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Frankreichs Medien : So spielt Paris mit der Presse Monopoly

Spott unerwünscht: Die bekannte Puppen-Satireshow „Les Guignols de l’Info“ darf sich nicht mehr über französische Politiker lustig machen. Im Jahr 2007 nahm sie noch Segolene Royal, Nicolas Sarkozy (rechts) und Francois Bayrou auf die Schippe. Bild: AFP

Frankreichs nächster Präsident wird erst 2017 gewählt. Doch schon jetzt werden die Medien darauf eingestellt: Reiche Freunde von Nicolas Sarkozy kaufen Sender, François Hollandes Leute gründen welche.

          Es gibt in Frankreich drei private Nachrichtensender: BFM-TV, i-Télé und LCI. Nach wirtschaftlichen Kriterien ist das einer zu viel. Doch jetzt will ihnen auch noch der Staat die Zuschauer streitig machen. Als „Stimme Frankreichs“ betreibt er den internationalen Sender France24, der auch im eigenen Land zu empfangen ist. Gleichwohl hat Delphine Ernotte, die Intendantin von France Télévision, ein neues Nachrichtenprogramm trotz Sparzwang zur Priorität erklärt – Sendebeginn: 2016. Das Projekt ist ein Auftrag ihrer politischen Schirmherren: 2017 findet die Präsidentschaftswahl statt, und die Linke fürchtet nicht ohne Grund, dass BFM-TV, i-Télé und LCI gegen Hollande Stimmung machen könnten.

          Jürg Altwegg

          Freier Autor im Feuilleton.

          Dieser Tage vollzieht sich die Übernahme von „Le Parisien“, der wichtigsten Boulevardzeitung des Landes, durch den Luxusgüterkonzern LVMH. Dessen Eigentümer Bernard Arnault gehört schon die führende Wirtschaftszeitung „Les Echos“. Er entspricht damit dem Trend: In der Pressekrise haben branchenfremde Konzerne den Verlagen die besten Marken abgekauft, meist zum Schnäppchenpreis. Dem – einstigen – Verlagsunternehmen Amaury, das den „Parisien“ abstößt, gehört nur noch die Sporttageszeitung „L’Equipe“. Diese hatte einst die Tour de France und später den Skiweltcup als Stofflieferanten begründet. Jetzt will sich Amaury auf die Organisation von Sportereignissen konzentrieren. Für die redaktionelle Unabhängigkeit von „L’Equipe“ wird das Geschäftsfeld der Eigentümer, die Kritik als geschäftsschädigend einschätzen müssen, zur Belastung.

          Ein Wahlkampfgeschenk für Sarkozy

          „Le Parisien“ ist ein Wahlkampfgeschenk des reichsten Franzosen an Nicolas Sarkozy, der wieder Präsident werden will und dem Blatt schon mehrere Interviews gab. Etwa am Dienstag dieser Woche. Da präsentierte Sarkozy sein Programm zur inneren Sicherheit. Eigentlich müsste ihm der konservative „Figaro“ seines Parteifreundes Serge Dassault für derartige Auftritte näher sein. Doch seit Präsident Hollande mit Erfolg die Flugzeuge von Dassault verkauft, formuliert der „Figaro“ Kritik an den Sozialisten zurückhaltender. Der „Figaro“ schreibt schwarze Zahlen. Durch Zukäufe im Datengeschäft behauptet die Zeitung ihre führende Stellung im französischen Internet. Ihre Reichweite in Frankreich ist mit jener von Facebook vergleichbar. So erreicht der „Figaro“ mehr Klicks als der führende Telekomanbieter Orange.

          Das Nachrichtenmagazin „L’Express“ – zuletzt im Besitz des belgischen Verlags Roularta – und die nach dem Mai 68 von Maoisten um Jean-Paul Sartre gegründete Tageszeitung „Libération“ haben eine wechselvolle Geschichte hinter sich. In ein paar Wochen werden ihre Redaktionen zusammenziehen. Sie haben jetzt denselben Eigentümer: Patrick Drahi, einen in der Schweiz lebenden Kabelunternehmer französisch-israelischer Herkunft. Drahis Unternehmen Altice hat den zweitgrößten französischen Telekomanbieter SFR übernommen. Wer einen Handy-Vertrag mit SFR schließt, bekommt ein Jahr lang „L’Express“ umsonst. Altice hat das Magazin und die ihm angeschlossenen Zeitschriften für weniger als siebzig Millionen Euro übernommen – ein Jahrzehnt zuvor hatte Roularta dreimal so viel bezahlt. Es sind bescheidene Summen im Vergleich zu den acht Milliarden Euro, die Drahi 2014 für Telecom Portugal hinblätterte, und die 24 Milliarden Euro, die er in Amerika für Cablevision und Suddenlink aufbringen musste.

          Werden sich – wie schon 2012 – auch 2016 wieder gegenüberstehen: Francois Hollande und Nicolas Sarkozy beim Fernsehduell.

          Inzwischen hat Patrick Drahi auch einen Deal mit dem Eigentümer von BFM-TV eingefädelt: Der Nachrichtensender, Radio Monte Carlo und mehrere andere Kanäle werden Altice Media einverleibt. Durch einen Aktientausch wurde Frankreichs Medienaufsicht CSA ausgetrickst. Immerhin scheint sich Drahi nicht in die inhaltlichen Belange seiner Medien einzumischen. Das sagte er den Chefredakteuren von „L’Express“ und „Libération“ zu. Einzige Vorgabe: Sie dürfen keine roten Zahlen schreiben. Im Klartext: Den Redaktionen wurden nach dem Besitzerwechsel Sparprogramme mit vielen Entlassungen aufgenötigt.

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