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Kampf um Zeitung : „Le Monde“ bleibt unabhängig

Rotation: Um die Zeitung „Le Monde“ tobt ein Übernahmekampf. Bild: AFP

Der Machtkampf um „Le Monde“ ist entschieden. Die Haupteigentümer haben sich geeinigt, das Sagen behält die Redaktion. Und ein Investor im Hintergrund hat erstaunlicherweise das Nachsehen.

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          Good News aus der Medienbranche: Die beiden Hauptaktionäre von „Le Monde“ haben sich versöhnt, die Redaktion, die ihnen ein Ultimatum gestellt hatte, frohlockt: „Wir haben ein Abkommen, wie es in Frankreich noch keiner Zeitung zuteil wurde.“

          Jürg Altwegg

          Freier Autor im Feuilleton.

          Xavier Niel und Matthieu Pigasse haben das Abkommen, das die Unabhängigkeit der Zeitung garantiert, unterschrieben. Es besagt: Gegen den Willen der Redaktion kann kein Aktionär die Mehrheit der Anteile übernehmen. Die von der spanischen Prisa-Gruppe („El País“) an Pigasse verkauften Aktien werden geteilt, das Gleichgewicht der Eigentümer bleibt gewahrt.

          Der Vertrag ist ein Sieg für die Pressefreiheit in einem Land, dessen private Medien von zehn Milliardären beherrscht werden. Zu ihnen gehört der Telekommunikationsunternehmer Xavier Niel, der wegen Geschäften mit Telefonsex-Diensten und Peepshows ein paar Monate im Gefängnis saß. Ihren Streit erklärten Niel und Pigasse in einem gemeinsamen Interview, das sie dem „Figaro“ gaben, mit ihren überfüllten Terminkalendern, unter denen das direkte Gespräch zwischen ihnen gelitten habe. Laut Pigasse ist auch sein Geschäftspartner Daniel Kretinsky mit der vereinbarten Lösung einverstanden. Der tschechische Unternehmer ist mit 49 Prozent an Pigasses Aktienpaket beteiligt und soll für den Rest über ein Vorkaufsrecht verfügen. Die Redaktion von „Le Monde“ hatte befürchtet, dass Kretinsky das Blatt übernehmen wollte. Pigasse bleibt die Möglichkeit, seine Aktien zum Marktwert zu verkaufen – er hat sie mit Bankkrediten finanziert.

          Gemeinsam mit dem verstorbenen Pierre Bergé hatten Niel und Pigasse „Le Monde“ 2010 mitten in der Pressekrise gekauft, sie sagen: gerettet. In die Sanierung und den digitalen Umbau der Zeitung investierten sie 120 Millionen Euro. Die Auflage steigt wieder. Mit 230 000 Online-Abonnenten lässt „Le Monde“ alle anderen französischen Zeitungen weit hinter sich. Die in mehreren Wellen entlassenen Journalisten wurden ersetzt. Seit vier Jahren erwirtschaftet die Zeitung auch wieder Gewinne. Im vergangenen Jahr waren es zwölf Millionen Euro. 2019 soll noch besser ausfallen.

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