https://www.faz.net/-gqz-7ygui

Französische Karikaturen : Pegida als Hyäne

  • -Aktualisiert am

Anti-Pegida-Karikatur des Künstlers Michel Cambon: „Récupération“. Bild: dpa

Die Anhänger der Pegida-Bewegung wollen bei einem Trauermarsch der Opfer des „Charlie Hebdo“-Attentats gedenken. Französische Karikaturisten lehnen diese Instrumentalisierung ab und wehren sich.

          Pegida bleckt die Zähne. Neugierig steht die dicke, hässliche Hyäne bei „Charlie Hebdo“ vor der Tür, nachdem die Terroristen das Blutbad angerichtet haben. Darüber steht „Récupération“, Vereinnahmung. Neben der Hyäne haben sich Geier und Wolf eingefunden, ebenfalls Aasfresser, die auch schon interessiert am Blut schnüffeln. Der Künstler Michel Cambon ist mit dieser Karikatur Teil einer Aktion von französischen und frankophonen Karikaturisten, die sich gegen die islamfeindliche Bewegung Pegida einsetzen. Sie werfen den Anhängern vor, die Attentate in Frankreich für ihre islamfeindlichen Zwecke zu instrumentalisieren.

          Die Karikatur des französisch-burkinischen Künstlers Damien Glez, mit dem Titel „Qu’est-ce qui embête Pegida?“ (“Was stört Pegida?“). (Mit der Antwort: „Je souffre d’un racisme anti-raciste“, also “Ich leide unter einem antirassistischen Rassismus“.) Bilderstrecke

          Auf der zweisprachigen Facebook-Seite fordern die „Karikaturisten gegen Pegida“ die Bürger Dresdens auf, sich für Toleranz und Weltoffenheit einzusetzen. Die Idee kam den Künstlern, als sie von dem geplanten Trauermarsch der Pegida-Anhänger erfuhren, um der Opfer des Anschlags auf „Charlie Hebdo“ zu gedenken. „Wir wollen uns gegen eine Vereinnahmung wehren“ bekräftigte ihr Sprecher an diesem Montag.

          Unendliche Trauer, aber ohne Hass

          Der französische Künstler Jean-Marc Couchet alias Giemsi lässt in seiner Karikatur dezidiert Neonazis auf den Dresdner Straßen marschieren. „Halt’ dich etwas zurück, Jurgen!“ - sagt da ein grobschlächtig aussehender Mann mit einrasiertem Hakenkreuz zu „Jurgen“, der Hitler zum Verwechseln ähnlich sieht. Beide führen eine Horde grimmig dreinschauender Männer mit Glatzen an. Die eine Hand hat Jurgen zum Hitlergruß erhoben, in der anderen hält er ein dieser Tage oft gesehenes Schild mit dem Schriftzug „Ich bin Charlie“ in die Luft. Über der derben Szene in Braun-Grau steht der rote Schriftzug „Récupération Fasciste“. So stellen sich die Karikaturisten den Trauermarsch der Pegida-Anhänger vor und rufen die Bürger dazu auf, sich gegen Hass und Islamfeindlichkeit einzusetzen. Schließlich sei Dresden im Kampf gegen Rassismus und die Eingeschränktheit des Geistes, wie Paris, eine symbolische Stadt. Man müsse sich gegen den Akt dieser Instrumentalisierung erheben, sonst würde man die Opfer des Attentats auf „Charlie Hebdo“ ein zweites Mal töten.

          Den Aufruf unterzeichnete unter anderem der niederländische Karikaturist „Willem“, ein Zeichner und Gründungsmitglied von „Charlie Hebdo“. „Es gab sofort viel Zustimmung von verschiedenen Zeichnern an vielen verschiedenen Orten“, sagte der Sprecher. Bereits ein Dutzend Zeichnungen sind online, und es kämen immer neue Karikaturen hinzu, erklärte der Sprecher. Auch auf der Facebook-Seite äußern viele ihren Zuspruch. Die Karikaturisten betonen, dass ihre Unterstützung zwar von unendlicher Trauer erfüllt sei, jedoch ohne jeglichen Hass bleibe. Auch beteiligt sind die Künstler Aurel (Zeichner bei „Le Monde“, Frankreich), Jiho (Zeichner bei „Siné Mensuel“, Frankreich), Jean-Francois Caritte (Frankreich), Jacques Sondron (Belgien), Pascal Gros (Zeichner bei „Marianne“, Frankreich), Damien Glez (Burkina Faso, Frankreich, international), Aymeric Chastenet (alias Mric, Frankreich), Gab (Frankreich), Benjamin Lacombe (Frankreich), Philippe Deveaux (alias Devo, Frankreich).

          Weitere Themen

          Die neue Mündlichkeit

          FAZ Plus Artikel: Youtube : Die neue Mündlichkeit

          Rezos Video rechnet mit Lesern, die lesen können, aber meistens nicht gelesen haben, was er für sie gelesen hat. Wie Youtube das Verhältnis von gesprochenem Wort, Schrift und Wissen verändert.

          „Dschinn“ Video-Seite öffnen

          Trailer : „Dschinn“

          „Dschinn“ läuft ab Donnerstag, den 13. Juni auf Netflix.

          Topmeldungen

          Ehemaliger Lebensmittelladen in Loitz: Der Solidaritätszuschlag dient in erster Linie zur Finanzierung der Kosten, die die deutsche Wiedervereinigung verursacht hat. (Archiv)

          Wortbruch der Union : Soli-Schmerzen

          Dass ein Teil des Soli bleibt, dürfte für die Betroffenen finanziell zu verschmerzen sein. Nicht aber der Wortbruch der Union – und das bittere Gefühl, dass ihr Sondereinsatz für das Land nicht einmal wertgeschätzt wird.
          Trotz Sanktionen: Schweißer arbeiten Anfang April im Karosseriebau des Mercedes-Benz Werks im Industriepark Jessipowo bei Moskau

          Russland-Sanktionen : Der Preis des Zurückweichens

          Die Russland-Sanktionen waren ein Signal. Deren Aufhebung wäre es erst recht – die EU würde damit demonstrativ vor Moskaus Politik der Gewalt und Drohung zurückweichen.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.