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Fred Kogel im Gespräch : Der bewegte Mann

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Er hat „Wetten dass...?“ produziert und war Geschäftsführer von Sat.1. Der Constantin-Chef Fred Kogel über die Gerüchte zum Verkauf seiner Firma, das schwierige Kinojahr 2008, Leo Kirchs Comeback und die Qualitäten von Oliver Pocher.

          Er hat „Wetten dass...?“ produziert, war Unterhaltungschef beim ZDF und Geschäftsführer von Sat.1. Später holte ihn Bernd Eichinger zu Constantin Film nach München. Im April ist Fred Kogel seit fünf Jahren Vorstand des Filmunternehmens.

          Herr Kogel, haben Sie schon drüber nachgedacht, einen Film über einen Medienmogul zu machen, der spektakulär pleite geht und nach Jahren mit dem Verkauf der Bundesligarechte überraschend wieder ins Geschäft einsteigt?

          Der Film müsste dann vermutlich „Das Comeback“ heißen. Dass Leo Kirch jetzt wieder da ist, beweist in jedem Fall, welche Qualitäten er hat. Seine Rückkehr vorzubereiten ohne dass es vorher in der Presse steht, ist ein echter Coup. Ich halte ihn nach wie vor für eine der wichtigsten Unternehmerpersönlichkeiten Deutschlands.

          Sie haben bei Sat.1 und Kirch Media lange für ihn gearbeitet. Wann haben Sie das letzte mal telefoniert?

          Das ist eine Weile her. Aber wir hatten immer ein gutes Verhältnis. Es ist nur so, dass es Zeiten gibt, in denen man mal mehr und mal weniger Kontakt hat.

          Kirch war Jahre lang heimlich an der Schweizer Holding Highlight Communications beteiligt, die Mehrheitsaktionär bei Constantin Film ist. Vor wenigen Monaten hat er seine Anteile für eine Beteiligung an EM.Sport getauscht, und dort will man sich künftig ganz auf Sportrechte konzentrieren. Da passt die Constantin nicht mehr dazu. Es wird von Verkauf und Zerschlagung gesprochen.

          Die Constantin ist der Monolith im deutschen Independent-Produzentenmarkt. Es ist uns in den vergangenen Jahren gelungen, das Unternehmen neu aufzustellen. Wir sind relativ unanfällig geworden für einzelne Marktbewegungen, weil sich unsere Geschäftsbereiche Kino, Fernsehen, DVD und Lizenzhandel gegenseitig stützen. Eine Zerschlagung würde meines Erachtens überhaupt keinen Sinn machen. Ob es zu einem Verkauf kommt, muss der Mehrheitsaktionär entscheiden. Die Aufgabe des Managements ist es, einen guten Job im Tagesgeschäft zu machen.

          Die Gerüchte tun der Constantin aber nicht gut.

          Verkaufsgerüchte gibt es, seitdem ich bei Constantin bin. Wir haben weder bei unseren Auftraggebern noch bei den Banken negative Auswirkungen verspürt. Das ist entscheidend.

          2007 war nicht gerade das erfolgreichste Kinojahr für die Constantin. Erreichen Sie Ihre Vorgaben?

          Das steht mit dem Jahresabschluss Ende März fest, aber es gibt bislang keinen Grund anzunehmen, dass wir unsere Ergebniszielvorgabe von etwa zwölf Millionen Euro Betriebsergebnis nicht schaffen.

          Den größten Anteil am Umsatz steuern längst TV-Produktionen bei. Würde es nicht Sinn machen, nur noch drei oder vier große Filme im Jahr auf die Leinwand zu bringen?

          Ich bin der Überzeugung, dass sich mit Kino sehr wohl Geld verdienen lässt. Aber Kino taktet ganz anders als Fernsehen, es ist ein viel langfristigeres Geschäft. Sechs bis acht deutsche und ein bis zwei internationale Filme pro Jahr sind notwendig, um einen gewissen Produktfluss zu garantieren. Es kann nicht jeder Film ein Treffer sein, deshalb braucht es eine gewisse Anzahl, sonst wird das Risiko zu groß.

          Aber das Geschäft hat sich in den letzten Jahren stark verändert.

          Wir spüren, dass die Deutschen kinomüde sind. In anderen Ländern gehen die Besucher vier- bis sechsmal ins Kino, hier sind es im Durchschnitt nicht einmal zwei Besuche im Jahr. Dazu kommen immer mehr Filme in die Kinos: 500 waren es im vergangenen Jahr, zehn Jahre zuvor gerade einmal die Hälfte. Das Publikum ist heute überfordert. Und im Verleih wird es auch auf Grund der relativ hohen Herausbringungskosten immer schwieriger, Geld zu verdienen. Wir werden deshalb unsere Verleihstaffel anzahlmäßig senken und 2008 nur noch zehn bis 15 Filme ins Kino bringen. Es macht Sinn, manches von vornherein nur auf DVD zu veröffentlichen und im Fernsehen zu vermarkten.

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