „qualitative publizistische Beitrag“ von „tagesschau.de“ überwiege, so hält die 26 Seiten lange „Mitberatungsvorlage“ des NDR-Rundfunkrats fest, „die negativen Auswirkungen auf die Wettbewerber deutlich“.

          Michael Hanfeld
          verantwortlicher Redakteur für Feuilleton Online und „Medien“.

          Dass sich „tagesschau.de“ nicht nur in einem publizistischen, sondern auch in einem ökonomischen Wettbewerb zu den Angeboten von Verlagen und privaten Sendern befinden, wird sogar grundsätzlich geleugnet. Die Kritik, dass das aus Gebühren finanzierte „tagesschau.de“ zu einer Marktverzerrung führe, hält der Rundfunkrat für „nicht nachvollziehbar“.Die Empfehlung des NDR gilt als Vorlage für die übrigen Aufsichtsgremien der ARD. Die Freigabe des NDR ist allumfassend, sie erlaubt vor allem die freie Textproduktion von „tagesschau.de“.

          Als hätten die Macher es selbst geschrieben

          Beschränkungen jedweder Art lehnt der NDR-Rundfunkrat ab - ganz so, als hätten die „Tagesschau“-Macher das Papier selbst geschrieben. Das Angebot gilt jetzt als „eigenständig“ und „multimedial“, es soll teilweise zeitlich unbegrenzt verfügbar sein, es darf alles angeboten werden, vor allem an Texten, „sendungsbezogen“ müssen die Inhalte nicht erscheinen - was sich vor kurzem am Beispiel eines Interviews mit der Internet-Autorin Kathrin Passig zeigte, das mit der gesendeten „Tagesschau“ nichts zu tun hatte. Der NDR-Rundfunkrat hält es jedoch nicht mehr für nötig, überhaupt noch zu trennen: „Aus Sicht des Rundfunkrates besteht keine Notwendigkeit einer grundsätzlichen Unterscheidung zwischen sendungsbezogenen und nicht-sendungsbezogenen Inhalten.“

          Trotzdem kommen die Rundfunkräte apodiktisch zu dem Ergebnis, dass eine „Presseähnlichkeit“ des Auftritts von „tagesschau.de“ nicht gegeben sei. Der Rundfunkstaatsvertrag, so wird behauptet, stelle bei diesem Kriterium „eindeutig auf Zeitungen und Zeitschriften ab, also auf gedruckte Presseerzeugnisse“. Nach diesem Verständnis allerdings könnten selbst die größten Textkonvolute niemals „presseähnlich“ sein. Der Rundfunkrat des NDR hat übrigens auch nichts dagegen, wenn Inhalte Dritter in das Angebot von „tagesschau.de“ einbezogen oder Online-Spiele aufgeboten werden. Diese müssten nur - hier soll das Kriterium dann doch plötzlich greifen - einen „Sendungsbezug“ aufweisen.

          Auch finanziell wird aufgestockt, allein der Jahresetat von „tagesschau.de“ steigt binnen vier Jahren von rund vier Millionen im letzten Jahr Richtung sechs Millionen Euro 2012, er soll zwischen 2009 und 2012 quergerechnet im Schnitt bei knapp fünf Millionen Euro liegen. ARD und ZDF geben in den nächsten Jahren insgesamt 611 Millionen Euro fürs Internet aus.

          Ein unglaublicher Vorgang

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