https://www.faz.net/aktuell/feuilleton/medien/freedom-of-speech-award-der-dw-geht-an-sedat-ergin-14191829.html

DW ehrt „Hürriyet“-Chef : Sedat Ergin erhält „Freedom of Speech Award“

  • Aktualisiert am

Ihm droht Haft: Sedat Ergin von „Hürriyet“ Bild: dpa

Die Deutsche Welle setzt ein Zeichen für die Meinungsfreiheit in der Türkei. Ihr „Freedom of Speech Award“ geht an den Chefredakteur der Zeitung „Hürriyet“. Er steht vor Gericht, weil er den Präsidenten Erdogan beleidigt haben soll.

          1 Min.

          Der „Freedom of Speech Award“ der Deutschen Welle geht in diesem Jahr an den türkischen Journalisten Sedat Ergin. Der Chefredakteur der Zeitung „Hürriyet“ steht in der Türkei vor Gericht, weil er den Präsidenten Recep Tayyip Erdogan beleidigt haben soll. In einem Artikel hatte sich der Journalist im September kritisch zu einer Rede Erdogans geäußert, in der es um Angriffe der kurdischen Arbeiterpartei PKK auf türkische Soldaten ging. Sollte er verurteilt werden, drohen Ergin fünf Jahre Haft.

          Mit der Vergabe des Preises an Sedat Ergin wolle man ein Zeichen für die Pressefreiheit in der Türkei setzen, sagte der DW-Intendant Peter Limbourg. Ergin und seine Kollegen bei „Hürriyet“ gingen für ihren unabhängigen Journalismus beachtliche Risiken ein. Damit teilten sie das Schicksal zahlreicher Journalisten in der Türkei. Auch Künstler und Wissenschaftler würden durch die türkischen Behörden „systematisch eingeschüchtert“.

          „Hürriyet“ ist die auflagenstärkste unabhängige Tageszeitung der Türkei. Sie gehört zur Dogan-Mediengruppe, die der türkischen Regierung ein Dorn im Auge ist. Im vergangenen Herbst wurden die Redaktionsräume des Blattes zweimal von Mobs aus Anhängern der Regierungspartei AKP gestürmt. Vor Gericht zeichnete der 58 Jahre alte Ergin ein düsteres Bild von der Lage der Presse in seinem Heimatland: „Die Pressefreiheit in der Türkei ist 2016 auf die Gerichtsflure begrenzt.“

          Der „Freedom of Speech Award“ wird beim Deutsche Welle Global Media Forum im Juni in Bonn verliehen. Im vergangenen Jahr wurde der Preis erstmals ausgelobt und an den saudischen Blogger Raif Badawi vergeben. Badawi befindet sich seit Mai 2014 in Saudi-Arabien in Haft und wurde zu tausend Stockschlägen verurteilt. Mit ihrem Preis würdigt die DW eine Person oder Initiative, die sich in herausragender Weise für die Meinungsfreiheit einsetzt.

          Weitere Themen

          Im Süden was Neues

          Sanierung Deutsches Museum : Im Süden was Neues

          Melkroboter, E-Gitarren und künstliche Gelenke: Im Deutschen Museum in München eröffnen heute etliche zum Teil neu konzipierte Dauerausstellungen. Doch der schwierigere Teil der Modernisierung steht dem Haus noch bevor.

          Topmeldungen

          Sie wollen, dass er will: Trump ließ sich Ende Juni auf einer Kundgebung in Mendon im Staat Illinois bejubeln.

          US-Präsidentschaft : Erwägt Donald Trump eine frühe Kandidatur?

          Bislang verlief der Sommer nicht im Sinne Trumps. Die Aufarbeitung der Erstürmung des Kapitols verärgert ihn. Sieht er sich gezwungen, die Verkündung seiner Präsidentenkandidatur vorzuziehen?
          „Das ist genau diese Abwertung, die man nicht braucht“, sagt Almuth Schult.

          Europameisterschaft in England : Schluss mit Frauenfußball!

          Die einen spielen Fußball, die anderen Frauenfußball? Mit dieser Abwertung sollte dringend Schluss sein. In England beginnt die Fußball-Europameisterschaft.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Sie können bis zu 5 Newsletter gleichzeitig auswählen Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.