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Medien in Frankreich : Hurra, wir haben die Presse verschenkt!

New York Stock Exchange vor zwei Monaten: Patrick Drahi feiert den Börsengang der amerikanischen Tochterfirma seines Konzerns „Altice“. Bild: EPA

Patrick Drahi will mit seiner Telekomfirma SFR Frankreich erobern. Er verkauft Handyverträge, kauft Fernsehrechte und bietet Zeitungen zu Minipreisen an. Er geht vor wie Amazon. Ob die Verlage das überstehen?

          5 Min.

          Für Zeitungsleser sind in Frankreich paradiesische Zeiten angebrochen. Nie war es so leicht, renommierte Blätter und politische Magazine aus dem ganzen Land zu lesen. Der Pariser „Figaro“ gefällig? Mit einem Klick lädt man sich „Libération“ herunter. Genauso geht es mit dem Boulevardblatt „Le Parisien“. Auch „L’Express“ wird unter dem gleichen digitalen Dach vertrieben. Und am Wochenende die Sonntagszeitung „Le Journal du Dimanche“ sowie die Magazine des „Figaro“. „Paris Match“ fehlt nicht. Wenn man Lust auf Klatsch verspürt, stehen die People-Illustrierten bereit. Die Auswahl an Programmzeitschriften ist umfassend. Für Kinder gibt es „Mickey Mouse“, für Manager Wirtschaftsmagazine wie „L’Expansion“. Die Sportzeitung „L’Equipe“ sowie mehrere Sport- und Fachzeitschriften („L’Auto“, „Le Vélo“) sind in Sekunden auf dem Bildschirm. Genauso wie „Elle“ und „Marie-France“ und Ratgeber-Magazine zu Gesundheit, Essen, Körperpflege.

          Jürg Altwegg

          Freier Autor im Feuilleton.

          Der Blick schweift in die Provinz und erschließt die führenden Zeitungen (fast) aller Regionen: Bernard Tapies „La Provence“ in Marseille, „La Voix du Nord“ aus Lille, „Corse Matin“ oder „Sud-Ouest“ und „Ouest-France“. Und selbstverständlich liegen Reisemagazine und Kulturzeitschriften wie „Lire“, „Classica“, „Jazz“ in der Bibliothek aus, sie umfasst mehr als achtzig Titel.

          Und der Preis? Er ist, ehrlich gerechnet, ein Nulltarif. Denn das Leserparadies ist eine Beigabe für diejenigen, die mit dem Konzern SFR einen Handy- oder Internetvertrag abgeschlossen haben. Dem Nutzer der „SFR Presse“ sind keine Grenzen gesetzt, er darf jedes Blatt lesen.

          SFR (Société française de radiotéléphonie) ist in Frankreich hinter Orange (Ex-France-Télécom und immer noch mit staatlicher Beteiligung) die Nummer zwei auf dem Markt der Telekommunikation. Der Konzern gehört zu Altice, der Firma des in der Schweiz ansässigen französisch-israelischen Kabelunternehmers Patrick Drahi. Altice hat bei den Banken, die seine Expansion finanzieren, Schulden von fünfzig Milliarden Euro. In Paris erwarb Drahi auf Kredit „Libération“ und „L’Express“. Er legte sie mit dem Newssender BFM-TV und dessen Satelliten zusammen. SFR kam vor zwei Jahren hinzu – Emmanuel Macron spielte bei dem Deal eine Schlüsselrolle.

          Der digitale Zeitungskiosk ist keine Erfindung Drahis. Es gibt mehrere, die beliebtesten sind „Relay“ und „Le Kiosk“. Sie bieten Abonnements an. Das billigste kostet zehn Euro pro Monat. Für zwanzig Euro bekommt man 25 Kredite, die beim Downloaden verrechnet werden. Für die meisten Magazine wird ein Kredit verrechnet, weniger als ein Euro: das ist im Vergleich zum Preis der gedruckten Ausgabe am Kiosk gut fünfmal weniger. Ist der gesamte Kredit verbraucht, kann man einzelne Titel zum etwas realistischeren Preis erstehen. Der Betrag, der den Medienunternehmen überwiesen wird, bleibt Geschäftsgeheimnis.

          SFR bietet auch die in der eigenen Holding erscheinenden Publikationen in einem Online-Shop an, der nicht nur Kunden mit Handy-Abo offensteht: der unbeschränkte Zugriff auf „Libération“, „L’Express“ und ein paar hauseigene Zeitschriften kostet zwanzig Euro im Monat. Zum Vergleich: das digitale Abonnement von „Libération“ allein wird für siebzehn Euro angeboten, als Mehrwert umfasst es einzig noch den Zugang zum Archiv.

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